• Die Energiepreise ziehen massiv an. Manche Verbraucher fragen sich: Ist es Zeit, den Anbieter zu wechseln?
  • Wie das geht, was bei der Suche zu beachten ist und wie sich ohne Wechsel Strom sparen lässt.

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Wer kürzlich von seinem Energieversorger für Gas oder Strom eine Preiserhöhung erhalten hat, sollte sich nach Alternativen umschauen, empfiehlt Christina Wallraf von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Dann ist auch ein schneller Wechsel möglich, da durch die Preiserhöhung in der Regel ein Sonderkündigungsrecht besteht. "Die Kündigung muss dann bis zum Wirksamwerden der neuen Preise beim Anbieter eingegangen sein", erklärt die Expertin.

Normalerweise sind Altkundenverträge teurer, daher sollte man regelmäßig die Preise verschiedener Anbieter vergleichen und entsprechend wechseln. Aktuell ist der Vertrag mit einem neuen Versorger allerdings nicht immer die beste Lösung.

"Altverträge können im Moment günstiger sein als Neukundenverträge am Markt. Das heißt, ein Wechsel lohnt möglicherweise nicht. Das liegt an stark gestiegenen Beschaffungskosten in diesem Jahr. Aktuell herrscht eine Ausnahmesituation", betont Wallraf. Wer Energiepreise vergleichen möchte, landet oft auf Vergleichsportalen im Internet.

Generell ist dies ein guter Weg zur Recherche, allerdings seien dort im Moment nicht alle Tarife auf dem aktuellen Stand, sagt Wallraf. Lohnen könne es sich auch, zunächst beim Anbieter vor Ort nach dessen Preisen Ausschau zu halten, da auch regionale Energieversorger günstige Angebote haben könnten.

Strompreis für Privathaushalte und für die Industrie: Entwicklung seit 1998
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Vergleichsportale: Diese Einstellungen sind wichtig

Bei der Suche nach günstigeren Preisen über Vergleichsportale sollten Verbraucherinnen und Verbraucher zunächst die Filtereinstellungen ändern, empfiehlt die Expertin. "Wir raten zu einer kurzen Erstlaufzeit von maximal einem Jahr, einer Folgelaufzeit von einem Monat und einer Kündigungsfrist von vier Wochen."

Zudem sollte der Bonus zunächst nicht angeklickt sein, da er die tatsächlichen Energiekosten verschleiere und: "Die 'Empfehlungen' und direkte Wechselmöglichkeiten über das Portal sollten deaktiviert sein. Sonst bekommt man nur einen Teil der Tarife angezeigt", sagt Wallraf.

Für eine reguläre Kündigung beim alten Anbieter müssen Verbraucher die Kündigungsfrist beachten. "Das dürfen maximal drei Monate sein", sagt die Verbraucherschützerin. Zudem müsse die Restvertragslaufzeit beachtet werden. "Wenn nicht mehr viel Zeit ist, bis sich der Vertrag verlängert, sollte man selbst kündigen. Ansonsten kann das auch der neue Anbieter übernehmen." Allerdings können Mieter mit Gaszentralheizungen den Anbieter nicht selber wechseln. Hier müsste der Vermieter aktiv werden.

Wechseldienste als Alternative

Eine weitere Möglichkeit sind Wechseldienste, die jährlich für ihre Kundinnen und Kunden zu einem günstigeren Tarif wechseln und dafür eine Provision bekommen. Das kann sich lohnen, fand die Stiftung Warentest in einem zwei Jahre langen Test heraus.

Wichtig zu wissen ist allerdings: Kunden können nicht alle Arbeit an die Wechseldienste abgeben. Bekommen sie zum Beispiel von ihrem Versorger eine Preiserhöhung zugeschickt, müssen sie diese an den Wechselhelfer weiterleiten.

Wie viel kann man durch einen Wechsel sparen?

Noch vor einem Jahr lag der Mittelwert der Einsparungen nach Erhebungen von Verivox bei einem Haushalt mit einem Stromverbrauch von 4.000 kWh im Jahr bei 361 Euro und bei einem Gasverbrauch von 20.000 kWh bei 583 Euro. Angesicht der stark steigenden Preise dürfte die Ersparnis aber aktuell geringer ausfallen.

Die Verbraucherzentrale NRW sieht die aktuellen Einsparmöglichkeiten ebenfalls gering. "Aktuell sieht es leider so aus, dass man durch den Anbieterwechsel deutlich weniger sparen kann als vor einem Jahr", sagt Christina Wallraf. "Manchmal kann man gar nichts sparen im Vergleich zur Grundversorgung."

Energiekosten durch richtiges Heizen senken

Dafür besteht im alltäglichen Nutzungsverhalten im Haushalt ein erhebliches Einsparungspotenzial beim Verbrauch von Strom und Heizkosten. So lasse zum Beispiel ein Grad weniger Raumtemperatur den Verbrauch der Heizung schon um sechs Prozent sinken, erklärt Wallraf. Die optimale Raumtemperatur liegt je nach Raumnutzung zwischen 18 und 22 Grad Celsius.

Um Räume nicht unnötig aufzuheizen, können smarte Thermostate eingesetzt werden. Diese heizen nur zu Zeiten, in denen das Zimmer auch genutzt wird. Ganz auskühlen lassen sollte man die Wohnung oder einzelne Räume allerdings nie: "Im Schlafzimmer sollte auch tagsüber auf mindestens 16 Grad geheizt werden, sonst besteht Schimmelgefahr", warnt Wallraf. Aus diesem Grund sollte die Heizung nie komplett ausgeschaltet werden.

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Auch beim Lüften gilt es einiges zu beachten: "Beim Lüften sollte die Heizung immer ausgedreht werden, sonst geht das Thermostatventil voll auf", sagt die Expertin. Stoßlüften sollte man nur wenige Minuten und das drei bis fünf Mal pro Tag sowie nach dem Duschen, Baden und Kochen, damit die entstandene Feuchtigkeit nach draußen gelangen kann.

Kipplüften hingegen ist in keinem Fall eine gute Idee. "Hierbei kühlen die Wände aus und es muss wieder viel Heizenergie investiert werden, um den Raum wieder warm zu bekommen", erklärt die Expertin. Wichtig ist zudem, dass die Heizkörper nicht zugestellt oder mit Gegenständen bedeckt sind.

Stromfresser im Haushalt vermeiden

Ein Hauptkostentreiber im Haushalt kann zudem die elektrische Warmwasserbereitung sein, zum Beispiel, wenn der Haushalt sein Wasser über einen Durchlauferhitzer erwärmen muss. "Das ist in jedem fünften Haushalt der Fall", sagt Wallraf. "Hier lässt sich zum Beispiel sparen, indem ein Sparduschkopf eingesetzt wird."

Auch alte, ineffiziente Geräte können wahre Stromfresser sein: "Eine alte Heizungspumpe verursacht circa 170 Euro an Stromkosten. Eine neue effizientere hingegen verbraucht nur ein Fünftel der Energie, also circa 35 Euro pro Jahr."

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Auch alte Trockner und Kühl- oder Gefriergeräte sollten sich Verbraucher einmal genau anschauen und eventuell neue Geräte mit einem geringeren Energieverbrauch anschaffen. Aufschluss über ihn gibt im Handel das Energielabel. Der Verbrauch eines Fernsehers hängt von der Bildschirmdiagonale ab. "Beim Kauf eines TV-Gerätes sollte man also auch die Kilowattstunden vergleichen", sagt Wallraf. "Und beim späteren Gebrauch sollte darauf geachtet werden, das Gerät auszuschalten, wenn man es nicht mehr benötigt."

Für die Nutzung von Wasch- und Spülprogrammen empfiehlt sie die Verwendung von Sparprogrammen oder des Eco-Modus. Für den Trockner gibt es allerdings keine solchen Programme. Hier spart nur Energie und Geld, wer die Wäsche an der Luft trocknet.

Für Besitzer eines Eigenheimes kann es sich langfristig lohnen, eine Solaranlage für das Dach anzuschaffen. "Der Strom vom eigenen Dach ist billiger als der aus der eigenen Steckdose. Daher rechnet sich die Anlage umso schneller, je mehr Strom ich selbst nutzen kann", sagt Wallraf. "Fotovoltaik und E-Mobilität passen daher auch sehr gut zusammen, wenn ich tagsüber mein Elektroauto direkt mit eigenem Sonnenstrom auflade."

Über die Expertin: Christina Wallraf ist Referentin für das Thema Energiemarkt bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Verwendete Quellen:

  • Verbraucherzentrale: Höhere Gaspreis. Das könnte ein Grund sein
  • dpa: Lohnt sich jetzt ein Wechsel des Energieanbieters? 22.11.21
  • dpa: So kommen Verbraucher zu günstigen Tarifen, 4.11.21

Offenlegung: Auch WEB.DE und GMX bieten Strom an.

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