• Gestiegene Kosten für Löhne, Strom und Lebensmittel machen Preiserhöhungen im Gastrobereich unumgänglich.
  • Erste Restaurants erhöhen ihre Preise teilweise um bis zu zehn Prozent.
  • Verbände fordern eine dauerhafte Mehrwertsteuersenkung für Restaurants.

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Gemütlich im Restaurant essen zu gehen, war in den vergangenen zwei Jahren aufgrund der Corona-Pandemie nur mit Hürde möglich. Nun hoffen Restaurants und Gäste im Frühjahr auf Besserung. Doch wer auswärts essen möchte, muss sich auf gestiegene Preise gefasst machen. Die Schließungen während Corona seien dabei nicht der Hauptgrund, erklärt ein Gastronom, der lieber anonym bleiben möchte, im Gespräch mit unserer Redaktion.

Vielmehr seien die gestiegenen Preise für Rohstoffe und Strom für die Erhöhung verantwortlich. Das bestätigte auch Gregor Lemke, Sprecher der Münchner Innenstadtwirte dem Nachrichtenportal "tz.de". "Die Preise explodieren, ob Energiekosten, Preise von Kalb-, Schweine- und Rindfleisch, Gemüse ... Allein der Preis vom Frittier-Fett hat sich verdoppelt", erklärter er.

Eine aktuelle Erhebung des Statistischen Bundesamtes untermauert die Aussage von Lemke. Im Dezember 2021 lagen die Erzeugerpreise für landwirtschaftliche Produkte um 22,1 Prozent höher als noch im Vorjahr. Dies wirkt sich auf den Einkauf der Restaurants aus, die die Mehrkosten für Lebensmittel über Preiserhöhungen wieder reinholen müssen.

"Unternehmer müssen wirtschaftlich denken, sie müssen Gewinne erwirtschaften, Mitarbeiter, Lieferanten und Pachten bezahlen, Investitionen tätigen und ihre eigenen Familien versorgen", erklärt Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) im Gespräch mit unserer Redaktion. "Ich bin davon überzeugt, dass viele Gäste Verständnis für notwendige Preisanpassungen haben, da sie aktuell auch mit Preissteigerungen an der Zapfsäule oder im Supermarkt konfrontiert sind. Solange das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt und auch Preiserhöhungen für den Gast nachvollziehbar sind, werden die Gäste diese auch akzeptieren."

Restaurantbesuch: Bier und Schweinebraten werden teurer

Wie stark die Preissteigerungen ausfallen, können noch nicht alle Gastrobetriebe sagen. Ein Münchner Gastronom gab im Gespräch mit der Redaktion an, man erhöhe unter anderem den Bierpreis um drei Prozent. In anderen Restaurants sind die Preise dagegen stärker gestiegen. So kostete ein Schweinebraten im Mai 2021 noch 10,50 Euro und im Februar 2022 bereits 11,50 Euro – eine Steigerung um rund 9,5 Prozent.

Noch keine aussagekräftigen Informationen liegen den Katzentempel-Betreibern der aktuell sechs Cafés in Deutschland vor. Man warte noch auf Updates der Lieferanten. "Allerdings rechnen auch wir mit steigenden Preisen, welche nicht zuletzt auch durch den steigenden Mindestlohn zustande kommen werden", sagt eine Sprecherin.

"Durch die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns steigt nicht nur das Entgelt im niedrigsten Tarifbereich, sondern in nahezu allen Gehaltsgruppen. Laut einer Dehoga-Umfrage, an der sich mehr als 7.000 Betriebe beteiligten, liegen die dadurch bedingten Personalkostensteigerungen mehrheitlich bei 15 bis 25 Prozent", sagt Hartges. Auch der Arbeitskräftemangel führe bereits zu höheren Gehältern. "Ob und wie stark Restaurants die Preise erhöhen, ist eine individuelle Entscheidung, da jeder Gastronom für seine Preiskalkulation verantwortlich ist. Dabei hat er auch seine Gäste im Blick."

Dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer gefordert

Wie wichtig eine Rückkehr zur Normalität für die Gastronomie ist, zeigen die aktuellen Umsatzzahlen der Branche. Laut Statistischem Bundesamt brachen die Umsätze 2021 um 40,3 Prozent im Vergleich zu 2019 ein. Daher sind Preiserhöhungen für Gäste wohl unumgänglich und helfen dabei, Restaurants vor der Schließung zu bewahren.

Von besonderer Relevanz für die Zukunftssicherung sei laut Hartges die dauerhafte Geltung der sieben Prozent Mehrwertsteuer auf Speisen. Dies sei zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit dringend geboten. "Seit Jahrzehnten kämpfen wir für die steuerliche Gleichbehandlung von Essen, weil wir kein Verständnis dafür hatten, dass vor der erfolgten Steuersenkung am 1. Juli 2020 Fertiggerichte aus dem Supermarkt, Essen im Gehen oder Stehen wie auch Essen vom Lieferservice mit sieben Prozent besteuert wurden – und in unseren Restaurants 19 Prozent anfielen. Mit der dauerhaften Geltung von sieben Prozent Mehrwertsteuer würde der Branche die Wertschätzung gezeigt, die sie in den meisten EU-Ländern bereits genießt. So wird in 21 EU-Staaten steuerlich kein Unterschied gemacht zwischen Lebensmitteln aus dem Supermarkt, To-go-Angeboten und Essen im Restaurant", argumentiert Hartges.

Teurere Restaurantbesuche auch im Ausland

Aber nicht nur Restaurants in Deutschland müssen die Preise erhöhen. Auch schweizerische und österreichische Gastrobetriebe sind betroffen. Wie das Schweizer Nachrichtenportal "Nau" berichtet, ist im März und April mit Preiserhöhungen zu rechnen. Wie hoch diese im Nachbarland ausfallen, können die dortigen Restaurantbesitzer ebenfalls noch nicht sicher sagen.

In der österreichischen Hauptstadt treffen die gestiegenen Kaffeepreise vorrangig die Wiener Kaffeehauskultur. Ab Mitte März könnten dort die Preise deutlich steigen. Tchibo Österreich verzeichnete laut dem österreichischen Newsportal "standard.at" einen Anstieg bei den Rohstoffpreisen um etwa 50 Prozent. Ursache dafür ist eine extreme Dürreperiode in Brasilien – dem Hauptexporteur für Kaffee.

Über die Expertin: Ass. jur. Ingrid Hartges ist seit Januar 2006 Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). Die Volljuristin setzt sich seit 1989 im Dehoga für die Belange der Hotel- und Gastrobranche ein. Während der Corona-Pandemie liegt ihr Fokus auf dem Neustart der Branche.

Verwendete Quellen:

  • Gespräch mit Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA Bundesverband)
  • Schriftliche Anfrage an die Café-Kette Katzentempel, Pressestelle
  • tz.de: "Schweinsbraten-Schock in München – und es soll noch schlimmer werden"
  • Standard.at: "Kaffeepreise kochen in die Höhe"
  • Nau.ch: " Coronavirus: Zürcher Beizen erhöhen Preise «deutlich»"
  • Pressemitteilung Statistisches Bundesamt: Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte im Dezember 2021 um 22,1 % höher als im Dezember 2020 (14. Februar 2022)
  • Pressemitteilung Statistisches Bundesamt: Gastgewerbeumsatz 2021 real 2,2 % niedriger als 2020 (21. Februar 2022)
Teaserbild: © picture alliance / Xinhua News Agency/Bai Xuefei