Das konservative Frankreich steht Kopf. Allein am vergangenen Sonntag demonstrierten in Paris 150.000 Menschen gegen ein neues Gesetz, das die französische Nationalversammlung Ende April verabschiedet hat und das am 29. April in Kraft tritt. Es ist ein Gesetz, das es in vergleichbarer Form erst in einem Dutzend Staaten der Erde gibt. Dieses Gesetz stellt die Ehe von gleichgeschlechtlichen Menschen, von Schwulen und Lesben, der Ehe von Mann und Frau vollkommen gleich - mit allen Rechten und Pflichten. Darunter fällt zum Beispiel auch das Adoptionsrecht.

In Deutschland geht die Gleichstellung von Homosexuellen noch nicht so weit. Denn bei uns gibt es bislang nur die sogenannte "Eingetragene Partnerschaft", die sich von der Ehe deutlich unterscheidet. Wir haben zusammengestellt, wie unterschiedlich die sogenannte "Homo-Ehe" in verschiedenen Ländern ausgestaltet ist.

Eingetragene Partnerschaft ist keine Ehe

In Deutschland gibt es seit 2001 die "Eingetragene Partnerschaft". Sie wurde ähnlich der Ehe gestaltet, begründet jedoch einen eigenen Personenstand. Die Eingetragene Partnerschaft kann nur von gleichgeschlechtlichen Paaren eingegangen werden und sichert deren Beziehung rechtlich ab. Die gesetzliche Grundlage bildet das Lebenspartnerschaftsgesetz.

Ein wesentlicher Unterschied zur Ehe besteht darin, dass Lebenspartner gemeinsam keine Kinder adoptieren dürfen. Allerdings kann jeder der Partner ein Kind allein adoptieren. Auch steuerlich werden Lebenspartner zum Beispiel beim Ehegattensplitting anders als Ehepaare behandelt. Es gibt verschiedene politische Initiativen, die sich für die völlige Gleichstellung der Eingetragenen Partnerschaft mit der Ehe einsetzen.

Völlige Gleichstellung von homosexuellen Paaren

In Frankreich besteht vom 29. Mai an eine völlige Gleichstellung von Homosexuellen in Fragen der Ehe. Für alle Paare gilt von da an geschlechtsunabhängig dasselbe Recht. Gleichgeschlechtliche Ehepaare können zum Beispiel auch Kinder adoptieren.

Eine ähnlich weitreichende Gesetzgebung haben nur zwölf andere Staaten eingeführt. Vorneweg waren die Niederlande, wo entsprechende Gesetze bereits 2001 in Kraft traten. Es folgten Belgien 2003, Spanien und Kanada 2005, Südafrika 2006, Norwegen und Schweden 2009, Island und Argentinien 2010, Dänemark 2012 und Brasilien 2013. Auch Portugal hat 2010 gleichgeschlechtliche Ehen eingeführt, allerdings die Möglichkeit einer gemeinsamen Adoption eines Kindes ausgeschlossen.

Noch in diesem Jahr wird voraussichtlich in Kolumbien, Uruguay und Neuseeland die gleichgeschlechtliche Ehe eingeführt. In den USA ist die Gesetzeslage uneinheitlich. Neun Bundesstaaten und der District of Columbia haben die Ehe für homosexuelle Paare geöffnet. Hinzu kommen zwei Indianerstämme in Washington und Michigan. Noch in diesem Jahr treten entsprechende Gesetzesänderungen in den Bundesstaaten Delaware, Rhode Island und Minnesota in Kraft. In Mexiko hat der Bundesstaat Quintana Roo und der Bundesdistrikt "Distrito Federal de México" die "Homo-Ehe" eingeführt.

Eingeschränkte Gleichstellung

Für Regelungen, die der Eingetragenen Partnerschaft entsprechen, haben sich viele andere Staaten entschieden. Seit 2007 ist in der Schweiz ein Partnerschaftsgesetz in Kraft, das Lebenspartner und Ehepartner weitgehend gleichstellt. Allerdings ist Lebenspartnern eine gemeinsame Adoption nicht gestattet, auch besteht für eine Eingetragene Partnerschaft keine Zugewinngemeinschaft, wie das bei einer Ehe üblich ist.

In Österreich gilt seit 2010 das "Eingetragene Partnerschafts-Gesetz", das in allen wesentlichen Punkten der Zivilehe angeglichen ist. Es gibt jedoch keinen gemeinsamen "Familiennamen" sondern einen "Nachnamen". Eine gemeinsame Adoption ist nicht möglich.

Seit 2009 gibt es in Ungarn die Eingetragene Partnerschaft, die der Ehe ebenfalls im Wesentlichen gleichgestellt ist. Die Scheidung kann jedoch vor einem Notar erfolgen. Eine Adoption ist nicht möglich, ein gemeinsamer Name nicht vorgesehen.

Weitere Staaten, die eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft gesetzlich geregelt haben sind: Andorra, Australien, Ecuador, Finnland, Großbritannien, Italien (die meisten Regionen, aber nicht landesweit), Irland, Kroatien, Liechtenstein, Luxemburg, Slowenien, Tschechien.

Keine Gleichstellung

In vielen anderen Staaten sind gesetzlich geregelte Beziehungen wie die Ehe nur heterosexuellen Paaren gestattet, dazu gehören in Europa Polen, Ukraine, Weißrussland, Litauen, Lettland, Moldawien, Bulgarien, Serbien und Montenegro. Besonders in arabischen Staaten sind homosexuelle Beziehungen sogar noch immer unter Strafe gestellt.