• In den Umfragen unter Wählern erzielt nur die Kanzlerpartei CDU bessere Werte als die Grünen.
  • Sie wollen 2021 nach dann 16 Jahren in Regierungsverantwortung im Bund zurückkehren.
  • Dafür formulieren sie ein neues Grundsatzprogramm, in dem sie ein kontroverses Thema zur Freude der Klimakämpfer verankern.

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Die Grünen haben auf ihrem digitalen Parteitag ihre Kontroverse über die Zielmarke bei der Begrenzung der Erderwärmung beigelegt. Ein Antrag, der offenbar nach Gesprächen der Parteiführung mit Kritikern zustande kam, bekennt sich klarer zum 1,5-Grad-Ziel.

Parteichef Robert Habeck bekräftigte in seiner Rede den Machtanspruch der Grünen: "Erstmals kämpft eine dritte Partei ernsthaft um die Führung dieses Landes."

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"Zentrale Grundlage unserer Politik ist das Klimaabkommen von Paris sowie der Bericht des Weltklimarates zum 1,5-Grad-Limit", heißt es in dem Antrag. "Es ist daher notwendig, auf den 1,5-Grad-Pfad zu kommen." Entscheidend sei unmittelbares und substanzielles Handeln in den nächsten Jahren.

Appelle der Umweltaktivisten wirken

Zuvor hatten Vertreter der Umweltbewegung an die Grünen appelliert, sich klarer als zunächst vorgesehen zum 1,5-Grad-Ziel zu bekennen. Im ursprünglichen Entwurf für das Grundsatzprogramm war lediglich auf das Pariser Klimaabkommen verwiesen worden, demzufolge die Erderhitzung deutlich auf unter zwei Grad, möglichst auf 1,5 Grad begrenzt werden soll.

Die Umweltaktivistin Luisa Neubauer von "Fridays for Future" begrüßte die neue Textvariante. "Die Grünen haben auf Druck von breiten gesellschaftlichen Bündnissen heute einen wichtigen Schritt gemacht", twitterte sie.

Neben der Klimapolitik stand am Samstag das ebenfalls kontrovers diskutierte Thema direkte Demokratie auf der Tagesordnung. Habeck sprach sich im Vorfeld gegen Volksabstimmungen auf Bundesebene aus. "Der Brexit ist durch eine Volksabstimmung ausgelöst worden, Europas Verfassung ist durch sie verhindert worden", sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Die Frage ist doch, welches Problem eine bundesweite Volksabstimmung löst."

Gegen Volksabstimmungen: Robert Habeck wirbt für Bürgerräte

"Ein Problem ist, dass viele zu wenig Gehör finden - im Parlament sitzen zum Beispiel kaum Abgeordnete mit mittlerer Reife oder im Grunde niemand mit erstem Schulabschluss", sagte Habeck weiter. Um darauf zu antworten, gäbe es aber "ein besseres Modell, die Bürgerräte". Dafür würden Bürger per Los ausgewählt. Repräsentative Bürgerräte könnten dann den Parlamenten Vorschläge zu konkreten Fragen vorlegen.

In seiner Rede auf dem Parteitag begründete Habeck den Führungsanspruch damit, dass sich die Grünen "den Aufgaben der neuen Zeit stellen" müssten, die aktuelle Regierung sei in einem "Dauer-Reparaturmodus". Habeck betonte, dass seine Partei "für die ganze Gesellschaft arbeitet".

Der Kampf um die Führung des Landes sei "ein hoher Anspruch, ein kühner, vielleicht frecher", sagte Habeck in seiner Rede, die die digital zugeschalteten gut 800 Delegierten zu Hause verfolgten. Macht sei im Kosmos der Grünen "oft ein Igitt-Begriff gewesen", sagte Habeck. "Aber Macht kommt ja von machen."

Robert Habeck: Ohne Klimaschutz kein Wohlstand mehr

In seiner Rede prangerte er Versäumnisse im Umgang mit der Coronakrise an und zog Vergleiche zur Klimapolitik: "Wenn wir die Klimakrise eskalieren lassen, wie die Coronakrise, dann haben wir als politische Generation versagt." Noch heiße es, Klimaschutz gefährde wirtschaftlichen Erfolg. "Dabei wird es nur mit und durch Klimaschutz in Zukunft noch wirtschaftlichen Erfolg und Wohlstand überhaupt geben", sagte Habeck.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte auf dem digitalen Parteitag: "Wir wollen Verantwortung übernehmen für dieses Land, als führende Kraft." Er fügte hinzu: "Der Weg in die ökologische Moderne braucht Konsequenz und Konfliktbereitschaft." Es gehe aber auch darum, alle mitzunehmen. (AFP/hau)

Grüne überholen SPD in Umfrage

Laut einer Umfrage wären die Grünen mit 18 Prozent wieder die zweitstärkste Partei hinter der Union, wenn am 30. August Bundestagswahl wäre. Damit ziehen sie an der SPD vorbei, die in der Umfrage bei 16 Prozent liegt.
Teaserbild: © Kay Nietfeld/picture alliance/dpa