Afghanistan ist vom Krieg zerrüttet. Hochzeiten sind eine der wenigen Gelegenheiten, an denen ausgelassen gefeiert wird. Dass in Kabul ein Selbstmordattentäter ein solches Fest jäh in eine Tragödie verwandelt und über 60 Menschen mit in den Tod gerissen hat, sorgt für Entsetzen und Wut.

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Inmitten einer Hochzeitsgesellschaft sprengt sich ein Selbstmordattentäter in die Luft und reist dabei mindestens 63 Menschen in den Tod: Der verheerendste Anschlag seit Jahresbeginn hat in Afghanistan und darüber hinaus Schock und Wut ausgelöst.

Zu dem Anschlag bekannt hat sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). In einer am Sonntag über das Internet verbreiteten Nachricht hieß es, ein Selbstmordattentäter habe bei einer Versammlung von "Häretikern" - also Abweichlern - eine Sprengstoffweste gezündet. Nach UN-Angaben handelte es sich um eine Hochzeitsfeier von Schiiten, rund 1.000 Menschen seien anwesend gewesen.

Viele Afghanen waren über den Anschlag entsetzt. "Das zerreißt mir das Herz", schrieb der Künstler Omaid Scharifi auf Twitter. "Wie ist das zu rechtfertigen?! Was ist unsere Schuld?!"

Präsident bekundet Angehörigen Mitgefühl

Ein Angestellter eines Mobiltelefonladens, der Freunde in dem Anschlag verlor, war wütend, dass die zahlreichen Sicherheitskräfte in der Hauptstadt derartige Angriffe nicht verhindern könnten. "Wir haben keine Regierung in diesem Land, wir haben nichts!", sagte er.

Präsident Aschraf Ghani drückte den Familien der Getöteten sein tiefstes Mitgefühl aus. Er berief eine Sondersitzung der Sicherheitsbehörden ein und sagte eine für Sonntag in Kabul geplante Wahlkampfveranstaltung ab. Ende September soll die Präsidentschaftswahl stattfinden.

Die UN-Mission in Afghanistan (Unama) verurteilte den Anschlag. Ein bewusster Angriff auf die Zivilbevölkerung sei "empörend und zutiefst beunruhigend", sagte Tadamichi Yamamoto, der Sonderbeauftragte des UN-Generalsekretärs für Afghanistan. Der Angriff könne nur als feige Tat des Terrors bezeichnet werden.

Deutscher Botschafter: "Das ist einfach verrückt"

Der deutsche Botschafter in Afghanistan, Peter Prügel, schrieb auf Twitter, er sei "zutiefst schockiert" über den Angriff auf Zivilisten, die versuchten, im kriegszerrissenen Afghanistan eine gewisse Normalität zu leben. "Das ist mehr als Terror, das ist einfach verrückt!"

Der deutsche Afghanistan-Sonderbeauftragte Markus Potzel twitterte: "Das ist völlig krank und unmenschlich. Es muss sofort aufhören." Er forderte alle Beteiligten dazu auf, ihre Bemühungen um Frieden in Afghanistan zu verstärken.

Auch der Iran verurteilte den Anschlag aufs Schärfste. "Das war eine abscheuliche Tat von Feinden der Menschheit, die in Afghanistan keinen Frieden und Wohlstand sehen wollen", sagte Außenamtssprecher Abbas Mussawi am Sonntag in Teheran. Die Gedanken der iranischen Regierung seien bei den Familien der Opfer, so der Sprecher nach Angaben des Webportals des Außenministeriums. (dpa/mcf)

Die Lage in Afghanistan spitzt sich weiter zu: Es gibt so viele Anschläge wie seit Jahren nicht mehr, Beobachter fürchten, dem Land drohe erneut Bürgerkrieg. Ein Experte sagt: Die Regierung versagt, doch die Menschen fürchten vor allem die Rückkehr der Taliban.

Teaserbild: © Xinhua/Rahmatullah Alizadah/dpa