Nach dem Anschlag von Hanau sitzt der Schock in der Stadt tief. Am Donnerstagabend versammelten sich viele Menschen, um gemeinsam zu trauern – und der Opfer der Gewalttat zu gedenken. Das ist bislang über die Toten von Hanau bekannt.

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Nach dem tödlichen Anschlag auf eine Shisha-Bar und einen Kiosk muss Hanau das Geschehene verarbeiten. Am Donnerstagabend gab es dazu die erste Gelegenheit. Auf dem Marktplatz und in den angrenzenden Straßen der hessischen Stadt hatten sich am Abend Tausende Trauernde versammelt, Freiwillige verteilten Kerzen an die Teilnehmer der Mahnwache.

Mahnwache in Hanau

Auch Spitzen der Bundes- und Landespolitik nahmen an der Veranstaltung teil. In seiner kurzen Ansprache nach der mutmaßlich rassistischen Tat rief Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zum gesellschaftlichen Zusammenhalt auf. "Wir lassen uns nicht einschüchtern", sagte er. Angehörige der Toten hielten Fotos von den Opfern hoch.

Neun Menschen hatte der mutmaßliche Täter Tobias R. am Mittwochabend erschossen. Er selbst und seine Mutter wurden später tot in seiner Wohnung gefunden. Inzwischen ist ein Großteil der Namen bekannt. Ein Instagram-Account will nun das Andenken der Opfer ehren und ihnen den Platz einräumen, den bislang der Täter einnimmt.

Das ist bislang über die Opfer von Hanau bekannt

Ferhat U. wurde in Deutschland geboren und machte laut Recherchen von "Bild" und "Zeit" eine Ausbildung in einem Sanitärbetrieb. Er war Gast der "Arena Bar" und wurde dort getötet.

Die zweifache Mutter Mercedes K. wurde am selben Tatort erschossen. Sie arbeitete laut "Bild" in einem Kiosk neben der Bar.

Auch Umzugsunternehmer Gökhan G. fand vor der "Arena Bar" den Tod. Wie sein Vater der "Süddeutschen Zeitung" erzählte, wollte sich Gökhan gerade verloben. Abends jobbte er neben seinem Maurerjob noch im Kiosk.

Hamza K. wurde laut Recherchen der "New York Times" als Sohn bosnischer Einwanderer in Deutschland geboren. Er war in seinen frühen 20ern, als er starb.

Zu den weiteren Opfern Kolojan V., Vili Viorel P., Said N., Can G., und Sedat G. gibt es bislang keine weiteren Informationen. Bei dem zehnten Opfer handelt es sich um die Mutter des mutmaßlichen Täters.

Einige Informationen lassen sich nicht eindeutig zuordnen

Zudem gibt es einige Informationen, die sich nicht genau zuordnen lassen. So waren mehrere Tote Mitglieder eines kurdischen Vereins in Hanau, wie eine Sprecherin der Organisation der Nachrichtenagentur AFP sagte.

Eines der Todesopfer stammt offenkundig aus Rumänien, wie der rumänische Staatspräsident Klaus Iohannis in der Nacht zum Freitag auf Twitter bestätigte. Er habe mit Bestürzung vom Tod eines rumänischen Staatsbürgers erfahren, schrieb Iohannis, der sich wegen des mehrtägigen EU-Gipfels in Brüssel aufhielt.

Zudem waren unter den Todesopfern nach Angaben der türkischen Botschaft in Berlin auch fünf türkische Staatsbürger. Ein Sprecher der Botschaft bestätigte am Donnerstag einen entsprechenden Bericht der Nachrichtenagentur Anadolu, die sich auf den türkischen Botschafter in Berlin, Ali Kemal Aydin, berufen hatte.

Während die Angehörigen trauern, ermitteln die Behörden weiter die Hintergründe der Tat. So besaß der Sportschütze laut der zuständigen Kreisbehörde zwei Waffen legal und war in einem Frankfurter Schützenverein aktiv, wo er nach Angaben des Vereins aber nie als ausländerfeindlich aufgefallen war.

Viele Fragen sind noch offen, unter anderem, ob der Schütze psychisch krank war und an Wahnvorstellungen litt und ob er möglicherweise Unterstützer hatte. Zum Ablauf der Gewalttaten, die gegen 22:00 Uhr am Mittwoch ihren Anfang nahmen, haben die Ermittler bislang nur wenige Informationen veröffentlicht. (mgb/dpa/AFP)

Zunächst hatten wir berichtet, dass auch Bilal G. unter den Todesopfern sei. Er lebt zum Glück, wie Sicherheitskreise der "taz" bestätigten.
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Hanau steht unter Schock

Ein 43 Jahre alter Deutscher hat in Hanau mindestens zehn Menschen und anschließend sich selbst getötet. Der Generalbundesanwalt ermittelt. Der mutmaßliche Täter soll ein fremdenfeindliches Motiv gehabt haben.
Teaserbild: © PATRICK HERTZOG / AFP