WhatsApp mischt Daten mit Facebook. Wer das nicht akzeptiert, sollte zuerst ab 8. Februar nun aber definitiv ab 15. Mai 2021 rausfliegen. Sollte man WhatsApp jetzt verlassen? Im Prinzip: Ja.

Rolf Schwartmann
Eine Kolumne
Diese Kolumne stellt die Sicht des Autors dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

"Hallo Leute, wir sollten uns alle von WhatsApp verabschieden. Demnächst müsst ihr die neuen Bedingungen von WhatsApp akzeptieren, sonst fliegt ihr bei denen raus. Wollen wir uns keine Alternative suchen?" Solche Nachrichten machen aktuell die Runde.

Facebook: Risiko des Machtmissbrauchs durch zu viele Informationen

Das ist verständlich, denn schließlich setzt das Facebook-Unternehmen WhatsApp, das verspricht unsere Daten immer zu schützen, allen Nutzern die Pistole auf die Brust. Wer den Zugriff von Facebook auf die Nutzungsdaten, natürlich – versprochen ist versprochen - nicht auf die Inhalte, zulässt, fliegt raus. "Aber dann müsste man sich doch auch bei Facebook, Instagram und allem was dazu gehört abmelden", lautet die Anschlussfrage.

Sollte man jetzt WhatsApp verlassen? Meine persönliche Meinung lautet: Ja. Denn gleich, ob die Nutzungsänderungen nun viel ändern oder nicht, ist die Kommunikation über WhatsApp schon wegen der Möglichkeit der Durchmischung datenschutzrechtlich heikel.

Facebook weiß genug über die Menschen, hat genug Nutzer und bezieht darüber zu viel Macht. Soziale Netzwerke dominieren über ihre Nutzungsbedingungen nicht nur die Regeln unserer Kommunikation, sondern können auch Präsidenten faktisch öffentlich mundtot machen. Das sollten wir nicht weiter unterstützen.

Wechsel zu Alternativen? Nicht komfortabel, aber zumutbar

Der Zusammenschluss von Facebook und dem Messengerdienst WhatsApp ist ein datenschutzrechtlicher Sündenfall. Wir können gehen, weil wir nicht mehr auf den Dienst angewiesen sind. Die Alternativen heißen Threema, Signal, Ginlo, Telegram und iMessage. Alle funktionieren stabil, kosten nichts oder wenig und geben uns Hoheit über unsere Daten, Sicherheit und Freiheit von Facebook ein wenig zurück.

Es ist also nicht komfortabel aber zumutbar, bei WhatsApp auszusteigen. Man muss Kontakte zum Wechseln bewegen und wer sie nicht verlieren will, der kann auch Schritt für Schritt aussteigen. Man muss nicht radikal vorgehen. Auch beim Abnehmen hilft keine Nulldiät.

Ob und wann man aus anderen Diensten aussteigen kann, wird sich zeigen. Jedenfalls ist es gut, seine Kommunikation nicht auf einen Dienst zu beschränken. Schließlich verteilt man sein Geld ja auch auf mehrere Banken.

Nutzungsfreundlichkeit der Konkurrenz kann sich sehen lassen

In der Sache muss man sehen, dass die Freiwilligkeit der Einwilligung in die Nutzungsbedingungen wegen des damit gekoppelten und nun um drei Monate verschobenen Rauswurfs datenschutzrechtlich ein Witz ist. Sonst ändert sich durch die Änderungen aber gar nicht so viel, wie auch das "Handelsblatt" berichtet. Für private Chats bleibt alles beim Alten. Unternehmen, die per WhatsApp Kundenservice anbieten, sind betroffen.

Das sind etwa Geschäfte, die Rechnungsbelege digital verschicken. Wenn sie auf Facebook-Servern gespeichert werden, werden sog. Metadaten für Facebook auswertbar. Das sind aber keine Chatinhalte. Die Nutzung der weitergegebenen Daten durch WhatsApp an Facebook ist auch europarechtlich eingeschränkt. Sie dürfen z.B. nicht zu Werbezecken genutzt werden.

Fazit: Wer die Isolation durch den WhatsApp-Exit befürchtet, der muss bis zum 15. Mai 2021 dem Datenmix mit Facebook zustimmen. Wer aussteigen will, hat gute Alternativen. Die kann man auch seinen Kontakten vermitteln. Die Nutzungsfreundlichkeit der datenschutzfreundlicheren Konkurrenz kann sich jedenfalls sehen lassen.

Lesen Sie auch: Inzwischen hat WhatsApp die Einführung der neuen Datenschutzbestimmungen auf Mai 2021 verschoben.

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