Audis großer E-SUV und mit ihm das Werk Brüssel stehen offenbar vor dem Aus. Die Ingolstädter verzeichnen weltweit einen massiven Nachfrageeinbruch nach Luxus-E-Autos. Der Q8 E-tron hat zudem seit Kurzem hausinterne Konkurrenz vom neuen Q6 E-Tron, das stadtnahe Werk Brüssel bietet wenig Spielraum für Umgestaltung.

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Will man illustrieren, wie sich E-Autos entwickelt haben, ist der Audi E-Tron ein gutes Beispiel. 2018 hatte Audi den SUV vorgestellt, als erstes rein elektrisches Fahrzeug der Marke, entwickelt auf der für Verbrenner gedachten MLB-Evo-Plattform von Q7, VW Touareg und Porsche Cayenne. 2022 erhielt der E-Tron ein Facelift und die Bezeichnung Q8 E-Tron. "Mit der Modellbezeichnung Q8 setzt Audi ein klares Statement, dass es sich beim Audi Q8 E-Tron um das Topmodell der elektrischen SUV und Crossover handelt", hieß es gleich auf der ersten Seite des Pressetexts zum überarbeiteten Modell. Unterm Blech musste sich das Facelift nicht verstecken. So schafft die Version mit der großen Batterie mit jetzt satten 106 kWh eine WLTP-Reichweite von 600 Kilometern. Der Grundpreis für diese Variante stieg allerdings auch – auf knapp 90.000 Euro.

Video: Das ist der neue Audi Q8 E-Tron & Q8 E-Tron Sportback

2024 präsentierte Audi dann den Q6 E-Tron auf der gemeinsam mit Porsche entwickelten Premium Platform Electric (PPE). Sie überholt das Q8-Facelift locker, denn sie ist speziell und ausschließlich auf E-Autos ausgerichtet. Das ist gut fürs Package, sodass der Q6 innen kaum kleiner ist als der Q8 E-Tron. Moderner ist er ohnehin. Und inzwischen gibt es ihn in einer Heckantriebs-Variante mit 100-kWh-Batterie, die den Q6 mit seinem neu entwickelten Antriebsstrang 641 Kilometer weit kommen lässt. Einstiegspreis: 68.800 Euro. Also gut 20.000 Euro weniger als für den Q8 E-Tron, der beim wichtigsten E-Auto-Wert Reichweite schlechter dasteht. Prompt meldet Audi am 9.7.2024, man beobachte "mit dem Hochlauf der neuen Modelle auf der Premium Platform Electric eine sinkende Nachfrage nach dem Q8 E-tron. In der Konsequenz führt dies zu stark sinkenden Auftragseingängen". Das ist schlecht für das Werk Brüssel, wo der Q8 E-tron entsteht.

Dementsprechend heißt es in einer Pressemitteilung: "Audi zieht deshalb in Betracht, das Produktionsende am Standort Brüssel vorzuziehen. Der Vorstand von Audi Brussels hat dem Unternehmensrat die Absicht mitgeteilt, eine Umstrukturierung des Standorts vorzunehmen. Mit dieser Intention startet der Informations- und Konsultationsprozess im Einklang mit den belgischen Gesetzen. In diesem Prozess erörtert die Werkleitung gemeinsam mit den zuständigen Sozialpartnern Lösungen für den Standort."

In Brüssel wird nur der Audi Q8 E-tron gebaut

Zudem gäbe es "schon länger bestehende strukturelle Herausforderungen am Standort Brüssel: Die Werkanordnung ist aufgrund der besonderen stadtnahen Lage der Produktion kaum veränderbar. Dazu kommen hohe Logistikaufwände. Insgesamt führt dies zu hohen Produktionskosten in Brüssel im Vergleich zu anderen Standorten."

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Ein mögliches vorgezogenes Bauzeitende (ursprünglich für 2026 geplant) könne "Auswirkungen auf die Beschäftigung am Standort haben und es notwendig machen, alternative Lösungen für das Werk zu erarbeiten. Dazu kann auch eine Einstellung des Betriebs gehören, sollte keine Alternative gefunden werden. Infolgedessen hat der Vorstand von Audi Brussels dem Unternehmensrat die Intention zur Umstrukturierung des Standorts mitgeteilt. (...) Im Laufe dieses Prozesses wird die Unternehmensleitung gemeinsam mit den zuständigen Sozialpartnern Lösungen für die Mitarbeitenden und den Standort erörtern und Alternativen intensiv prüfen", teilte das Unternehmen mit.  © auto motor und sport

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