• Die Entwicklungsökonomin Ngozi Okonjo-Iweala wird bald die Welthandelsorganisation (WTO) führen.
  • Die 66-Jährige sagt, sie möchte die Organisation neu beleben.
  • Und dabei geht es der Nigerianerin nicht nur um eine bessere Frauenpräsenz.

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Wo die renommierte Entwicklungsökonomin Ngozi Okonjo-Iweala auftaucht, macht sie eine imposante Figur. Die 66-jährige Nigerianerin hat sich trotz Jahrzehnten in den USA unter Anzug- und Kostümträgern und -trägerinnen ihren Stil bewahrt: Sie trägt bunte Kleider, groß gemustert, fast immer mit dazu passendem Kopftuch.

Sie habe sich einst für die traditionelle nigerianische Kleidung entschieden, als es schnell gehen musste, wenn sie ihre vier Kinder morgens zur Schule brachte, erzählte sie 2012 der BBC. Sie sei dabei geblieben, und es rentiere sich: umgerechnet 25 Euro zahle sie pro Outfit, meinte sie damals.

Der Rat der 164 Mitgliedsländer hat sie am Montag einstimmig für den Spitzenposten bestellt. Die Ernennung Okonjo-Iwealas erfolgte am Montag durch den Allgemeinen Rat der WTO. Sie ist nicht nur die erste Frau, sondern auch die erste Afrikanerin auf dem Posten. Ihr neues Amt soll sie am 1. März antreten.

Ngozi Okonjo-Iweala wird WTO führen" Möchte Organisation neu beleben"

In der Welthandelsorganisation (WTO), die sie bald führen soll, überwiegen die Anzugträger. Generaldirektor Roberto Azevêdo, der die Organisation im vergangenen Sommer verließ, war seit 1948 der neunte Mann in Folge an der Spitze der WTO und ihres Vorgängers, des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT). Auch die vier Stellvertreter, die die WTO seit Azevêdos Abgang leiten, sind Männer.

"Ich möchte die Organisation neu beleben", sagte Okonjo-Iweala bei der Bewerbung um den Posten. Wobei es ihr nicht nur um eine bessere Frauenpräsenz geht. Die WTO braucht dringend frischen Wind. Sie ist seit Langem durch Grabenkämpfe zwischen Ländern des Südens und des Nordens und durch die Blockadehaltung der US-Regierung unter Donald Trump gelähmt.

"Ich bin eine Macherin", versprach Okonjo-Iweala. "Handel ist wichtig für Wohlstand, Widerstandskraft und nachhaltiges Wachstum, und die WTO ist zentral dafür", meinte sie. "Wenn wir die WTO nicht hätten, müssten wir sie erfinden."

Der geradlinige Stil, den sie durch ihre Kleidung zeigt, könnte auch ihr Arbeitsmotto sein: Ärmel hoch und anpacken. So führte sie als Nummer zwei die Weltbank in Washington, wo sie in der Finanzkrise 2009 kurzfristig Programme für die ärmsten Länder auflegte.

So stieg sie als Finanzministerin in den Ring gegen die Korruption in Nigeria. Als ihre eigene Mutter entführt wurde, um sie zum Rücktritt zu zwingen, zuckte sie nicht mit der Wimper. Die Mutter kam frei.

In Nigeria steht Okonjo-Iweala hoch im Kurs

Der Weg für die 66-jährige Entwicklungsökonomin war erst nach langem Streit und nach dem Amtsantritt von US-Präsident Joe Biden frei geworden. Unter Bidens Vorgänger Donald Trump favorisierten die USA zunächst die Südkoreanerin Yoo Myung Hee als Nachfolgerin Azevêdos. Nach dem Amtsantritt Bidens zog sich die Südkoreanerin dann Anfang Februar aus dem Rennen um dem WTO-Chefposten zurück.

Okonjo-Iweala war zuletzt Vorsitzende der Impfallianz Gavi, die zur Zeit das Impfprogramm gegen das Coronavirus koordiniert. Sie war zuvor 25 Jahre lang bei der Weltbank, und zwischendurch zwei Mal Finanzministerin in ihrem Heimatland sowie kurz Außenministerin.

Die Professorentochter wurde von den Zeitschriften "Time", "Forbes" und anderen in den vergangenen zehn Jahren mehrmals unter den 100 einflussreichsten Menschen der Welt aufgeführt. Sie hat in den USA an den Elite-Universitäten Harvard und MIT Wirtschaftswissenschaften und Entwicklungsökonomie studiert und dort promoviert.

In Nigeria steht Okonjo-Iweala hoch im Kurs. Sie gilt als eines der erfolgreichsten Regierungsmitglieder, seit sie 2005 unter anderem mit reichen Ländern einen Schuldenerlass im Umfang von 30 Milliarden Dollar aushandelte. Sie gilt zudem als Architektin eines besseren Managements der Einnahmen aus dem Ölgeschäft, dem größten Batzen bei der Finanzierung des Staatshaushalts.

Okonjo-Iweala ist mit einem Neurochirurgen verheiratet und hat neben der nigerianischen auch die amerikanische Staatsbürgerschaft.

Die WTO mit Sitz in Genf gehört neben dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank zu den wichtigsten internationalen Organisationen in der Wirtschaftspolitik. Sie soll vor allem ein Forum für Verhandlungen zum Abbau von Zöllen sowie anderen Handelshemmnissen bieten und überwachen, ob internationale Handelsabkommen eingehalten werden. (pak/dpa/afp)

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