Heute startet der Prozess gegen Uli Hoeneß. Vor dem Landgericht in München wird verhandelt, welche Strafe der Präsident des FC Bayern München für seine Steuerhinterziehung erhalten wird. Viel ist in den vergangenen Monaten geschrieben worden zum tiefen Fall der Fußballikone.

Es war nur wenig Freundliches dabei. Es ist leicht, Uli Hoeneß zu verurteilen. Er hat sich der Steuerhinterziehung schuldig gemacht und damit ohne Frage seine Glaubwürdigkeit und viele Sympathien verspielt. Er eignet sich nicht mehr als moralische Instanz und vielleicht auch nicht als Bayern-Präsident. Hoeneß ist vom sozialen Vorbild zum Sinnbild des gierigen, reichen Mannes geworden.

Und nebenbei ist er auch noch der Präsident des beliebtesten (und zugleich unbeliebtesten) Fußballklubs Deutschlands. Aber wenn sich die Öffentlichkeit voller Elan auf Hoeneß stürzt, dann nicht weil sie Steuerhinterziehung für ein unverzeihbares Verbrechen hält, sondern weil da einer über seine eigenen und die Erwartungen anderer gestolpert ist. Und weil uns dieses Stolpern selbst den Spiegel vorhält.

Hoeneß ist in seinen Verfehlungen keinesfalls allein

Denn nur sehr wenige Heilige können wohl von sich behaupten, dass sie noch nie hinter den eigenen Erwartungen zurückgeblieben sind. Wenn ein bis dato als ehrenhafter Bürger geltender Mensch wie Uli Hoeneß lügt und betrügt, erinnert uns das daran, dass auch wir nicht frei von Fehlern sind. Studien zeigen, dass der durchschnittliche Mensch mehrmals am Tag lügt – auch wenn die Zahl von 200 Lügen am Tag längst als Mythos entlarvt ist. Häufiges Motiv hinter der Flunkerei: der eigene Vorteil.

Den haben auch viele bei der alljährlichen Steuererklärung im Kopf, wenn sie bei Google nach "Steuertricks" suchen und sich dabei nicht immer in legalen Sphären bewegen. Hoeneß ist in seinen Verfehlungen keinesfalls allein. Im Jahr 2013 haben sich die Selbstanzeigen reuiger Steuersünder im Vergleich zu 2012 verdreifacht. 24.100 Menschen sind den Büßerweg zum Finanzamt gegangen.

Das ist jedoch nur ein Bruchteil derer, die den deutschen Staat um Geld bringen. Allein durch Schwarzarbeit entgehen Deutschland im Jahr 2014 rund 339 Milliarden Euro an Abgaben, errechnete das Tübinger Institut für angewandte Wirtschaftsforschung (IAW).

Die Summen, die einzelne zu dieser Zahl beisteuern, bewegen sich selbstverständlich nicht im selben Rahmen, wie die Hoeneß’sche Steuerhinterziehung. Sie sind jedoch nicht mehr oder weniger verwerflich. Uli Hoeneß fällt nur deshalb so tief, weil er in der öffentlichen Meinung so hoch gehandelt wurde.