Südsudan, Demokratische Republik Kongo, Afghanistan - Kinder, die von Milizen oder Regierungstruppen als Soldaten missbraucht werden, gibt es leider in vielen Ländern. Schätzungen gehen davon aus, dass weltweit bis zu 250.000 Mädchen und Jungen rekrutiert sind. UNICEF gelingt es gemeinsam mit seinen Partnern immer wieder, Kindersoldaten zu befreien. Doch damit ist die Aufgabe noch lange nicht zu Ende.

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Obwohl der Einsatz von Kindersoldaten in den meisten Ländern verboten ist, sind laut UNICEF weltweit nach wie vor Zehntausende Mädchen und Jungen in Konfliktregionen in den Reihen von Streitkräften und bewaffneten Gruppen. Sie werden dadurch auf brutale Weise ihrer Kindheit beraubt.

Besonders viele Mädchen und Jungen werden von verschiedenen Konfliktparteien in den langwierigen Konflikten im Südsudan, in der Zentralafrikanischen Republik, in der Demokratischen Republik Kongo, in Somalia, in Syrien und im Jemen für ihre Zwecke missbraucht. Auch in Afghanistan, Mali oder Myanmar werden Mädchen und Jungen als Kindersoldaten oder Helfer von bewaffneten Gruppen eingesetzt.

"Red Hand Day" setzt internationales Zeichen

Zum Welttag gegen den Einsatz von Kindersoldaten am 12. Februar ruft UNICEF weltweit die Regierungen dazu auf, sich stärker für einen Stopp dieser schweren Kinderrechtsverletzung einzusetzen.

Drei Kinder aus bewaffneten Gruppen im Kongo erzählen uns ihre Geschichte.

Auch in Deutschland beteiligen sich viele Kinder und Jugendliche an der Aktion "Red Hand Day" und setzen mit roten Handabdrücken ein Zeichen, um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen.

Kinder werden als Spione und Minensucher eingesetzt, kämpfen an vorderster Front, werden als Sexsklaven missbraucht oder zu Selbstmordattentätern ausgebildet - die Kinder sind zugleich Opfer und Täter.

In Syrien und im Irak rekrutiert zum Beispiel der sogenannte "Islamische Staat" gezielt Kinder und Jugendliche. Auch im Jemen-Konflikt sind Minderjährige im Einsatz. Die Terrormiliz Boko Haram zwingt in Nigeria Kinder, sich als Selbstmordattentäter in die Luft zu sprengen.

"Kinder sind keine Soldaten. Sie dürfen auf keinen Fall in den Kriegen der Erwachsenen eingesetzt werden", sagt Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. "Alle Konfliktparteien und Regierungen, die Einfluss auf diese haben, müssen sich dazu verpflichten, den Einsatz von Kindersoldaten weltweit endlich zu beenden."

Armut lässt Kinder manchmal "freiwillig" zu Soldaten werden

Viele der Kinder werden zwangsrekrutiert, indem sie beispielsweise entführt oder erpresst werden. Doch ist es auch nicht unüblich, dass sich die Kinder aus eigenem Antrieb den Gruppen anschließen. Dies geschieht oft aus Armut und in der Hoffnung, regelmäßige Mahlzeiten zu erhalten.

Der Großteil der Kindersoldaten ist zwischen 15 und 18 Jahre alt. Jedoch gibt es viele jüngere, wie die Geschichte von Ishmael Beah zeigt:

Ishmael wurde mit 13 als Kindersoldat rekrutiert

© UNICEF

Ishmael Beah verlor seine Familie während des Bürgerkriegs in Sierra Leone. Mit 13 Jahren wurde er unter Einsatz von Gewalt als Kindersoldat rekrutiert. Heute ist er Bestsellerautor, Menschenrechtsaktivist und UNICEF-Botschafter.

Rückkehr zur Normalität extrem schwer

Unabhängig davon, ob die Kinder freiwillig oder unfreiwillig in den Dienst eintraten, müssen sie als Opfer gesehen werden. Ihre Teilnahme an den Konflikten hat schwerwiegende Auswirkungen auf ihr körperliches und emotionales Wohlergehen.

Den Kindern fehle ein großes Stück Kindheit und sie müssten schwerste Traumata bewältigen, sagt Vedasto Nsanzugwanko, Kinderschutzbeauftragter für UNICEF im Südsudan. Hinzu komme, dass viele weder lesen noch schreiben können.

400.000 Kinder leiden so großen Hunger, dass sie ohne Hilfe nicht überleben.

Nach der Entlassung kommen die Kinder zunächst in Übergangszentren, wo sie medizinisch und psychologisch betreut werden.

Die Rückkehr in ihr altes Leben wird zudem durch die Gesellschaft erschwert. "Die Kinder werden oft von ihren Gemeinden abgelehnt", erklärt Betty Lalam, Leiterin einer Organisation in Uganda. Die Verbrechen, die sie begehen mussten, haften ihnen wie ein Stigma an, selbst die eigene Familie könne sie feindselig aufnehmen.

Umso wichtiger ist eine psychologische Betreuung sowie eine Schul- oder Berufsausbildung für die Befreiten. Dadurch erhalten sie die Chance auf einen Neustart und die Gefahr, aus Mangel an Alternativen wieder Kindersoldat zu werden, verringert sich.

"Diese Kinder haben nun eine Möglichkeit, ihr Leben wieder neu aufzubauen. Wir können sie nicht im Stich lassen", erklärt UN-Sonderbeauftragte Virginia Gamba.

Rund 65.000 ehemalige Kindersoldaten konnten in den vergangenen zehn Jahren befreit werden. Über 3.000 Mädchen und Jungen kamen seit 2013 im Südsudan frei, davon 955 allein im vergangenen Jahr. Im Oktober 2018 hat UNICEF die Freilassung von 833 Kindersoldaten in Nordost-Nigeria bewirkt und hilft dabei, sie wieder in die Gesellschaft zu integrieren.

Die Stiftung United Internet for UNICEF unterstützt UNICEF dabei, Kindern in Konflikt- und Kriegsgebieten ihre Kindheit zurückzugeben und Kindersoldaten zu befreien.

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Vanuatu: Drohne versorgt entlegene Dörfer mit lebenswichtigen Impfstoffen

Der Hype um Drohnen ist ungebrochen. So registrierte die Deutsche Flugsicherung 2018 beispielsweise 158 Behinderungen des Luftverkehrs durch private Drohnen. Auch in vielen Berufsfeldern sind unbemannte Luftfahrzeuge nicht mehr wegzudenken. Dass Drohnen aber auch Leben retten können, zeigt ein Beispiel aus Vanuatu, einem Inselstaat im Südpazifik.
(Mit Material von UNICEF und der dpa)