Der Krieg in der Golfregion verschärft die Bedingungen für die Zivilbevölkerung im Jemen deutlich. Die Zahl der Vertriebenen steigt auf mehr als 250.000. Wie steht es um ihre Versorgung?

Die Zahl der Vertriebenen im Jemen steigt nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen infolge der anhaltenden Kämpfe stark an. Am 17. Oktober waren es demnach mehr als 250.000 Menschen – zehn Tage zuvor meldete die UN noch etwa 213.000 Vertriebene.

Besonders betroffen ist die Großstadt Tais, wo die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen den Belagerungsring um die Stadt mit mehreren Hunderttausend Einwohnern in den vergangenen Wochen immer enger gezogen haben. Es droht eine humanitäre Katastrophe.

Krise im Jemen: Trinkwasserversorgung in Gefahr

"Seit der letzten Eskalation im September sind etwa 120.000 Menschen – mehr als die Hälfte aller neu Vertriebenen im Jemen – nach Tais geflohen", sagte Akhil Iyer, Länderrepräsentant für den Jemen bei UNICEF, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. Viele seien bereits mehrmals geflohen und erreichten überfüllte Orte mit wenig Lebensmitteln, sauberem Wasser oder fast nichts, um sich selbst zu ernähren, sagte Iyer. Es fehle ihnen vor allem an Unterkünften, Nahrung und Geld.

Diesel-Engpässe bedrohten den Betrieb von Wasserpumpen, während sich die Preise für geliefertes Trinkwasser nach UN-Angaben seit dem Wiederaufflammen der Kämpfe in den vergangenen Wochen verdreifacht haben. Die Menschen warteten stundenlang mit Kanistern, sagte Iyer.

Im gesamten Land verzeichnete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Verdreifachung der Cholera-Verdachtsfälle – und das innerhalb von nur drei Wochen. Durch knappes Trinkwasser und fehlende Sanitäranlagen steige das Risiko für Cholera und Durchfallerkrankungen stark an.

Von der Treibstoffknappheit seien ebenso die Müllabfuhr und zwölf Krankenhäuser in der Stadt betroffen. Deren Treibstoffvorräte reichen nach Angaben der WHO nur noch für wenige Tage. Auch lebenswichtige Medikamente würden knapp.

Humanitäre Hilfe deutlich dezimiert

Von mehr als 168.000 Kindern, die UNICEF in Tais untersucht hat, seien über 52.000 akut mangelernährt. Schon vor der aktuellen Krise hat das UN-Kinderhilfswerk dort besondere Nahrungsmittel für unterernährte Kinder eingelagert. Sie könnten aber nicht verteilt werden, weil Benzin für die Lastwagen fehle und die Sicherheitslage so prekär sei.

Nun gibt es laut UNICEF für die von den Huthi-Rebellen kontrollierten Gebiete im gesamten Jemen eine neue Vereinbarung, Energienahrung für unterernährte Kinder zu liefern. Sie soll in Kürze von UNICEF oder anderen Hilfsorganisationen an die Therapiezentren und Kliniken verteilt werden und würde für die kommenden sechs Monate reichen.

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