Viele Unternehmen greifen auf die Taktik der "Shrinkflation" zurück. Anstatt die Preise zu erheben, wird der Packungsinhalt verkleinert. Vermehrt findet sich die Mogelpackung jetzt auch bei Katzenfutter.

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Die Mogelpackung ist eine Preiserhöhung durch die Hintertür. "Shrinkflation" ist der Fachbegriff dafür und bezeichnet die Taktik, die viele Unternehmen in Zeiten der hohen Inflation anwenden. Anstatt die Preise anzuheben, verkleinern die Hersteller den Packungsinhalt.

So fällt uns Verbrauchern die Preiserhöhung durch die Hintertür im ersten Moment gar nicht auf. In Deutschland stellt jedes Jahr die Verbraucherzentrale Hamburg die "Mogelpackung der Jahres" zur Wahl. 2022 ging der Preis an das Streichfett "Rama". Dieses Produkt enthält jetzt für denselben Preis 100 Gramm weniger Inhalt. Ein fragwürdiger, erster Platz für den Produkt-Inhaber "Upfield Holdings".

In Großbritannien sorgt derzeit ein bekannter Futtermittelhersteller vor allem in den sozialen Netzwerken für sehr großen Unmut bei seinen Kunden und Katzenhaltern. Denn nicht nur die Rezeptur für das beliebte Futtermittel "Whiskas" hat der Hersteller geändert, auch der Packungsinhalt wurde verkleinert.

Das Schälchen "Whiskas" enthält jetzt nicht mehr 100 Gramm, sondern nur noch 85 Gramm. Nach der Preiserhöhung im vergangenen Jahr um ein Pfund Sterling (circa 1,15 Euro) hat sich der Preis durch diese Mogelpackung jetzt um satte 40 Prozent erhöht. Der neue Slogan für das "Whiskas"-Schälchen: "Neuer Look, neue Rezepte, mehr Vielfalt und mehr Nachhaltigkeit" kam daher bei den Verbrauchern überhaupt nicht gut an.

Mogelpackung bei Katzenfutter auch in Deutschland

In Deutschland ist "Mars Petcare" der Hersteller von "Whiskas". Auf die Frage, ob sich auch in Deutschland die Packungsgrößen geändert haben, antwortet ein Sprecher in bestem Werbesprech: "Wir haben unsere Marke ‚Whiskas‘ zu Beginn des Jahres umfassend modernisiert und im Zuge dessen auch in die Qualität beziehungsweise Rezepturen unseres Portionsbeutel-Portfolios investiert." Die Produkte enthalten 100 Prozent hochwertige Zutaten.

Das bedeute unter anderem, dass die Häppchen "im Produkt tierische Proteine mit einer hohen biologischen Wertigkeit" enthalten. Auch habe man die Struktur und Textur der Häppchen optimiert und speziell auf Katzen in verschiedenen Altersstufen zugeschnitten. Das fragt sich der Verbraucher doch unwillkürlich, ob er zuvor ein minderwertiges Produkt gekauft hat.

Es ist weniger in Packungen drin, als vorher.
Es ist weniger in Packungen drin, als vorher. © Foto: unsplash.com/am (Symbolfoto)

Die Füllmenge im Portionsbeutel sei jetzt im Rahmen der Anpassung auf die etablierte Menge von 85 Gramm vereinheitlicht worden. Interessant ist die wissenschaftliche Begründung für die Mogelpackung: "Basierend auf unserer Forschung wissen wir, dass viele Katzen überfüttert sind und 85 Gramm eine bessere Portionierung ermöglichen", erklärt der Sprecher.

Auch die "Whiskas Knuspertaschen" sind von der "Shrinkflation" betroffen. So hat sich der Inhalt von zuvor 70 Gramm auf 62 Gramm verringert, während der Preis gleich geblieben ist. Besonders fragwürdig ist dabei, dass "Mars Petcare" empfiehlt, jetzt zwölf Knupsertaschen, anstatt zuvor elf zu füttern. Hält man sich an die Fütterungsempfehlung des Herstellers, entspricht dies einer tatsächlichen Preiserhöhung von 50 Prozent.

Die Samtpfoten in Großbritannien sind "not amused"

Katzenhalter wissen, dass eine Änderung der Rezeptur oder eine Nährstoffanpassung im Katzenfutter sehr problematisch für ihren vierbeinigen Mitbewohner sein kann. Die Samtpfote rümpft nur verächtlich ihr Fellnäschen über das zuvor geliebte Nassfutter. Die Folge ist: Der Stubentiger wird nicht mehr satt und lässt seinen Unmut darüber auch gern mal an seiner zweibeinigen Familie aus.

In Großbritannien sind daher sowohl die Katzenhalter als auch ihre vierbeinigen Fellnasen "not amused" über die neue Mogelpackung von "Whiskas". Besonders auf der Facebook-Seite des Unternehmens entlädt sich der Zorn der Verbraucher. Viele Katzenhalter und -halterinnen beschweren sich darüber, dass ein weiterer Portionsbeutel angebrochen werden muss, um die Fellnase satt zu bekommen. Andere beklagen sich darüber, dass die neue Rezeptur der Samtpfote nicht schmeckt. Wiederum anderen kritisieren, die neue Rezeptur habe ihre Mieze krank gemacht.

Ein Nutzer schrieb: "Ich bin zu einer anderen Marke gewechselt, nachdem Whiskas seine Kunden abgezockt hat. Das Unternehmen solle sich schämen, seine Kunden zu betrügen, indem man die Preise erhöhe und das Produkt reduziere. Gerade in einer Lebenskostenkrise, in der einige die herzzerreißende Entscheidung treffen müssen, sich ihre Haustiere überhaupt leisten zu können."

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Die Briten liebe ihre Fellnasen. Rund elf Millionen Samtpfoten leben in den britischen Haushalten. Daher sollte der britische "Whiskas"-Hersteller diese Kritik an der neuen Rezeptur und Packungsgröße durchaus ernst nehmen. Solche Unmutsbekunden sind hierzulande zwar noch nicht bekannt, doch "würde die Katze ‚Whiskas‘ kaufen", wie es der bekannte Werbeslogan uns weismachen will? Unter diesen Umständen wohl eher nicht.  © Deine Tierwelt

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