• Zu Hause Sport zu treiben, liegt im Trend.
  • Doch eine Untersuchung zeigt, dass oft verwendete Sportartikel, wie Yogamatte, Gymnastikball und Co. häufig mit umwelt- und gesundheitsschädlichen Stoffen belastet sind.
  • Wir erklären, welche Risiken das birgt und worauf man beim Kauf achten sollte.

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Um in der aktuellen Pandemie-Phase gesund und fit zu bleiben, ist es wichtig sich trotz Homeoffice und eingeschränkter Freizeitmöglichkeiten weiterhin ausreichend zu bewegen. Da Sportstudios schon lange geschlossen sind und auch Sport im Freien über die Wintermonate nur eingeschränkt möglich ist, trainieren viele Menschen mittlerweile Zuhause.

Dafür wurden in vielen Haushalten Yogamatte, Gymnastikbälle, Springseil, Hanteln, Gymnastikschuhe und Co. angeschafft. Eine aktuelle Untersuchung zeigt aber, dass viele dieser Sportartikel mit umwelt- und gesundheitsschädlichen Stoffen belastet sind.

Aktuelle Studie: Viele Bioplastik-Produkte enthalten giftige Substanzen

Wissenschaftler um die Forschungsgruppe PlastX haben handelsübliche Bioplastik-Produkte untersucht. Dabei stellten sie fest, dass diese aus toxikologischer Perspektive nicht besser sind als herkömmliche Kunststoffe. (Foto: iStock-Thomas Demarczyk)

Chemische Substanzen können die Gesundheit beeinträchtigen

In dem EU-Life Projekt AskREACH, an der auch das Umweltbundesamt beteiligt war, wurden Sportartikel auf Substanzen getestet, die besonders besorgniserregend für die menschliche Gesundheit und die Umwelt sind, sogenannte "SVHCs". Das können unter anderem bestimmte Weichmacher in Plastikmaterialien, Flammschutzmittel in Textilien, Schwermetallverbindungen oder Farbstoffe sein.

Die Anfang 2021 veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass in jedem vierten untersuchten Produkt SVHCs nachgewiesen wurden. Sieben der 82 getesteten Sportartikel enthielten die Weichmacher DEHP und DIBP, die seit Juli 2020 nicht mehr in neuen Produkte aus der EU enthalten sein dürfen, da sie die Fortpflanzung beeinträchtigen und schädlich auf das Hormonsystem wirken können.

Ein getesteter Trainingsball aus der Tschechischen Republik enthielt aber 35 % dieser Weichmacher, ein Pilates-Airpad aus Deutschland kam auf 15 % und in einem Pilates-Ball aus Luxemburg wurden sogar 41 % entdeckt. Auch SVHC-Allergene sind in erhöhter Konzentration in einem Tennisball und einer Yogamatte aufgefallen.

Laut der Chemikalienverordnung der EU "REACH" sind Hersteller, Händler und Importeure verpflichtet Verbraucherinnen und Verbraucher auf Nachfrage über das Vorhandensein dieser Stoffe in ihren Produkten zu informieren, wenn deren Konzentration bei mehr als 0,1 % liegt. Keine der entsprechenden Firmen kam in diesen Fällen aber der gesetzlichen Auskunftspflicht nach.

Vor allem bei Produkten aus Weich-PVC sollte man vorsichtig sein, sagt Manuel Fernandez, BUND-Experte für Chemikalienpolitik, in einer Pressemitteilung des BUND. Um das Material biegsam zu machen sind chemische Zusatzstoffe nötig, sie können ausdünsten und über die Haut aufgenommen oder eingeatmet werden. Auch Produkte aus dunklem Hartplastik sollte man meiden.

Auch Sportkleidung häufig belastet

Sport- und Outdoor-Kleidungsstücke bestehen häufig aus Synthetikfasern, die sich aus umwelt- und gesundheitsgefährdenden Stoffen zusammensetzen. Vor allem Farbstoffe sind dafür bekannt, Allergien oder Hautreizungen auslösen zu können, wenn sie direkten Kontakt zur Haut haben.

An Stellen, an denen man schwitzt oder an denen Kleidung an der Haut reibt, ist das Risiko hoch, dass sich schädliche Stoffe auf den Organismus übertragen. Vor allem sogenannten Azofarbstoffe gelten als riskant, da sie krebserregende Stoffe im Körper freisetzen können. In der EU ist ihr Einsatz bei der Herstellung von Textilien mittlerweile verboten, importiere Produkte können aber weiterhin Azofarbstoffe enthalten.

Ein Problem ist auch, dass die Ansprüche der Kunden gestiegen sind und bedient werden wollen: Sportklamotten sollen schnell trocken, geruchsneutral bleiben oder vor Sonnenstrahlen schützen. Diese Eigenschaften können meist nur durch chemische Zugaben erreicht werden. Ökologische Alternativen existieren zwar, sie sind allerdings kostspieliger.

Sportartikel: Darauf sollte man beim Kauf achten

Für Laien ist es oft schwierig einzuschätzen, ob ein Produkt chemisch belastet ist. Wer Wert darauf legt, möglichst naturbelassene Sportartikel zu verwenden, sollte sich mit den entsprechenden Marken auseinandersetzen und sich über deren Herstellungsprozess informieren.

Gerade im nachhaltigen Bereich legen viele Marken offen, welche Umwelt- und Sozialstandards ihnen wichtig sind und welche Substanzen bei der Herstellung ihrer Produkte zum Einsatz kommen. Mit dem Kauf möglichst langlebiger Produkte und mit bewusstem Einkaufen können Verbraucherinnen und Verbraucher einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Gesundheit und Umwelt leisten.

Siegel wie der Blaue Engel oder das EU-Ecolabel helfen Sportartikel zu erkennen, die wenigstens Mindestanforderungen an Umwelt und Gesundheit erfüllen.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher wurde zudem die App "Scan4Chem" vom Umweltbundesamt eingerichtet. Hiermit ist es möglich den Barcode von Produkten zu scannen und direkt über die App eine Informationsanfrage an den Anbieter zu stellen. Über die Verbraucherschützer-App "ToxFox" des BUND haben Nutzerinnen und Nutzer sogar Zugriff auf eine Datenbank von Produkten, für die die Auskunftspflicht der EU gilt.

Beim Einkauf sollte man sich zudem auf seinen Geruchssinn verlassen. In der Regel gilt: wenn etwas nach Chemie riecht, dann ist auch Chemie bei der Produktion verwendet worden. Kleidung, die direkten Kontakt mit der Haut hat, sollte deshalb vor dem ersten Tragen immer gewaschen werden.

Verwendete Quellen:

  • Umwelt Bundesamt: "Schadstoffe in Sportartikeln enthalten"
  • BUND: Pressemitteilung: "Gute Vorsätze? Test von Sportartikeln zeigt: Jedes vierte untersuchte Produkt enthalt gesundheitsschädliche Weichmacher"
  • ECHA: "REACH verstehen"
  • Umweltbundesamt: UMID
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