Umwege, die nervige Suche nach Kleingeld und Strafzettel wegen Zeitüberschreitung gehören der Vergangenheit an, seit Parkgebühren mit dem Handy per App bezahlt werden können. In jeder Stadt läuft das jedoch anders - wir zeigen, was die großen Anbieter in puncto Kosten, Abdeckung und Features unterscheidet.

Mehr Verbraucherthemen finden Sie hier

2007 begann die Zukunft des bargeldlosen Parkens in einigen deutschen Großstädten mit dem SMS-Parken. Seit einigen Jahren ist das Handyparken via App in vielen Städten hinzugekommen. München vollzog diesen Schritt erst vor wenigen Wochen.

Sonderfall München entwickelt eigene App

Seit Mitte Oktober können Autofahrer auch in der bayerischen Landeshauptstadt bequem und flexibel via App parken. In München dauerte es so lange, weil die Stadtwerke diese App selbst programmierten - als Baustein für ihr eigenes digitales Mobilitätskonzept.

Andere Städte greifen auf Park-App-Anbieter zurück, wovon es acht auf dem deutschen Markt gibt (travipay, Easypark, ParkNow, Yellowbrick, Trafficpass, Park and Joy, mobilNet und Parkster). Dahinter stehen auch Autofirmen: Volkswagen beispielsweise für travipay und BMW für ParkNow.

Plattform-Stadt oder Exklusiv-Stadt?

Für Autofahrer, die in verschiedenen Städten unterwegs sind, ist das System oft jedoch verwirrend. In Städten wie Nürnberg, Düsseldorf, Kassel oder Magdeburg gibt es nur einen App-Anbieter, in Berlin, Köln und Hamburg jedoch bis zu fünf verschiedene. Mancherorts kommen zum Parkticket Servicegebühren hinzu, in anderen Städten jedoch nicht.

"Das liegt daran, dass jede Stadt entscheidet, ob sie als Plattform-Stadt mehrere App-Anbieter zulässt oder nur einen", erklärt Sarah Munker von travipay, dem derzeit größten Anbieter mit 150 Standorten in Deutschland.

Die Kosten für das Parkticket per App seien überall die gleichen wie am Parkautomaten - "es ist gesetzlich geregelt, dass Parktickets langfristig per App nicht günstiger sein dürfen - Ausnahmen sind kurzfristige Marketingaktionen."

Manche Städte übernehmen die Servicegebühren

Laut der Expertin für digitale Payment-Lösungen handeln die Städte mit den App-Anbietern auch aus, ob Parkplatznutzer deren Servicegebühren bezahlen müssen oder ob die Kommunen das übernehmen. In 33 travipay-Städten beispielsweise fallen keine Servicegebühren für Kunden an.

Die Kosten fallen je nach Stadt unterschiedlich aus: In der travipay-Exklusivstadt Wiesbaden beispielsweise sind pro Parkvorgang 14 Prozent der Parkgebühr plus 14 Cent fällig. Andere Anbieter verlangen pro Parkvorgang pauschal 25 Cent (ParkNow) oder 19 Cent (Park and Joy).

Bunte Aufkleber an Parkautomaten weisen auf Apps hin

Einheitlich ist jedoch, dass alle Apps kostenlos herunterzuladen sind. An vielen Parkautomaten kleben Sticker der Anbieter mit QR-Codes und Kurzanleitungen - Berliner kennen das bunte Durcheinander von fünf App-Anbietern.

"Über die Beschilderung und Aufkleber an Parkuhren kennen uns die meisten Kunden", erklärt Sarah Munker von travipay, "das ist ein wichtiger Kontaktpunkt".

Um den Erstkontakt so unkompliziert wie möglich zu halten, muss man sich bei einigen Apps weder registrieren noch Daten hinterlegen. Der Bezahlvorgang läuft über die Handyrechnung.

"Viele Nutzer geben ihre Daten nicht gerne preis, weshalb wir diesen schnellen Bezahlkanal anbieten", sagt Sarah Munker. Bei Easypark und ParkNow beispielsweise kann man auch mit Paypal bezahlen. Lastschrift und Kreditkarte funktionieren bei allen App-Anbietern.

App soll helfen, Geld zu sparen

Wer noch nicht sicher ist, ob eine Handypark-App tatsächlich so viele Vorteile bringt, kann sich von der Zukunft überzeugen lassen: Parkingprediction heißt eines der nächsten Features, welches die fortschreitende Digitalisierung bringt.

Das heißt: Die App zeigt an, wo ein Parkplatz frei ist. Mit dem sogenannten In-Car-Payment kann man irgendwann auch vom Monitor im Auto aus das Parkplatzticket kaufen.

Laut einer Studie von Inrix Research, einem weltweiten Anbieter von Services für das vernetzte Automobil und Verkehrsanalysen, verschwendeten Deutsche im Jahr 2017 nicht nur 41 Stunden pro Jahr für die Parkplatzsuche, sondern auch durchschnittlich 98 Euro wegen Überzahlung von Parkzeiten.

Denn die meisten Autofahrer warfen aus Angst vor Strafzetteln oder Abschleppdienst zu viel Geld in die Parkautomaten.

Gebührenübersicht

  • travipay: https://travipay.com/gebuehren/index.html
  • Easypark: https://easypark.de/help/de/3073
  • ParkNow: https://de.park-now.com/tarife
  • Yellowbrick: https://www.yellowbrick.de/kosten
  • Trafficpass: http://www.trafficpass.com/tarife.html
  • Park and Joy: https://www.parkandjoy.de/haeufige-fragen
  • mobilNet: https://de.park-now.com/tarife
  • Parkster: https://www.parkster.com/de

Verwendete Quellen:

  • Expertengespräch mit Sarah Munker von sunhill technologies, die digitale Payment-Lösungen entlang der gesamten Verkehrskette entwickeln
  • inrix.com: Deutsche verschwenden 41 Stunden im Jahr bei der Parkplatzsuche
Bildergalerie starten

BMW Vision iNEXT: Kann dieses Elektro-SUV aus München den Durchbruch bringen?

Bei BMW scheint sich ein neues Elektro-SUV auf den Weg zu machen: Der BMW Vision iNEXT ist zwar noch eine futuristische Studie, wird aber aufgrund seiner Plattform den Elektro-Weg der Münchner vorgeben. Mit fantastischem Interieur und vielen modernen Details soll das Fahrzeug die Zukunft des Konzerns einläuten. Hier kommen alle Bilder.