Forscher warnen vor vorgeschnittenen und abgepackten Salaten und Kräutern aus dem Supermarkt. Die Produkte seien regelmäßig mit Bakterien verunreinigt, die gefährliche Risiken bergen.

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Salate und andere vorgeschnittene Produkte zum Sofortverzehr sind offenbar regelmäßig mit resistenten Bakterien verunreinigt. In einer Studie enthielten alle 24 untersuchten Produkte aus deutschen Supermärkten Kolibakterien mit Resistenzgenen gegen das Antibiotikum Tetrazyklin.

Zwar kamen die meisten Keime nur in geringer Konzentration vor. Sie könnten ihre Resistenzgene aber nach dem Verzehr im Darm auf andere Mikroorganismen übertragen, auch auf Krankheitserreger, mahnt ein Team um Kornelia Smalla vom Julius-Kühn-Institut in Braunschweig im Fachblatt "mBio".

So gesund ist Salat dann gar nicht mehr

"Der Konsum von Salaten wird trotz des Nutzens für die menschliche Gesundheit zunehmend als Quelle von Bakterien erkannt, die Krankheiten verursachen, gegen Antibiotika resistent sind oder Gene für Antibiotika-Resistenzen tragen", schreiben die Forscher.

Als Beleg nennen sie Krankheitsausbrüche in den USA und Europa, etwa die EHEC-Epidemie (Enterohämorrhagische Escherichia coli) im Jahr 2011 in Deutschland. Die Kontaminierung der Salate könne nach der Ernte erfolgen oder schon auf den Feldern - etwa durch organische Dünger, Boden, Wind, Bewässerung oder Wildtiere.

Bakterien können Resistenzgene übertragen

Für die Studie kauften die Forscher insgesamt 24 Packungen Mischsalat, Rucola und Koriander in Supermärkten in Braunschweig und Magdeburg. Anschließend analysierten sie die Produkte auf Bakterien der Art Escherichia coli. Diese Keime sind zwar meist harmlos, können aber übertragbare Resistenzgene gegen Antibiotika tragen.

Die Forscher fahndeten nach Resistenzen gegen den Wirkstoff Tetrazyklin, der viel in der Tierhaltung genutzt wird. Tiere scheiden sowohl resistente Bakterien aus als auch den Wirkstoff, der dann mit der Gülle als Dünger auf Felder gelangen kann. In allen Proben fanden die Forscher Kolibakterien, die gegen Tetrazyklin resistent waren. Viele dieser Keime waren zudem auch gegen Wirkstoffe anderer Antibiotika-Klassen resistent.

Hotspot für Kolibakterien

Salate könnten ein Hotspot für Kolibakterien sein, die übertragbare Antibiotika-Resistenzen tragen, schreibt das Team. Die Bakterien seien zwar meist harmlos, nach dem Verzehr könnten sie ihre Resistenzgene im Darm aber auf andere Bakterien übertragen - auch auf Krankheitserreger. Bakterien können Erbgut-Bestandteile untereinander austauschen, sogar zwischen verschiedenen Arten. Experten sprechen von horizontalem Gentransfer.

Auch wenn die Salate Kolibakterien nur in geringen Mengen enthielten, rät Smalla zu Vorsicht: Die Konzentration könnten schnell deutlich steigen, etwa bei ungekühlter Lagerung. Daher rät sie, eher frische Salate zu konsumieren als vorgeschnittene Produkte. Bakterien auf Produkten seien aber nicht grundsätzlich ein Problem: Pro Gramm Salat könne man etwa 1 bis 10 Millionen Bakterien finden, und das natürliche Mikrobiom sei wichtig für den Geschmack. "Wir wollen keinen desinfizierten Salat", betont Smalla.

Ähnliche Befunde auch bei anderen Lebensmitteln

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) äußert sich zu der Studie. "Dieser besorgniserregende Nachweis auf Pflanzen reiht sich in ähnliche Befunde bei anderen Lebensmitteln ein", erklärt BfR-Präsident Andreas Hensel. "Was dies für das gesundheitliche Risiko von Verbraucherinnen und Verbrauchern bedeutet, wird jetzt vordringlich bewertet."

Generell solle man Rohkost, Blattsalate und frische Kräuter vor dem Verzehr gründlich mit Trinkwasser waschen, um das Risiko der Aufnahme von Krankheitserregern oder resistenten Bakterien zu minimieren. Grundsätzlich rät das BfR Schwangeren und Menschen, deren Abwehrkraft durch hohes Alter, Krankheit oder Medikamenteneinnahme geschwächt ist, vom Verzehr vorgeschnittener und verpackter Salate ab. Stattdessen sollten sie Salate aus frischen und gründlich gewaschenen Zutaten kurz vor dem Verzehr selbst zubereiten.  © dpa

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