Die Länder der Sahelzone in Afrika gehören zu den ärmsten der Welt. Dass die Zustände dort noch viel schockierender sind als bislang angenommen, zeigt eine Vergleichsrechnung der Vereinten Nationen: Die Kosten für ein einfaches Essen sind in Krisengebieten horrend.

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Die Rechnung ist verhältnismäßig einfach, der Vergleich darum umso schockierender: Für eine selbstgekochte Suppe mit Bohnen, Reis und Öl, die in New York 1,20 Dollar (1,04 Euro) kosten würde, müsste ein Einwohner im Südsudan in Afrika zwei Tage arbeiten. Das berichtete das Welternährungsprogramm (WFP) der UN zum Welternährungstag am 16. Oktober.

Übertragen auf New York entspräche das 348,36 Dollar (301,49 €) pro Mahlzeit. In den Krisengebieten von Nordnigeria wären für die Mahlzeit 222,05 Dollar (192,17 €) nötig, im Bürgerkriegsland Jemen 62,37 Dollar (53,98 €).

"In vielen dieser Länder können die Menschen nicht jeden Tag eine Mahlzeit einnehmen", sagte WFP-Sprecher Hervé Verhoosel in Genf. "Viele können nur essen, wenn sie von Helfern der Vereinten Nationen oder anderer Hilfsorganisationen unterstützt werden."

Länder der Sahelzone gehören zu den ärmsten der Welt

Das ohnehin anstrengende Klima der Sahelzone wird immer unberechenbarer. Die Bevölkerung aber wächst rasant. Das könnten die Zutaten einer großen Krise sein.

Das WFP der Vereinten Nationen warnt daher vor einer Krise bislang ungeahnten Ausmaßes. Bewaffnete Konflikte, Klimaextreme, politische Instabilität und eine rasch wachsende Bevölkerung gefährdeten die Ernährungssicherheit und könnten auch zu einer großen Migrationsbewegung führen, sagte WFP-Chef David Beasley der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Eine Frau bietet in Bangladesch Essen an, das aus Reis und etwas Gemüse zubereitet wurde.

"Es ist der perfekte Sturm", sagte Beasley. Hier gehe es nicht etwa wie in Syrien um rund 20 Millionen Menschen - im größeren Sahelgebiet mit Nigeria lebten rund 500 Millionen Menschen. Die Welt müsse "aufwachen und die Wurzel des Problems angehen", sagte Beasley. "Ohne Ernährungssicherheit gibt es insgesamt keine Sicherheit."

Islamistische Terrorgruppen destabilisieren einige Staaten

Einige Staaten der Sahelzone - etwa Mali, Burkina Faso, Niger und der Tschad - werden von islamistischen Terrorgruppen destabilisiert. Klimaextreme wie anhaltende Trockenzeiten machen der Landwirtschaft in dem Gebiet am Südrand der Sahara schwer zu schaffen.

Trotzdem wächst die Bevölkerung dort mitunter rasant. Im Niger etwa, einem der ärmsten Länder der Welt, gebären Frauen im Durchschnitt 7,5 Kinder - die weltweit höchste Geburtenrate. Die Bevölkerung in Nigeria soll sich UN-Prognosen aus dem vergangenen Jahr zufolge von derzeit 185 Millionen Menschen bis 2100 auf 914 Millionen mehr als vervierfachen.

Beasley warnte, die Risiken des Bevölkerungswachstums würden unterschätzt. "Wenn wir schon damit ringen, 7,5 Milliarden zu ernähren, mit all den Ressourcen, dem Wohlstand und der Erfahrung, die wir heute haben, wie sehr werden wir ringen müssen bei 10 Milliarden Menschen in 25 Jahren und der Bevölkerungsexplosion in bestimmten Regionen der Welt", sagte er.

32 Millionen Menschen werden nicht genügend zu essen haben

Die UN geht davon aus, dass in der Sahelzone im laufenden Jahr rund 32 Millionen Menschen zeitweise nicht genügend zu essen haben, rund fünf Millionen Kinder gelten als mangelernährt. "Die Länder der Sahelzone gehören zu jenen in der Welt, die am meisten von Krisen und Naturkatastrophen bedroht sind", erklärten die UN im März.

Die Sahelzone ist ein rund 7000 Kilometer langer und bis zu 800 Kilometer breiter Streifen am südlichen Rand der Sahara, der sich von Mauretanien im Westen bis in den Sudan am Roten Meer erstreckt.

Weltweit hatte die Zahl der Hungernden zuletzt wieder zugenommen - nach Erfolgen seit der Jahrtausendwende. Bewaffnete Konflikte gelten als wesentlicher Grund. Der UN-Bevölkerungsfonds stellt an diesem Mittwoch in New York seinen neuen Weltbevölkerungsbericht vor.

(pak/dpa)  © dpa