Immer wieder sind Politiker und bedeutende Persönlichkeiten Opfer von Mordanschlägen geworden. Ob Mahatma Gandhi oder John F. Kennedy, ob die Attentate nun tödlich endeten oder nicht - Aufsehen erregten sie alle.

Benazir Bhutto (2007)

Sie wurde 1988 die erste Regierungschefin eines islamischen Landes: die Pakistanerin Benazir Bhutto. Dass das Amt des Premierministers ein gefährliches ist, musste bereits ihr Vater Zulfikar Ali Bhutto erfahren: Er wurde nach einem Militärputsch durch seinen eigenen Stabschef inhaftiert und 1979 gehängt.

Benazir Bhutto, die sich für einen offenen und gemäßigten Islam einsetzte, war zweimal Premierministerin (1988 bis 1990 und 1993 bis 1996), beide Male wurde ihre Regierung wegen Korruptionsvorwürfen aufgelöst, die jedoch nie bewiesen werden konnten.

Nach ihrer zweiten Absetzung lebte sie mit ihrer Familie ab 1999 im Exil in Dubai, entschloss sich aber trotz Drohungen gegen ihre Person, im Jahr 2007 in ihr Heimatland zurückzukehren. Schnell etablierte sich Benazir Bhutto als pakistanische Oppositionsführerin.

Bei den Wahlen im Januar 2008 strebte sie eine Wiederwahl zur Premierministerin an. So weit kam es allerdings nicht mehr: Zwei Wochen vor den Wahlen, am 27. Dezember 2007, wurde sie nach einer Wahlkampfveranstaltung bei einem Selbstmordanschlag getötet. Doch ihr Erbe besteht weiter: Bei der in den Februar 2008 verschobenen Wahl gelangt ihre Pakistanische Volkspartei (PPP) an die Regierung, ihr Witwer Asif Ali Zardari wird im September des Jahres zudem zum Präsidenten gewählt.

Pim Fortuyn (2002)

Der niederländische Politiker Pim Fortuyn war eine umstrittene Persönlichkeit. Er vereinte in seiner Politik liberale und rechtspopulistische Ansichten. So trat er in Bezug auf seine eigene Homosexualität für eine offene Gesellschaft ein, bekannte sich aber schonungslos zu seiner Ablehnung gegenüber des Islam.

Fortuyn vertrat die Meinung, dass die traditionell liberalen Niederlande weniger Asylbewerber aufnehmen sollten. Provokationen gegenüber Muslimen und religiösen Fanatikern gingen dem Politiker leicht von den Lippen.

Auch in Sachen Tierschutz zeigte er sich wenig zimperlich: Mit Sprüchen wie "Wählt mich, dann dürft ihr Pelzmäntel tragen" zog er den Zorn von Tierliebhabern auf sich. All das sollte ihm zum Verhängnis werden.

Nach einem Radiointerview am 6. Mai 2002 in Hilversum wurde der 54-Jährige auf dem Weg zu seinem Wagen von dem militanten Veganer und Tierschützer Volkert van der Graaf mit fünf Schüssen in Kopf, Brust und Nacken getötet. Ein Gericht verurteilte den Attentäter zu 18 Jahren Haft.

Yitzhak Rabin (1995)

Der zweifache israelische Premierminister Yitzhak Rabin wurde am 4. November 1995 auf einer Friedenskundgebung in Tel Aviv ermordet. Der Attentäter Yigal Amir erschoss ihn auf dem Weg von der Bühne zum Wagen. Rabin verstarb kurze Zeit später im Krankenhaus. Kurz vor seiner Ermordung hatte er eine Rede gehalten und allen Anwesenden der Kundgebung gedankt, dass sie für den Frieden und gegen die Gewalt demonstrierten.

Der ultraorthodoxe Israeli Amin sagte im Oktober 2008 in einem Interview mit den israelischen Privat-Sendern Channel 2 und Channel 10, dass er sich zum Mord an Rabin entschlossen habe, nachdem hochrangige Militärs das von Rabin unterzeichnete Osloer Friedensabkommen mit PLO-Chef Arafat (1994) als Verrat an Israel bezeichnet hätten. Auch sei er nicht von extremistischen Rabbis beeinflusst worden, sondern vielmehr durch den späteren Ministerpräsidenten Ariel Sharon und den ehemaligen Generalstabschef Rafuel Eitan.

Yitzhak Rabin arbeitete 27 Jahre für das Militär, bevor er 1967 seine politische Karriere begann. Von 1974 bis 1977 war er Regierungschef, in den 1980er Jahren Verteidigungsminister und ab 1993 bis zu seiner Ermordung noch einmal israelischer Premierminister. Er war einer der wichtigsten Befürworter eines Friedensprozesses zwischen Israel und Palästina und den arabischen Nachbarn. Für seine Verhandlungen bekam er 1994 zusammen mit Jassir Arafat und Schimon Peres den Friedensnobelpreis.

Olof Palme (1986)

Schwedens Ministerpräsident Olof Palme wurde am 28. Februar 1986 in der Stockholmer Innenstadt auf offener Straße erschossen, als er mit seiner Frau aus einem Kino kam. In dem beschaulichen skandinavischen Land hatte der Politiker es abgelehnt, Bodyguards um sich zu haben. Er wollte in seiner Freizeit ein unbeobachtetes und freies Privatleben führen. Das tödliche Attentat kommentierte das Fernsehen mit den Worten: "Schweden hat seine Unschuld verloren."

Die Tat ist bis heute nicht restlos aufgeklärt. 1988 wurde der Kleinkriminelle Christer Pettersson festgenommen und 1989 auch des Mordes an Palme schuldig gesprochen. In zweiter Instanz kam er jedoch wieder frei, da die Glaubwürdigkeit seiner damaligen Freundin, die als Zeugin ausgesagt hatte, in Zweifel gezogen wurde. Sie bekräftigte allerdings 2007 noch einmal, dass der 2004 verstorbene Pettersson ihr gegenüber den Mord gestanden habe.

Vorerst bleiben nur Fragen und Spekulationen: Wollten Rechtsradikale den Sozialdemokraten beseitigen? War er der schwedischen Rüstungsindustrie ein Dorn im Auge, weil er Waffenlieferungen an die Ajatollahs in Teheran im Wege stand? Und welche Rolle spielte die Stockholmer Polizei, die sich im Laufe der Ermittlungen mehrere Pannen leistete?

Indira Gandhi (1984)

Im Jahr 1984 war Indien ein zerrissenes Land - gespalten in Parteien, Volksstämme und Religionen. Indira Gandhi regierte das Land als Premierministerin von 1966 bis 1977 sowie von 1980 bis 1984 - in diesem Jahr wurde sie von ihren eigenen Leibwächtern, Angehörigen der Sikh-Religion, erschossen.

Seit Gandhis Amtsantritt war die Separatistenbewegung extremistischer Sikhs im Bundesstaat Punjab zum Problem geworden. Sie forderten die Unabhängigkeit ihres Staates, es kam wiederholt zu Ausschreitungen im ganzen Land.

1982 verschanzte sich eine Gruppe von Sikh im Goldenen Tempel, dem größten Heiligtum dieser Religion. Als Gesprächsversuche fehlschlugen, ließ Indira Gandhi den Tempel 1984 stürmen - bei der "Operation Blue Star" kamen mehrere Tausend Menschen ums Leben. Obwohl Gandhi damit den Zorn der Sikh auf sich gezogen hatte und damit potenziell in Gefahr war, wollte sie ihre Sikh-Angestellten nicht entlassen.

Am Tage ihres Todes, dem 31. Oktober 1984, war Gandhi auf dem Weg zu einem Interview mit der BBC in Neu-Delhi. Noch bevor sie die BBC erreichte, wurde sie von ihren Leibwächtern Satwant Singh und Beant Singh erschossen. Nach der Tat kam es in Indien zu schweren Ausschreitungen, bei denen tausende Sikh umkamen und mehrere Zehntausend flüchten mussten.

Papst Johannes Paul II. (1981)

Am 13. Mai 1981 verübte der türkische Rechtsextremist Mehmet Ali Agca ein Attentat auf Papst Johannes Paul II. Auf dem Petersplatz in Rom wurde der Papst von drei Kugeln getroffen und musste schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Johannes Paul II. musste noch bis Mitte August wegen der Schussverletzungen behandelt werden. Er vergab Agca schon vom Krankenhausbett aus und besuchte seinen Attentäter später noch im Gefängnis und verzieh ihm die Tat persönlich.

Zum Dank, dass er das Attentat überlebt hatte, unternahm der Papst anschließend eine Wallfahrt ins portugiesische Fátima und brachte der dortigen Madonna die vergoldeten Kugeln als Geschenk dar. Bis heute trägt sie diese in einer Krone auf dem Kopf.

Während dieser Reise entkam Johannes Paul II. einem zweiten Mordanschlag durch den ultrakonservativen Priester Joan Fernandez Krohn, der aber von den Leibwächtern des Papstes überwältigt werden konnte. Der Täter wollte nach eigener Aussage die katholische Kirche vor den Auswirkungen der Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) schützen, an dem der Papst noch als Erzbischof von Krakau teilgenommen hatte.

Die Hintergründe des Anschlags sind bis heute ungeklärt. Laut einer Theorie, die sich hartnäckig hält, gab der russische Geheimdienst KGB den Mord in Auftrag, der bulgarische Geheimdienst sorgte für die Ausführung und die Stasi war für das Verwischen der Spuren verantwortlich.

Ronald Reagan (1981)

US-Präsident Ronald Reagan wurde am 30. März 1981 vor dem Hilton Hotel in Washington D.C. Opfer eines Mordanschlags. Er wurde dabei dank des Einsatzes von Sicherheitsmann Tim McCarthy aber nicht lebensgefährlich verletzt.

Der Täter John Hinckley, Jr. wollte mit seinem Mordanschlag nach eigenen Angaben die Schauspielerin Jodie Foster beeindrucken, die er seit dem Film "Taxi Driver" verfolgte. Beim Prozess 1982 wurde er für unzurechnungsfähig erklärt und in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Er befindet sich noch heute in Behandlung.

Reagan wurde mit einer Schussverletzung ins Krankenhaus eingeliefert und musste operiert werden: Eine Kugel steckte sechs Millimeter vor seiner Lunge.

Für den US-Präsidenten war das Attentat dennoch positive Publicity. Vor allem seine humorvolle Reaktion vor und nach der Operation gegenüber den Ärzten kam bei den Amerikanern gut an. Der Spott über den ehemaligen Schauspieler versiegte und er gilt heute als einer der beliebtesten Präsidenten Amerikas.

Siegfried Buback (1977)

Am 7. April 1977 begann mit der Ermordung des Generalbundesanwaltes Siegfried Buback eine Mordserie durch die Rote Armee Fraktion (RAF), die im "Deutschen Herbst" gipfelte und noch viele weitere Menschenleben forderte.

Siegfried Buback war am Tag seines Todes auf dem Weg von seinem Haus in Karlsruhe-Neureut zum Bundesgerichtshof. In seinem blauen Dienst-Mercedes saßen außerdem sein Fahrer, Wolfgang Göbel, und durch Zufall auf der Rückbank Justizhauptwachmeister Georg Wurster.

Als der Wagen an einer Ampel hielt, wurde vom Sozius eines daneben haltenden Motorrads gefeuert. Buback und Göbel waren sofort tot, Wurster erlag eine Woche später seinen Verletzungen.

Die Mörder konnten mit einem in der Nähe geparkten Wagen entkommen. Bis heute ist unbekannt, wer auf dem Motorrad saß und wer die Todesschüsse abgab - die RAF bekannte sich aber öffentlich zu dem Anschlag.

Martin Luther King (1968)

Mit dem legendären "Marsch auf Washington" gegen die Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung der USA rüttelte Martin Luther King 1963 das ganze Land auf. Seine Worte "I have a dream" sind in die Geschichte eingegangen wie wenige andere.

Fünf Jahre später war der Bürgerrechtler dabei, die "Poor People's Campaign" zu organisieren, deren Höhepunkt eine neuer "Marsch auf Washington" sein sollte. Doch dazu kam es nicht mehr: Martin Luther King wurde am 4. April 1968 auf einer Hotelterrasse in Memphis im US-Bundesstaat Tennessee erschossen.

Sein Tod wühlte Amerika auf und führte zu Unruhen in mehr als 100 Städten mit Dutzenden Toten. Der "Marsch der armen Leute" durch Washington fand nach seinem Tod trotzdem statt, seine Witwe Coretta Scott nahm daran teil.

Die Hintergründe des Mordes an Martin Luther King bleiben rätselhaft. Zunächst gestand der Rassist James Earl Ray die Tat, widerrief sein Geständnis allerdings kurz danach. Noch heute halten sich, wie im Fall John F. Kennedy, Verschwörungstheorien, nach denen auch die US-Regierung in das Attentat verstrickt ist.

John F. Kennedy (1963)

Das Attentat auf John F. Kennedy ist wohl der "berühmteste" politische Mordanschlag der jüngeren Geschichte und bestürzte nicht nur Amerika, sondern die ganze Welt. Kennedy war gerade auf Wahlkampfreise, als er am 22. November 1963 auf der Fahrt durch Dallas von tödlichen Schüssen getroffen wurde.

Die offizielle Version des Tathergangs besagt, dass der Einzeltäter Lee Harvey Oswald auf den Präsidenten geschossen hat. Der Verdächtige wurde kurze Zeit nach dem Attentat festgenommen und der Öffentlichkeit präsentiert. Zwei Tage später wurde Oswald jedoch in Polizeigewahrsam von dem Nachtclubbesitzer Jack Ruby erschossen, bevor es zu einer Anklage kommen konnte.

Das Verbrechen konnte nie vollständig aufgeklärt werden. Noch immer ranken sich zahlreiche Verschwörungstheorien um den mysteriösen Mordfall, nach denen wahlweise die Mafia, die US-Regierung oder Fidel Castro hinter dem Mord stecken sollen. Die Angehörigen Kennedys sowie große Teile der amerikanischen Bevölkerung hegten lautstarke Zweifel an der offiziellen Erklärung der Untersuchungskommission.

Bis zu einer möglichen Aufklärung des Falles muss man sich allerdings noch ein wenig gedulden: Angeblich sollen die offiziellen Akten im Jahr 2017 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Mahatma Gandhi (1948)

Der Rechtsanwalt Mohandas Karamchand, genannt Mahatma, Gandhi, war der politische und geistige Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Er entwickelte das Konzept des gewaltfreien Widerstandes und führte damit maßgeblich das Ende der britischen Kolonialherrschaft in Indien herbei. Zu seinen spektakulärsten Aktionen gehörte der "Salzmarsch" (1930), mit dem die Bevölkerung gegen das britische Salzmonopol demonstrierte.

1947 wurde Indien schließlich unabhängig - allerdings wurde die vorher britisch besetzte Zone in zwei Teile aufgeteilt: in das hinduistische Indien und das muslimische Pakistan. Die Teilung führte zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen.

Am 30. Januar 1948 wurde Gandhi von dem nationalistischen Hindu Nathuram Godse in Delhi erschossen. Dieser hatte bereits zehn Tage zuvor mit sechs anderen ein Attentat auf Gandhi geplant, das allerdings fehlschlug. Sie machten Gandhi für die Teilung ihres Landes und die darauffolgenden Unruhen verantwortlich. Godse wurde zum Tode verurteilt und am 15. November 1949 durch Hängen hingerichtet.