• Zwei Tage lang wurde die achtjährige Julia im Böhmerwald vermisst.
  • Nun ist das Mädchen wieder aufgetaucht - ein tschechischer Förster hat es gefunden.
  • Zuvor hatten 1400 Einsatzkräfte nach Julia gesucht.

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Was für ein Horror - und was für ein glückliches Ende: Seit Sonntagnachmittag wurde die acht Jahre alte Julia aus Berlin im Böhmerwald vermisst, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt im felsigen, dicht bewachsenen Gelände. Nach fast zwei Tagen und zwei dunklen, kalten Nächten dann am Dienstag die frohe Nachricht der Polizei: "Sie lebt, sie ist unterkühlt und ins Krankenhaus gebracht worden", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz.

Am Nachmittag gegen 13:35 Uhr hatte ein tschechischer Förster das Kind entdeckt. "Das vermisste Kind befand sich völlig erschöpft in einem Gebüsch und machte nicht auf sich aufmerksam", berichtete die Polizei einige Stunden später. Wo Julia nun medizinisch betreut wird, wollten die Behörden unter Verweis auf die Privatsphäre nicht sagen.

Vermisste Julia: Glücksnachricht sorgt bei Helfern für Tränen

Eine Glücksnachricht für die Familie nach Tagen schrecklichen Bangens. Auch Hunderte Helfer in den Suchtrupps atmeten erleichtert auf. "Da sind auch beim einen oder anderen Tränchen geflossen", gestand ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz im Bayerischen Rundfunk ein.

Die Achtjährige aus Berlin war am späten Sonntagnachmittag beim Wandern mit ihrer Familie im bayerisch-tschechischen Grenzgebiet verschwunden. Die Eltern hatten das Mädchen, den sechsjährigen Bruder und einen neunjährigen Cousin unterhalb des Berges Cerchov aus den Augen verloren und die Rettungskräfte gerufen. Diese fanden zunächst nur den Bruder und den Cousin. Warum die Kinder sich getrennt hatten, dazu wollte die Polizei nichts sagen. Es wurde spekuliert, sie hätten ein Orientierungsspiel gespielt oder seien in Streit geraten. Vielleicht war es auch ein Moment der Unachtsamkeit.

Julia irrte offenbar kilometerweit umher

Letztlich wurde Julia dreieinhalb Kilometer entfernt von dem Gipfel des Berges gefunden. "Die Auffindeörtlichkeit lag in entgegengesetzter Richtung zum Ort ihres Verschwindens", erläuterte ein Polizeisprecher. "Nach ersten Vermutungen wird davon ausgegangen, dass die Achtjährige immer wieder in Bewegung war und dabei mehrere Kilometer zu Fuß im Wald zurücklegte."

An der Suche nach Julia im Gebiet zwischen den Städten Waldmünchen, Furth im Wald und Domazlice beteiligten sich rund 1400 Rettungskräfte aus Bayern und Tschechien. Das Bayerische Rote Kreuz in Cham sprach auf Facebook gar von der größten grenzüberschreitenden Suchaktion, die in der Region je stattgefunden habe. "Dass es gelungen ist, das Kind zu finden, kommt einem Wunder gleich", heißt es darin weiter.

1.400 Einsatzkräfte suchten nach der Achtjährigen

Zwei Tage und zwei Nächte waren die Helfer im Einsatz. Unterstützt wurden sie von 115 Suchhunden, Polizeihubschraubern und Drohnen mit Wärmebildkameras, wie das Polizeipräsidium Oberpfalz mitteilte. Wegen des unwegsamen Gebiets mit vielen Felsen und Klüften sowie dichtem Baumbewuchs hatte sich der Großeinsatz allerdings mühsam gestaltet. Neben der Polizei waren auch Feuerwehr, Bergwacht, Förster und Mitarbeiter des tschechischen Nationalparks Böhmischer Wald, die sich in dem Gebiet auskennen, beteiligt. Aus dem südlichen Oberbayern reiste sogar eine Alpine Einsatzgruppe der Polizei an.

Die Suche war ein Wettlauf gegen die Uhr, auch wegen der eisigen Temperaturen, die sich nachts dem Gefrierpunkt näherten. Die Polizei ging von einer "lebensbedrohlichen und ernstzunehmenden Gefahr" für Julia aus. Noch am Dienstagmorgen hatte es geheißen, die Chancen des Mädchens würden von Stunde zu Stunde sinken.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) dankte nach dem Erfolg allen Helfern: "Wir haben alles mobilisiert, Bereitschaftspolizei, Hundestaffeln, Hubschrauber mit Wärmebildkameras, Drohnen und Suchtrupps der Alpinen Einsatzgruppe. Letztlich war es dann ein Quäntchen Glück, dass ein in die Suchaktion eingebundener tschechischer Förster das Mädchen gefunden hat." Auch ein Schwimmer galt seit mehr als einem Jahr als vermisst. Er konnte jedoch nur noch tot aus dem Bodensee geborgen werden.   © dpa

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