Nackte Hintern statt städteübergreifendem "Schere, Stein, Papier": Eigentlich sollte das Livestream-Portal zwischen New York und Dublin ein weltverbindendes Kunstwerk sein. Doch einige Passanten sprengten die Grenzen des guten Geschmacks.

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Gefühlt ganz nah, tatsächlich aber Tausende Kilometer entfernt: Per Live-Stream verbinden zwei kreisrunde Portale seit kurzem die Städte Dublin und New York. Eigentlich soll das Kunstwerk einen echten Blick in die andere Stadt ermöglichen - und zunächst klappte das auch ganz gut: Menschen winkten sich zu oder spielten auf Distanz "Schere, Stein, Papier". Doch nach mehreren geschmacklosen Vorfällen sind die Fenster in die andere Welt vorerst wieder abgeschaltet worden. Erst wenn eine Lösung gefunden sei, wie Missbrauch vermieden werden könne, solle die Installation wieder angeschaltet werden, berichtete der irische Sender RTÉ am Mittwoch.

"Jeder sollte an ein siebenjähriges Kind denken, das in New York ist und etwas erleben möchte, das eine Verbindung zu Dublin herstellen und den Menschen dort zuwinken möchte", hatte der Künstler Benediktas Gylys gesagt. "Auf jeden Fall geht es darum, dass wir Menschen gemeinsam das Kunstwerk schaffen, aber wir müssen sicherstellen, dass es auch familienfreundlich ist."

Nackte Körperteile statt familienfreundliches Winken

Allerdings kam es zu mehreren Vorfällen, die nicht so familienfreundlich waren: Eine Frau in New York zeigte ihre Brüste, in der irischen Hauptstadt präsentierte ein Mann seinen nackten Hintern. Manche Leute hielten ihre Handys in die Kamera, die Pornografie oder das Attentat vom 11. September 2001 zeigten. In Dublin steht das Werk auf einer der Hauptstraßen der Metropole, in New York mitten in Manhattan neben dem berühmten Flatiron-Gebäude.

Der Stadtrat von Dublin hatte sich zuvor erfreut gezeigt, dass das Portal seit seiner Einführung vergangene Woche von zahlreichen Menschen genutzt wurde. "Es ist zu einem globalen Phänomen geworden und es ist wichtig festzustellen, dass sich eine überwältigende Mehrheit der Menschen, die mit dem Dublin-Portal interagieren, angemessen verhalten hat."

Es handelt sich um die zweite Installation dieser Art. Ein erstes Portal verbindet bereits seit rund zweieinhalb Jahren die litauische Hauptstadt Vilnius und das polnische Lublin. Allerdings erhält das neue Kunstwerk in New York und Dublin deutlich mehr Aufmerksamkeit. In den USA leben Millionen Menschen irischer Abstammung. (dpa/cgo)

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