Sie geben sich als harte, aber harmlose Motorradfans. Doch tatsächlich sind die meisten Motorradclubs brandgefährlich. Wer ihnen ihr Revier streitig macht, muss mit dem Schlimmsten rechnen.

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Raub, Mord, Erpressung, Drogenschmuggel, Prostitution und Geldwäsche – wie viele Motorradclubs in Deutschland Teil der organisierten Kriminalität zuzurechnen sind, ist nicht eindeutig auszumachen. Derzeit gibt es jedoch etwa eine Handvoll hierarchisch aufgebauter Rockerbanden, die in verschiedenen Städten im Untergrund agieren.

Ihre Niederlassungen nennen sie Chapter oder Charter. Wenn ein Mitglied verstoßen wird, ist es quasi zum Abschuss freigegeben. Doch die meisten Auseinandersetzungen spielen sich nicht innerhalb, sondern zwischen den rivalisierenden Clubs ab.

Hells Angels

"Einer für alle, alle für einen", lautet ein Claim der bekannten Gruppe. Geschätzt 1.200 Mitglieder stark und in über 40 Städten aktiv, gehören die 1973 aus den USA nach Hamburg gekommenen "Höllenengel" zu den bekanntesten Motorradclubs überhaupt. Prostitution, Drogen- und Waffenhandel sollen zu den Geschäftsfeldern der Rocker gehören. Seit Jahren wird ihnen vorgeworfen, als kriminelle Organisation zu agieren. Das Innenministerium prüft bereits seit 2010 ein bundesweites Verbot der Hell Angels. Bislang konnten allerdings nur einzelne Charter verboten werden.

Bandidos

1999 kamen mit den texanischen Bandidos die größten Konkurrenten der Hells Angels nach Deutschland. In Skandinavien gerieten beide Gruppierungen in den 1990er Jahren erstmals aneinander, seitdem herrscht immer wieder Krieg. "Wir sind die, vor denen eure Eltern euch immer gewarnt haben", soll ein Motto lauten. Weltweit sollen die Bandidos etwa 3.000 Mitglieder haben, ein Drittel davon in Deutschland. Der Polizei sind bundesweit über 70 Chapter bekannt.

Satudarah

Ein weiterer Gegenspieler der Hells Angels ist der aus den Niederlanden stammende Club Satudarah. Von indonesischen Einwanderern in Südholland gegründet, versteht sich der Club als multikulturell. Über den Niederrhein gekommen, haben sie sich mittlerweile im Ruhrgebiet niedergelassen und vor zweieinhalb Jahren in Duisburg ein Chapter eröffnet. Ein zweites entstand in Krefeld. Insgesamt ist von mehr als 400 Mitgliedern die Rede.

Mongols

Weil Vietnam-Veteranen lateinamerikanischer Abstimmung die Aufnahme bei den Hell Angels verweigert worden war, gründeten sie 1969 ihren eigenen Motorradclub. Etwa 500 bis 600 Mitglieder hat der Club insgesamt. Die 2010 gegründete deutsche Niederlassung in Bremen wurde 2011 bereits wieder verboten. Behörden zufolge bestand der einzige Zweck des Clubs darin, Straftaten zu begehen. Im selben Jahr wurde auch das Berliner Chapter nach einem Bombenfund wieder aufgehoben.

Straßengangs statt Motorradclubs

Immer häufiger werden Konflikte in Nordrhein-Wesfalen ausgetragen. Vor allem Duisburg gerät dabei immer mehr zwischen die Fronten. Die Hells Angels sind vor allem im Rheinland aktiv, während die Bandidos das Ruhrgebiet für sich beanspruchen. Doch auch in Süddeutschland finden Bandenkriege statt. Inzwischen drängen junge Straßengangs an die Macht. Allein in Baden-Württemberg finden sich mindestens drei verfeindete Clubs.

Die älteste Vereinigung sind die Black Jackets, eine türkisch dominierte Rockerbande, die 1985 in Heidenheim ins Leben gerufen wurde. Die Bomberjacken-Träger liefern sich regelmäßig Schlägereien und Messerstechereien mit kurdischstämmigen Clubs wie dem Red Legion aus Stuttgart oder La Fraternidad aus Esslingen. 2009 griffen vermummte Anhänger der Black Jackets 15 Mitglieder von La Fraternidad mit Schlagstöcken an. Dabei zertrümmerten sie einem unbeteiligten Jugendlichen den Schädel. Der Junge überlebte schwerverletzt und ist heute ein Pflegefall.

Zusammengeschlagen, niedergestochen, erschossen

Konkurrenz erfahren Rockerclubs auch durch kriminelle Großfamilien. In Mafia-ähnlichen Strukturen organisiert, drängt etwa die Miri-Sippe aus Bremen in den Waffen- und Drogenhandel. Bis zu 2.600 Mitglieder soll der libanesische Clan haben, vermutet die Polizei. In Berlin wird der Abou-Chaker-Clan mit kriminellen Aktivitäten in Verbindung gebracht. So soll der Berliner "Pokerraub" im Grand Hyatt Hotel 2010 auf das Konto des Clans gehen.

Dass die Hells Angels sich nicht so leicht verdrängen lassen, zeigt der Mord an Tahir Özbek am 10. Januar dieses Jahres. Gut ein Dutzend Hells Angels stürmte ein Wettcafé im Berliner Stadtteil Reinickendorf und erschoss den 26-Jährigen. Für Schlagzeilen sorgte auch der Angriff auf das Bandidos-Mitglied Rudi "Eschli" Elten. Am 8. Oktober wurde Eschli an einer Duisburger Straßenkreuzung von einem Hells Angel auf offener Straße niedergestreckt.

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