Videosprechstunden können Zeit und Wege sparen – ob bei Erkältungen oder der Nachsorge nach Operationen. Doch wie funktionieren sie genau, was braucht man dafür und welche Ärzte bieten sie an? Hier finden Sie die Antworten.

Mehr zum Thema Gesundheit

Der Kopf pocht, das Fieberthermometer zeigt 39 Grad, und draußen peitscht der Regen gegen die Fensterscheibe. Die Vorstellung, sich jetzt in den Bus zu schleppen – dreimal umsteigen inklusive – nur, um dann noch eine Stunde im Wartezimmer zwischen hustenden Patienten zu sitzen? Nicht gerade angenehm.

In solchen Momenten kann eine Videosprechstunde die Rettung sein: Ein paar Klicks genügen, und schon sitzen Sie einem Arzt oder einer Ärztin gegenüber – bequem auf dem Sofa.

So verbreitet sind Videosprechstunden

  • Nicht alle Ärztinnen und Ärzte bieten Videosprechstunden an, sie sind nicht dazu verpflichtet. Achten Sie auf Hinweise in der Praxis oder auf der Website – oder sprechen Sie die Mitarbeitenden direkt an.
  • Wenn Praxen Videosprechstunden anbieten, gibt es eine Obergrenze: Maximal 30 Prozent der Behandlungen dürfen per Video erfolgen.
  • Die Ärzte sollen aus der jeweiligen Region kommen, damit sie Patienten gegebenenfalls weiter vor Ort behandeln können.
  • Fachärzte, die keinen direkten Kontakt zu Patienten haben, wie Pathologen, Radiologen oder Laborärzte, dürfen dies nicht.

Doch nicht nur bei Erkältungen oder Fieber sind Videosprechstunden praktisch. Auch nach einer Operation spart man sich so den mühseligen Weg in die Praxis. Und Menschen mit geschwächtem Immunsystem vermeiden das Risiko, sich im Wartezimmer anzustecken. Doch wie funktioniert das eigentlich genau?

Bei welchen Beschwerden ist eine Videosprechstunde sinnvoll?

Eine Videosprechstunde bietet sich vor allem dann an, wenn keine Untersuchung mit direkten Handgriffen nötig ist. Erkältungen, Hautausschläge oder Bindehautentzündungen lassen sich zum Beispiel gut per Video diagnostizieren. Muss jedoch der Bauch abgetastet oder eine Blutuntersuchung durchgeführt werden, bleibt nur der Gang in die Praxis.

Wie bekomme ich einen Termin?

Möglichkeiten gibt es viele: entweder direkt über die Arztpraxis oder über den Patientenservice der Krankenkassen unter der Nummer 116117. Auch spezielle Portale wie TeleClinic oder ClickDoc bieten Online-Sprechstunden an.

Wie läuft eine Videosprechstunde ab?

Eine Videosprechstunde läuft ähnlich ab wie ein Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin in der Praxis – nur ohne die Anreise. Sie tauschen sich am Bildschirm aus, ohne dass Sie dazu in die Praxis kommen müssen. Das spart Zeit und lange Wege.

Was brauchen Sie für eine Videosprechstunde?

Sie brauchen dafür keine besondere technische Ausstattung. Ein Computer, Tablet oder Smartphone mit Kamera, Mikrofon und Lautsprecher reicht völlig aus. Wichtig ist nur eine stabile Internetverbindung, damit das Gespräch nicht ruckelt.

Kostet eine Videosprechstunde etwas?

Nein, sie wird ähnlich mit der Krankenkasse abgerechnet wie ein Besuch beim Arzt. Wer allerdings einen privaten Anbieter nutzt oder nicht bei seinem Hausarzt einen Termin bucht, sollte vorher prüfen, ob die Kosten übernommen werden. In der Regel können Sie aber davon ausgehen.

Was sollte ich vor der Sprechstunde beachten?

Vor der ersten Videosprechstunde gibt es Informationen zum Datenschutz. Eine gute Beleuchtung und eine ruhige Umgebung erleichtern das Gespräch. Am besten wählt man sich fünf bis zehn Minuten vorher ein, um technische Probleme zu vermeiden. Beim Einloggen wird man nach seinem Namen gefragt. Wichtig ist, ihn korrekt anzugeben, damit es keine Verwechslungen gibt und der Arzt oder die Ärztin Sie zuordnen kann.

Wie steht es um den Datenschutz?

Strenge Regeln sorgen dafür, dass Arztpraxen nur mit zertifizierten Anbietern arbeiten dürfen. Auch Werbung in der Videosprechstunde ist verboten. Die Verbraucherzentrale rät Patienten, auch bei der Videosprechstunde sparsam mit ihren Daten umzugehen und, wenn möglich, einen Gastzugang zu nutzen, bei dem weniger Informationen gespeichert werden.

Lesen Sie auch

Kann ich auch einen Termin bei einem fremden Arzt ausmachen?

Ja, das geht. In dem Fall müssen Sie Ihre elektronische Gesundheitskarte in die Kamera halten. So kann das Praxispersonal die Identität prüfen und die relevanten Daten erfassen, also etwa Ihren Namen, Ihr Geburtsdatum und Ihre Krankenkasse.

Kann ich mir Medikamente verschreiben lassen?

Ja, das ist möglich. Nach der Videosprechstunde kann ein elektronisches Rezept ausgestellt werden. Allerdings dürfen Betäubungsmittel oder Medikamente nicht einfach per Video verordnet werden, sofern ein Arzt Sie nicht kennt. Dafür müssten Sie in die Praxis kommen.

Kann ich mich online krankschreiben lassen?

Ja, aber mit Einschränkungen. Patienten, die der Praxis bekannt sind, können bis zu sieben Tage krankgeschrieben werden. Bei neuen Patienten sind es maximal drei Tage. Eine Verlängerung ist dann nur mit einem Besuch vor Ort möglich.

Verwendete Quellen