München (as) - Ob in Filmen, Zeitschriften, der Werbung und im Internet: Ob wir wollen oder nicht - das Thema Sex ist allgegenwärtig.

Niemals zuvor sind wir so offen mit unserer Sexualität umgegangen und haben mit unserem Partner so ausführlich Probleme diskutiert und Vorlieben ausgelebt.

Dennoch, obwohl wir so freizügig damit umgehen: Immer wieder zeigen Studien oder auch Fragen in unserem Ratgeberchannel, dass bei vielen konkreten Themen Unsicherheit herrscht. Vor allem Jugendliche wissen erschreckend wenig über richtige Verhütung oder Geschlechtskrankheiten.

Doch auch Erwachsene sind längst nicht allwissend. Oder kennen Sie die Risikofaktoren für Impotenz und wissen Sie, ab wann ein Mensch als sexsüchtig gilt? Wir gehen hier sechs häufigen Fragen zum Thema Sexualität auf den Grund.

Wie wirken Aphrodisiaka?

Schon immer waren Menschen sehr erfinderisch, wenn es darum ging, die Potenz zu erhalten und zu steigern. Vor allem in der Natur begab man sich auf die Suche nach Wundermitteln, die die Lust steigern können. Aphrodisiaka sind all jene Pflanzen, Nahrungsmittel, Gewürze und Medikamente, denen eine anregende Wirkung auf das Liebesleben nachgesagt wird. Die Bezeichnung leitet sich vom Namen der griechischen Liebesgöttin Aphrodite ab.

Dass Aphrodisiaka wirklich wirken, wurde nie wissenschaftlich bewiesen. Dennoch schwören ganze Völker darauf. Der Placebo-Effekt scheint also bei der Wirkung der angeblich aphrodisierenden Substanzen eine nicht zu verachtende Rolle zu spielen.

Die so genannten Aphrodisiaka sollen auf verschiedene Weise wirken:

  • harntreibend und dadurch indirekt die Sexualorgane reizend,
  • die Durchblutung fördernd - auch die der Sexualorgane,
  • entspannend und dadurch die Bereitschaft zum Sex fördernd,
  • durch anregende Düfte das Unterbewusstsein stimulierend,
  • durch konzentrierte Nährstoffe (Eiweiß) oder Vitamine die Manneskraft stärkend.

Nahrungsmittel, denen eine aphrodisierende Wirkung nachgesagt wird: Austern, Schokolade, Chili, Ananas, Ginseng, Granatapfel, Trüffel, Spargel, Zwiebel, Tomate, Melone, Kokosnuss, Nüsse, Rettich, Sellerie, Esskastanie, Feldsalat, Eier, Kaviar, Karotten, Paprika, Sardellen.

Gewürze mit aphrodisierender Wirkung: Anis, Pfeffer, Majoran, Petersilie, Senf, Schnittlauch, Basilikum, Bohnenkraut, Muskatnuss, Nelken, Zimt, Knoblauch, Ingwer.

Ist Selbstbefriedigung schädlich?

Die Deutsche Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung und der Fernsehsender ProSieben haben die bisher größte Sex-Studie in Deutschland gemacht. Ein Ergebnis ist: 90 Prozent aller Frauen und 98 Prozent aller Männer befriedigen sich regelmäßig selbst.

Natürlich haben Frauen das vor 40 Jahren auch schon gemacht. Damals hatten sie aber noch ein schlechtes Gewissen. Das ist heute völlig anders: 23 Prozent der Frauen finden Selbstbefriedigung genauso gut wie Sex mit dem Partner, viele bevorzugen es sogar. Selbstbefriedigung hat also ihr Schattendasein als Ersatzbefriedigung in Zeiten des Singledaseins verloren und etabliert sich als eigenständige Spielart im Sexleben der Menschen.

Und das ist gut so. Denn der befriedigende Solo ist eine gute Einstimmung für den Sex zu zweit. Denn nur wer seinen Körper kennt und sich selbst in Ekstase versetzen kann, ist reif für die Liebesdisziplinen mit dem Partner und offen für eine ungehemmte Sexualität.

Und gesund ist die Selbstliebe obendrein. Denn mit jedem Orgasmus wird der Beckenboden-Muskel zwischen Schambein und Anus trainiert. Der Muskel ist für die Erregungsweiterleitung verantwortlich und kann, wenn er regelmäßig trainiert wird, die Lust auf Dauer steigern. Auch Männer dürfen weiter mit gutem Gewissen selbst Hand an legen. Häufige Orgasmen schützen sie vor Prostatakrebs und beugen Impotenz vor..

Machen Vibratoren abhängig?

Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass Frauen, die Vibratoren benutzen, beim Sex mit einem Mann nicht mehr so leicht zum Orgasmus kommen. Doch das ist völliger Quatsch. Einmal Vibrator heißt nicht, nur noch Vibrator. Der Körper wird auch weiterhin sensibel genug sein, um bei manueller Stimulation Lust zu empfinden.

Übrigens: Vibratoren gibt es schon sehr lange. Der erste bekannte Vibrator soll von Kleopatra erfunden und benutzt worden sein. Der elektromechanische Vibrator der Neuzeit ist eine Weiterentwicklung der Behandlungsmethoden der so genannten weiblichen Hysterie. Im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde diese als Krankheit angesehen, die von der Gebärmutter ausgeht und die Frauen zu einem hysterischen Verhalten zwingt. Durch einen Orgasmus sollten die Frauen beruhigt werden. Anfangs haben Ärzte diese "Behandlung" manuell durchgeführt. Um 1900 gab es schließlich etliche verschiedene Vibratoren, die Frauen auch ohne Arzt zu Hause verwenden konnten.

Getarnt als medizinisches Gerät wurde der Vibrator bis Ende der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts in Frauenzeitschriften als Haushaltsgerät angepriesen - er sollte der Gesundheit und Entspannung dienen. Bis heute sind die surrenden Luststäbe der Verkaufsschlager in deutschen Sexshops.

Können Geschlechtskrankheiten unfruchtbar machen?

Geschlechtskrankheiten breiten sich dramatisch aus. Ein Grund: Die Angst vor Aids hat deutlich nachgelassen, viele Menschen verzichten beim Sex heutzutage wieder auf Kondome - mit verheerenden Folgen. Sexuell übertragbare Krankheiten wie Aids, Syphilis, Gonorrhoe, Herpes und Chlamydien sind auf dem Vormarsch.

Von Chlamydien beispielsweise hören viele zum ersten Mal, wenn es zu spät ist: Jede sechste bis siebte Ehe bleibt heutzutage kinderlos. Bei der Hälfte der Paare mit unerfülltem Kinderwunsch sind die Bakterien der Grund dafür.

Je früher Mädchen sexuell aktiv werden und je häufiger sie ihren Partner wechseln, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich mit Chlamydien anstecken. Etwa zehn Prozent aller 17-jährigen Mädchen haben Chlamydien im Körper - ohne es zu wissen. Das gefährliche ist: Bei 80 Prozent der Frauen bleibt die Erkrankung ohne Symptome. Ärzte empfehlen, dass sich Frauen mit häufig wechselnden Geschlechtspartnern einmal im Jahr auf Chlamydien testen lassen. Wird eine Infektion frühzeitig diagnostiziert, kann sie sehr erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden.

Die Infektionen mit Chlamydien sind laut den europäischen Leitlinien der "International Union against Sexually Transmitted Infections" (IUSTI) die häufigste sexuell übertragbare Krankheit bei Männern und Frauen in Europa.

Machen Vollbäder impotent?

Nicht nur harten Fahrradsätteln wird nachgesagt, dass sie Potenzprobleme fördern. Auch Sitzheizungen im Auto und warme Bäder in der Wanne sollen der Manneskraft zu Leibe rücken.

Doch stimmt das eigentlich? Definitiv ja! Denn Spermien sind von heißen Temperaturen nicht begeistert. Bereits ein Vollbad von 30 Minuten in der Woche mit Temperaturen ab 38° Celsius reichen aus, um das Hodengewebe zu schädigen und die Produktion und Beweglichkeit der Spermien deutlich zu verringern.

Doch keine Angst: Wer auf Vollbäder verzichtet, bringt seine Spermien-Produktion schon nach kurzer Zeit wieder in Schwung.

Wie viel Sex ist zuviel?

Wer jeden Tag Lust auf Sex hat, ist noch lange nicht sexsüchtig. Meist nimmt nach dem dritten oder vierten Mal am Tag die Lust ganz von selbst ab. Es gibt aber auch Menschen, die nicht aufhören können. Bei ihnen dreht sich im Leben alles um Sex. Sie sind sexsüchtig.

Die Betroffenen denken nicht nur ständig an Sex, sie müssen es auch praktizieren. Dafür sind sie bereit, dauernd Freunde, Familie, Hobbys und Beruf zu vernachlässigen. Sexsucht äußert sich bei jedem Betroffenen anders - eines aber ist allen Sexsüchtigen gemeinsam: Ihnen wird alles egal, was nicht mit Sex zu tun hat.

Das Problem: Sexsüchtige müssen ständig ihre Dosis erhöhen. Allerdings erleben Sie nur selten eine echte Befriedigung. Sexsucht ist eine Krankheit, die behandelt werden kann - aber der Süchtige muss dazu bereit sein.