Schon einmal gab es einen kleinen Hype um das Fotoprogramm "FaceApp". Jetzt ist die App zurück an der Spitze der Download-Charts. Doch es gibt Datenschutz-Bedenken bezüglich des Programms. Ist FaceApp wirklich ein Sicherheitsrisiko für seine Nutzer?

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Schon Anfang 2017 wurde die "FaceApp" veröffentlicht und bereits damals erfreute sich die Software großer Beliebtheit. Nachdem es allerdings längere Zeit still um die App war, erlebt sie derzeit ein Comeback.

Sowohl im App-Store von Apple, als auch im Google Play Store steht FaceApp derzeit auf Platz eins der Charts.

Mit dem Programm lassen sich Fotos bearbeiten. Mittels weniger Klicks können Gesichter durch Accessoires wie Brillen oder Bärte verschönert oder das Geschlecht der abgebildeten Person verändert werden. Eine Kernfunktion des Programms besteht darin, dass sich Menschen auf Bildern um Jahrzehnte älter machen lassen.

Zum Teil sind die mit der App bearbeiten Fotos so gut, dass sich kaum noch sagen lässt, ob das jeweilige Bild manipuliert wurde oder nicht. Ein Beispiel für diesen Umstand ist ein Bild der "Jonas Brothers". Die Mitglieder der Band sind alle um die 30 Jahre alt. Doch auf einem kürzlich geteilten Foto wirken die drei, als seien sie schon im besten Rentenalter:

Auch andere Stars, wie der Rapper Drake oder Komiker Kevin Hart, veröffentlichten erst kürzlich Fotos, auf denen sie sich mittels der App älter gemacht hatten:

Ist FaceApp ein Datenschutz-Risiko?

Die Ergebnisse des Programms sind ohne Frage amüsant. Doch es gibt Stimmen, die sich Sorgen um den Datenschutz der FaceApp-Nutzer machen. Zu den Kritikern der App gehört beispielsweise David Vaile, Vorsitzender der "Australian Privacy Foundation" und Datenschutzexperte.

Gegenüber "ABC News" erklärte er, dass "FaceApp" von seinen Nutzern verlange, dem Programm weit mehr Rechte einzuräumen, als die App für ihre Funktionen eigentlich benötige.

Ein solches Recht ist beispielsweise, dass Nutzer der Entwicklerfirma hinter der App mit der Installation des Programms einräumen, die mittels "FaceApp" bearbeiten Fotos auch für eigene kommerzielle Zwecke zu nutzen.

Zudem sammelt "FaceApp" auch Daten über seine Nutzer. So misst das Programm unter anderem, wie oft eine Person die App verwendet, welches Gerät er dazu verwendet wird und speichert auch dessen ID.

Der französische Datenschützer Baptiste Robert wiederum sieht darin prinzipiell kein Problem. Wie er gegenüber der New York Times erklärte, sei es für die meisten Apps typisch, diese Art von Daten zu speichern.

Entwicklerstudio reagiert auf Kritik an App

In einem anderen Bereich geht "FaceApp" allerdings weiter als vergleichbare Programme. Die App bearbeitet die Fotos nämlich nicht direkt auf dem jeweiligen Gerät, sondern versendet sie an einen Server der Firma. Und dort können sie selbst, nachdem der Nutzer das Bild schon gelöscht hat, noch gespeichert sein.

Hinter der App steckt die russische Entwicklerfirma Wireless Lab mit Sitz in Sankt Petersburg, die sich der kritischen Stimmen durchaus bewusst ist. Deswegen ließ die Firma am Mittwoch über das US-Medium "Techcrunch" ein Statement veröffentlichen.

Darin erklärt Wirelass Lab, dass man Bilder spätestens 48 Stunden nach dem Upload vom Server löschen würde. Effektiv überprüfen können Nutzer das aber nicht.

Wie es weiter heißt, hätten Nutzer über die Einstellungen in der App auch die Möglichkeit, alle über sie gesammelten Daten zu löschen. Das Support-Team der Firma sei derzeit zwar überlastet, doch solche Lösch-Anfragen würden laut dem Statement Priorität genießen.

FaceApp: Nur Teil des Problems

Zudem erklärt das Unternehmen, dass Daten im Zusammenhang mit der App nicht nach Russland übermittelt würden. Diesen Umstand betonte auch "Wireless Lab"-Gründer Yaroslav Goncahrov, auf Anfrage des US-Mediums "Forbes".

Wie Forbes durch Recherchen zudem herausgefunden haben will, setzt Wireless Lab stattdessen primär auf Server in Amerika. Die Server seien Teil des Cloud-Dienstes von Amazon.

Einige der von "FaceApp" genutzten Server würden hingegen von Google bereitgestellt und befänden sich teilweise auch in anderen Ländern wie Irland und Singapur. Das Medium betont allerdings, dass die Daten trotzdem von diesen Servern aus auf russische Computer gespiegelt werden könnten.

Dennoch kommen "Forbes" sowie viele Experten zu dem Ergebnis, dass "FaceApp" keine größere Bedrohung für die Daten seiner Nutzer darstelle, als es die meisten anderen Apps auch tun. Das Programm sei eher Teil der ohnehin schwierigen Datenschutz-Problematik, als ein besonders schwerer Einzelfall.

US-Politiker fordert FBI-Untersuchung zu FaceApp

Chuck Schumer, Fraktionschef der Demokraten im US-Senat, scheint davon aber nicht beeindruckt. Der Politiker hat die Bundespolizei FBI zu einer Untersuchung der populären Smartphone-Applikation aufgefordert. Wie Schumer auf Twitter schrieb, befürchtet er, dass die App ein nationales Sicherheitsrisiko darstellen könnte.

"Es wäre zutiefst beunruhigend, wenn die sensiblen persönlichen Informationen von US-Bürgern einer feindlichen ausländischen Macht zur Verfügung gestellt würden, die aktiv an Cyber-Angriffen gegen die Vereinigten Staaten beteiligt ist", schrieb Schumer weiter.

Das FBI müsse deshalb untersuchen, ob Daten von US-Bürgern in die Hände der russischen Regierung oder ihr nahe stehenden Stellen gelangten. In dem Brief richtet sich der Senator aus New York auch an die US-Handels- und Verbraucherschutzbehörde FTC.

Diese müsse überprüfen, ob US-Bürger - inklusive Regierungspersonal und Angehörige des Militärs - ausreichend gegen eine mögliche missbräuchliche Nutzung ihrer Daten geschützt seien.

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Verwendete Quellen:

  • dpa
  • ABC News: FaceApp: Experts have privacy concerns about popular face transformation app.
  • Wired: Think FaceApp is scary? Wait till you hear about Facebook.
  • Forbes: FaceApp: Is The Russian Face-Aging App A Danger To Your Privacy?
  • The New York Times: FaceApp Lets You ‘Age’ a Photo by Decades. Does It Also Violate Your Privacy?
  • Techcrunch: FaceApp responds to privacy concerns.
Teaserbild: © picture alliance/dpa