Nach rund viereinhalb Jahren an der Spitze der spanischen Volkswagen-Tochtermarken Seat und Cupra hat CEO Wayne Griffiths zum 31. März 2025 überraschend seine Aufgaben niedergelegt.

Mehr zum Thema Mobilität

Wie das Unternehmen mitteilt, geschieht der Schritt auf eigenen Wunsch. Die interimistische Leitung übernimmt Markus Haupt, bisher Vorstand für Produktion und Logistik der Seat S.A. Eine dauerhafte Nachfolgeregelung steht noch aus.

Wegbereiter für Cupra

Griffiths, der seit Oktober 2020 CEO von Seat und Cupra war, gilt als prägende Figur für die Transformation beider Marken. Besonders die Entwicklung der sportlichen Submarke Cupra zur eigenständigen Einheit innerhalb des Volkswagen-Konzerns fällt in seine Amtszeit. "Wayne Griffiths hat beim Aufbau der Marke Cupra und der Restrukturierung des Unternehmens großartige Arbeit geleistet. Sein Verständnis für die Marke ist bemerkenswert. Er ist im besten Sinne ein echter Car Guy", sagte Thomas Schäfer, CEO der Marke Volkswagen und Vorsitzender des Aufsichtsrats von Seat und Cupra, in einer offiziellen Pressemitteilung der Seat S.A. vom Montag (31.3.2025).

Ein wichtiger Meilenstein unter Griffiths’ Leitung war im Jahr 2021 die Markteinführung des Cupra Born, dem ersten vollelektrischen Modell der Marke. Damit positionierte sich Cupra nicht nur als sportlich-progressive Marke, sondern auch als ein Baustein im Elektromobilitätsprogramm des Konzerns.

Von der Sanierung zum Rekordergebnis

Als Griffiths seine Funktion in Martorell übernahm, war Seat wirtschaftlich angeschlagen. Unter seiner Führung gelang die finanzielle Stabilisierung. Im Geschäftsjahr 2024 verzeichnete die Seat-Gruppe ein operatives Ergebnis von rund 633 Millionen Euro, bei einem weltweiten Fahrzeugabsatz von 558.100 Neuwagen. Die operative Rendite lag bei 4,4 Prozent. Damit erzielte die Unternehmensgruppe das beste Ergebnis ihrer Geschichte.

Dennoch blieb die Lage herausfordernd. So äußerte sich Griffiths zuletzt kritisch über die EU-Sonderzölle auf in China gefertigte Elektrofahrzeuge. Für das im chinesischen VW-Werk Anhui produzierte Modell Cupra Tavascan belaufen sich diese Zölle derzeit auf 20,7 Prozent. In einem Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom 18. März 2025 warnte Griffiths: "Wenn Cupra in Gefahr ist, ist Seat in Gefahr." Sollte sich an der Zollpolitik nichts ändern, könnte das Modell nach Unternehmensangaben aus dem Programm genommen werden – mit Auswirkungen auf bis zu 1.500 Arbeitsplätze in Europa.

Ein Rücktritt mit Ankündigung

Die Nachricht über den Rückzug von Wayne Griffiths kam für viele Beobachter überraschend, wurde jedoch bereits Mitte März intern vorbereitet. Damals hatte Seat den besten Jahresabschluss seiner Unternehmensgeschichte gemeldet – und Griffiths sich gleichzeitig offen über die Herausforderungen für die kommenden Jahre geäußert.

Griffiths war über 30 Jahre in verschiedenen Funktionen für den Volkswagen-Konzern tätig, unter anderem im Vertrieb bei Audi und als Vizepräsident für Vertrieb und Marketing bei Seat. Cupra war für ihn in den vergangenen Jahren mehr als nur ein Markenprojekt. Er war das Gesicht hinter der sportlichen Neuausrichtung – und zuletzt auch der öffentlichen Debatte um die Zukunft der spanischen Marken im globalen Wettbewerb.

Viele Vorteile mit ams+
Erhalten Sie werbereduzierten Zugang zu allen Inhalten von auto-motor-und-sport.de inkl. der digitalen Zeitschrift als E-Paper. Monatlich kündbar.

Mit seinem Abschied beginnt für Seat und Cupra eine Phase der Übergangsführung. Die Volkswagen-Gruppe kündigte an, "in Kürze" einen neuen CEO zu benennen. Bis dahin wird Markus Haupt die Leitung übernehmen. Haupt ist seit 2022 Mitglied des Seat-Vorstands und war zuvor unter anderem bei Volkswagen Navarra sowie bei Audi México tätig.  © auto motor und sport