Es gab schon bessere Zeiten für Harley- und Indian-Freunde. Aktuell drücken drohende Zölle und Soundprobleme aufs Gemüt.

Mehr zum Thema Mobilität

Da kommt gerade viel zusammen. Trump zündelt mit Zöllen und die EU reagiert: Sie wartet, bis ein ausgesetzter Strafzoll am 31. März 2025 greift, um die 25-Prozent-Stufe auszulassen und direkt 50 Prozent Einfuhrzoll zu erheben. Darunter natürlich Motorräder von Harley-Davidson und Indian. Und für deren deutsche Fans braut sich noch mehr zusammen: Auspuffhersteller Kesstech ist in der Insolvenz und versucht gerade eine Sanierung in Eigenverwaltung. MOTORRAD erklärt die Zusammenhänge.

Kesstech in Schieflage

Beim Thema Sound steht bei Harley und Indian zumindest auf dem europäischen Markt der Regler auf Low. Bereits seit Januar steht es nicht gut um Kesstech, einst selbst ernannter Weltmarktführer auf dem Markt der elektronisch gesteuerten Abgassysteme, vornehmlich für Harley-Davidson. Aus einem vorläufigen Sanierungsverfahren wurde Anfang März 2025 ein echtes – und zwar eins in Eigenverwaltung, ähnlich wie bei KTM. Die aktuellen Chefs bleiben also am Ruder und müssen den Gläubigern und dem Gericht einen Plan vorlegen, wie 30 Prozent der Schulden beglichen werden sollen.

Die neuen Gesellschafter führen Managementfehler der vorherigen Eigner an, die 2023 den Exit aus dem Unternehmen vollzogen. Patric Schneider von Kesstech beschreibt die Lage so: "Altlasten aus der Vergangenheit haben uns Ende 2024 eingeholt. Deshalb haben wir das Unternehmen unter Eigenverwaltung gestellt. Das gibt uns die Chance, Kesstech gezielt zu restrukturieren und wieder zu dem zu machen, was es einmal war – eine Ikone in Sachen Sound und Qualität." Weiter heißt es: "Kesstech war 2016 weltweit Marktführer für elektronisch gesteuerte Auspuffanlagen. Doch technische Herausforderungen und strategische Fehlentscheidungen haben das Unternehmen zurückgeworfen. Unser Ziel ist es, die Philosophie von Roland Keß wieder aufleben zu lassen: Innovation mit einer starken, familiären Unternehmenskultur."

56 Prozent Zoll drohen

Aktuell beträgt der Einfuhrzoll auf Motorräder von Harley-Davidson und Indian 6 Prozent. Nachwirkend aus einem alten Streit der EU mit den USA zu illegalen Subventionen an die Flugzeugbauer Airbus und Boeing wollte die EU das ihr zugesprochene Ausgleichsvolumen mit 50 Prozent Strafzöllen umsetzen. Das war 2020, als die 25 Prozent Gegenzölle zu Trump I (2017–2021) galten. Sprich, unabhängig der aktuellen Entwicklung in Trump II, steht dieser Schritt an und keiner darf überrascht (über)reagieren. Und ja: Selbst die großen Harleys, die in Thailand gebaut werden, fielen darunter, da die EU Harley den Binding of Origin-Title bereits 2021 absprach, der besagte: Eine Thai-Harley ist keine US-Harley. Für die EU ist jede Harley über 500 Kubik eine US-Harley. Egal, wo sie gebaut wird.

Video: Video: Kesstech-Zubehörauspuff für die BMW R 1200 GS

Auswirkungen für Harley-Fahrer

Aktuell haben weder die drohenden Zölle noch die Schieflage von Kesstech direkten Einfluss auf Fahrer von Indian und Harley und die, die es werden wollen. Laut Händlerverband von Harley in Deutschland sind die Lager voll mit 2025er-Maschinen, auslaufenden Serien und Tageszulassungen der Euro-5-Modelle. Wenn der Strafzoll kommt und komplett an die Kunden weitergegeben würde, hätte er wohl erst ab Sommer/Herbst 2025 Wirkung auf die Preise. Und obwohl viele neue Harleys direkt von den Händlern mit einer Kesstech ausgeliefert werden, ist kein Engpass zu erwarten: Die Produktion von Kesstech läuft weiter und die Produkte sind lieferbar.

Exklusive Inhalte mit MRD+
Noch mehr MOTORRAD gibt es bei MRD+. Exklusive Tests, Fahrberichte und Vergleichstests.

Fazit

Kesstech, ein führender Hersteller von Abgassystemen, befindet sich in der Insolvenz und strebt eine Sanierung an. Trotz dieser Herausforderungen sind keine unmittelbaren Engpässe oder Preissteigerungen für Motorradfahrer zu erwarten.  © Motorrad-Online