El Niño verschärft weltweit Dürren, Überschwemmungen und Hitzewellen. Dieses Jahr soll er laut Experten besonders stark ausfallen und bedroht somit vor allem die Schwächsten: Kinder in Regionen, die von Hunger und Krisen geprägt sind.

Hitzewellen, Starkregen, Überschwemmungen – was sich nach einem furchterregenden Dreiklang anhört, sind extreme Wetterereignisse, die laut Forschenden in diesem Jahr häufiger auftreten werden als sonst. Schuld daran ist der sogenannte El Niño, ein globales und natürliches Klimaphänomen.

In einigen Teilen der Welt sorgt er für Überschwemmungen, Starkregen und Wirbelstürme. In anderen wiederum löst er das Gegenteil aus, sorgt für Trockenheit und Dürre. In diesem Jahr gehen Experten davon aus, dass El Niño besonders stark ausfallen wird, da das Wasser im Pazifik teilweise jetzt schon ungewöhnlich warm ist. Laut der World Meteorological Organization könnte El Niño in diesem Jahr die zweithöchste Kategorie erreichen. Die Bedingungen im Pazifischen Ozean, so die UN-Behörde, seien bereits vorhanden und würden sich voraussichtlich in den nächsten Monaten weiter verstärken.

Davon betroffen sind vor allem Menschen, die bereits in prekären Verhältnissen leben: "El Niño trifft die Schwächsten am härtesten", sagt Katja Sodomann, Sprecherin von UNICEF Deutschland.

Was passiert bei El Niño?

Einfach erklärt erhitzt sich das Meerwasser im tropischen Pazifik bei einem El-Niño-Jahr ungewöhnlich stark. Das liegt an schwächeren Passatwinden.

Normalerweise treiben diese Winde warmes Oberflächenwasser von Südamerika in Richtung Westen. In Südostasien, Ozeanien und Australien kommt es dann zu viel Regen. An der südamerikanischen Küste passiert das Gegenteil, es bleibt trockener und kühler.

Bei El Niño bleibt dieser Effekt jedoch aus, denn die schwachen Passatwinde schaffen es nicht, das warme Wasser zu bewegen. Es schwappt zurück an die südamerikanische Küste und sorgt dort für extremen Regen und Überschwemmungen. Hingegen müssen sich die Menschen auf der anderen Seite des Pazifiks auf Hitze, Dürre und Waldbrände einstellen.

Wer ist besonders von El Niño betroffen?

Durch die extremen Wetterbedingungen sind die Menschen in den betroffenen Regionen großen Gefahren ausgesetzt. "El Niño erhöht die Gefahr für Extremwetterereignisse wie langanhaltende Dürren, Überschwemmungen oder extrem hohe Temperaturen", erklärt Sodomann auf eine schriftliche Anfrage der Redaktion. "Das trifft Kinder besonders hart, denn sie sind körperlich schlechter gewappnet für Wetterextreme und ihre Folgen."

Je nach Region können die Auswirkungen unterschiedlich ausfallen. So drohen in Kenia, Burundi, Somalia und Tansania extreme Regenfälle und Überschwemmungen. In Malawi, Simbabwe, Sambia und Madagaskar und im südlichen Afrika bleibt der Regen vermutlich eher aus. "El Niño sorgt hier für schwere Dürren und Hitzewellen", so Sodomann. Eins sei in all diesen Ländern gleich: "El Niño verschärft Krisen, die schon vorher bestanden."

Mangelernährung und Krankheiten können Folgen von El Niño sein

Durch zerstörte Ernten, entweder durch Wirbelstürme, Dürren oder Überschwemmungen, haben viele Familien in den betroffenen Ländern weniger Nahrung zur Verfügung. "Dadurch steigt das Risiko für Mangelernährung", sagt Sodomann. Hinzu kommt die Gefahr durch verschmutztes Wasser nach Überflutungen.

Dadurch sind vor allem kleine Kinder noch anfälliger für Krankheiten. "Für unterernährte, geschwächte Kinder können Durchfälle, Lungenentzündungen, Masern und Malaria dann schnell tödlich sein", so Sodomann.

Vermehrte Kinderarbeit durch Extremwetter

Durch Überschwemmungen und Wirbelstürme werden Häuser, Schulen und Krankenhäuser zerstört. Vor allem die Gefahr durch Schulschließungen wird häufig unterschätzt. Kinder, die nicht zur Schule gehen können, verlieren einen großen Teil ihres Alltags und ihre Zukunft gerät in Gefahr. Je mehr sie in der Schule verpassen, desto höher ist das Risiko, dass sie auch im Erwachsenenalter in Armut leben.

"Wenn Familien in Not geraten, steigt oft das Risiko für Kinderheirat, ungewollte Schwangerschaft und geschlechtsspezifische Gewalt", erklärt Sodomann. Oft gibt es für Eltern dann keinen anderen Ausweg, als dass ihre Kinder arbeiten gehen, um zum Familieneinkommen beizutragen. Die Arbeitsbedingungen sind oft prekär und besonders für Kinder gefährlich. "El Niño", so Sodomann "ist für Kinder nie nur eine Wetterkatastrophe."

Wie kann man sich auf diese Folgen vorbereiten?

Dass es jetzt kaum noch ein Zurück gibt und viele sich an die neuen, mancherorts extremen Bedingungen anpassen müssen, ist klar. UNICEF unterstützt langfristige Initiativen, um Menschen resilient gegen Extremwetterereignisse zu machen. So werden beispielsweise Schulen gerüstet, damit sie Starkregen und Stürmen besser standhalten und schnell wieder in Betrieb genommen werden können. Gemeinsam mit Regierungen und Katastrophenschutzbehörden erarbeitet das Kinderhilfswerk Frühwarnsysteme und Notfallpläne.

Empfehlungen der Redaktion

UNICEF ist in vielen der betroffenen Länder bereits vor Ort und leistet Hilfe. Dadurch gibt es eine bestehende Infrastruktur mit Warenhäusern mit Medikamenten, therapeutischer Nahrung und Wasseraufbereitungssets. "UNICEF wartet nicht, bis die Katastrophe da ist", sagt Sodomann. "Wir handeln vorher, um im Fall der Fälle sofort bereit zu sein."

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Besonders wichtig seien in Notsituationen grundlegende Dinge wie sauberes Wasser, ausreichende Nahrung, medizinische Versorgung. Grade Kinder sind schnell von Dehydrierung betroffen, innerhalb weniger Stunden würden sie ohne sauberes Wasser in Gefahr schweben, so Sodomann. Auch Impfkampagnen gegen Polio und Masern seien ein wichtiges Mittel, um Krankheitsausbrüchen vorzubeugen. Diejenigen, die in Stürmen oder Überschwemmungen ihre Häuser verloren haben oder aufgrund langer Dürren fliehen mussten, brauchen Schutz und Unterkünfte. Für UNICEF ist klar: Niemand darf in dieser Krise schutzlos zurückgelassen werden.

Verwendete Quellen