Der Begriff des Femizids wird immer häufiger in der Berichterstattung über Tötungen von Frauen verwendet. Wie geht unsere Redaktion damit um?

Es gibt keine bundeseinheitliche Definition des Begriffs Femizid. In den meisten Fällen wird der Femizid jedoch als vorsätzliche Tötung von Frauen oder Mädchen aufgrund ihres Geschlechts definiert.

Einfacher ausgedrückt: Ein Femizid ist die Tötung einer Frau, weil sie eine Frau ist. Auch unsere Redaktion wendet diese Begriffsauslegung in ihrer Berichterstattung an. Ist das Motiv einer solchen Tat nicht oder noch nicht bekannt, sprechen wir von einem Tötungsdelikt, ohne den Begriff Femizid zu verwenden.

Den Straftatbestand des Femizids gibt es in Deutschland nicht. Auch werden Femizide vom Bundeskriminalamt (BKA) bis jetzt noch nicht statistisch erfasst, weil in die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) keine Tatmotive einfließen.

Wie das BKA mitteilt, werden die Polizeien von Bund und Ländern jedoch eine bundeseinheitliche polizeiliche Definition von Femiziden erarbeiten. Der Begriff soll durch konkrete Indikatoren besser messbar gemacht werden. Ein BKA-Sprecher sagte auf Anfrage unserer Redaktion: "Da Bedarf an einer bundeseinheitlichen polizeilichen Definition des Begriffs 'Femizid' besteht, erarbeitet eine hierfür eingerichtete Bund-Länder-Arbeitsgruppe (BLAG) unter Beteiligung des BKA und in Zusammenarbeit mit Behörden verschiedener Bundesländer aus dem polizeilichen Bereich eine operationalisierbare Definition von Femiziden."

Welche Motive stecken hinter Femiziden?

Auch wenn der Begriff Femizide bisher in der PKS nicht verwendet wird, lassen sich von den erfassten Tötungsdelikten an Frauen Erkenntnisse in Bezug darauf ableiten, wie das BKA schreibt: "Die 'Opfer-Tatverdächtigen-Beziehung' zeigt etwa, dass der Anteil weiblicher Opfer innerhalb von (Ex-)Partnerschaften bei über 80 Prozent liegt." In Deutschland stehen als Erscheinungsform von Femiziden also vor allem solche sogenannten Intimpartnerinnentötungen im Vordergrund.

In diesen Fällen spielt meist die Ausübung von Macht und Kontrolle des Täters gegenüber dem Opfer eine Rolle – und zwar insbesondere dann, wenn der Tat eine Trennung vorausgegangen ist, wie die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) erklärt. Der Täter spreche dem Opfer in solchen Konstellationen "häufig kein selbstbestimmtes Leben zu". "Dahinter stehen ein Besitzanspruch gegenüber dem Opfer, geschlechtsbezogene Erwartungen an 'die Rolle der Frau' und Vorstellungen einer Ungleichwertigkeit der Geschlechter", heißt es weiter von der bpb.

In seiner ursprünglichen Bedeutung wurde Femizid als Bezeichnung für jegliche Frauentötungen verwendet. Das ist heute auch noch in manchen Teilen der Forschung der Fall. Dieser Definition schließt sich unsere Redaktion wie oben erläutert jedoch nicht an: Nicht jeder Mord an einer Frau ist ein Femizid.

Die Verwendung des Begriffs Femizid soll vielmehr strukturelle geschlechtsbezogene Gewalt sichtbar machen: Denn Femizide sind keine Einzelfälle, sondern eine Folge von strukturellen patriarchalen Machtverhältnissen in der Gesellschaft, in denen die Geschlechter ungleich behandelt werden.

Um die Verantwortung und Schuld der Täter nicht zu relativieren, vermeiden wir zudem unpräzise Begriffe wie "Familiendrama" oder "Familientragödie". Sie sind dazu geeignet, das Geschehen zu verharmlosen und den Fokus zu verschieben.

Verwendete Quellen