(seb) - Surfbretter mit Koks-Kern, Affenschädel in Bronze, ein lebendiger Kakadu in einer Holzkiste: Der Zoll am Frankfurter Flughafen hat jeden Tag alle Hände voll zu tun, illegal eingeführte Güter aus dem Verkehr zu ziehen. Die Zöllnerin Christine Kolodzeiski ist seit 1987 auf Deutschlands größtem Flughafen im Einsatz. Ein Gespräch über Fundsachen im Reisegepäck die mal skurril, mal dramatisch, und fast immer unerwartet sind.

Frau Kolodzeiski, wie oft findet der Zoll in Frankfurt illegal eingeführte Waren?

Allein in den Bereichen Tiere und exotische Waren kommt das etwa zwei- bis dreimal am Tag vor.

Warum schmuggeln denn ausgerechnet Touristen verbotene Gegenstände?

Es gibt definitiv einen Trend hin zum Exotenschmuggel. Für die Leute sind solche Gegenstände Statussymbole. Dabei wissen die meisten gar nicht, dass eine Krokodilledertasche oder "snake wine", also in Alkohol eingelegte Schlangen, schnell dreistellige Strafen nach sich ziehen können.

Wie reagieren denn Reisende, wenn man sie mit der Schmuggelware aus ihrem Gepäck konfrontiert?

Das ist ganz unterschiedlich. Ein Familienvater, zum Beispiel, hatte für seine Kinder Schildkröten mitgebracht, die aber unter Naturschutz stehen. Die armen Tiere standen auf den Hinterbeinen in winzigen Marmeladengläsern, als wir sie fanden. Der Mann war total uneinsichtig. "Was soll ich denn jetzt als Souvenir mitbringen", meinte er. Oder einmal, da haben wir eine Plastiktüte geöffnet: Abgehackte Schimpansenhände, noch frisch. Der Mann, bei dem wir sie gefunden haben, wollte daraus Schlüsselanhänger machen. Der hat einfach nicht verstanden, warum das nicht in Ordnung ist.

Gibt es auch Leute, die einfach aus Unwissenheit handeln?

Natürlich, das sind sogar die meisten. Einmal hat eine Frau aus lauter Tierliebe Schildkröteneier mitgebracht. "Die würden dort am Strand nur zertrampelt werden", meinte sie. Die Dame hat ihren Fehler allerdings auch eingesehen.

Skurrile Zollfunde
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Die skurrilsten Zollfunde

Was die Zollbeamten am Frankfurter Flughafen so alles finden.

Was waren denn so die merkwürdigsten Funde, die Sie beim Zoll gemacht haben?

Immer wenn Rauschgift involviert ist machen sich die Leute wirklich richtig Gedanken. Einmal haben wir 16 Kilo Kokain im Resonanzboden eines chilenischen Klaviers gefunden. Oder in Brot eingebackenes Heroin. Wir hatten Drogen in Taucherflaschen, in ausgehöhlten Ananas, in einem Surfbrett. Einmal haben wir Haschisch in einer Perücke gefunden, ein anderes Mal war es Opium in Bonbonpapier. Wir hatten auch mal ein Tabaluga-Kostüm, das randvoll mit Kokain war.

Sie sagten schon, dass manchmal auch lebende Tiere gefunden werden. Die könnten ja Krankheiten haben.

Ja, zum Beispiel die Meerkatzen, die wir gefunden haben. Die standen unter dem Verdacht, Ebola zu übertragen. In solchen Fällen kommen die Tiere in die "Animal Lounge" der Lufthansa. Die sind dort wirklich auf alles vorbereitet. Die Tiere kommen dort in Quarantäne und werden versorgt.

Mussten Sie wegen gefährlicher Schmuggelware schon mal den Zoll unter Quarantäne stellen?

Nein, das zum Glück noch nicht. Aber wir sind schon immer sehr vorsichtig, und fassen die Sachen nur mit Handschuhen an.

Skurrile Zollfunde
Christine Kolodzeiski arbeitet seit 1987 beim Frankfurter Zoll.

Was passiert mit den lebenden Tieren, die Sie finden? Die sind doch bestimmt in einem schlechten Zustand, oder?

Der Kakadu zum Beispiel, den wir aus einer Holzkiste geholt haben, dem ging es wirklich gar nicht gut. Er wurde direkt in einen Zoo gebracht – heute geht es ihm wieder prächtig. Wir interessieren uns natürlich auch dafür, was mit den gefundenen Tieren geschieht. Einmal haben wir fünf lebendige Meeresschildkröten entdeckt. Die wurden später auf den Seychellen wieder ausgewildert. Da gehören sie schließlich auch hin.

Sie finden auch Kunstgegenstände aus verbotenem Material. Erkennen Sie die immer auf den ersten Blick?

Meistens schon. Zum Beispiel die Schüssel, die aus einem Schildkrötenpanzer gefertigt wurde. Oder der Senfhalter, der eigentlich ein ausgestopftes Mini-Krokodil ist. Außerdem haben wir ja noch unseren Artenschutzspürhund "Uno", ein brauner Labrador. Der riecht einfach alles. Auch die Affenschädel, die mit Bronze überzogen sind.

Inzwischen ist Ihr Lager in Frankfurt bestimmt gut gefüllt.

Ach, bei uns liegt schon so einiges rum: Elfenbein zum Beispiel. Es dauert manchmal sehr lange, bis die beschlagnahmten Waren endgültig in den Besitz der Bundesrepublik übergehen, manchmal bis zu einem Jahr.

Und was passiert dann damit?

Die Sachen werden vernichtet. In Ausnahmefällen geben wir die Objekte an Schulen oder Universitäten weiter, als Anschauungsmaterial. Aber weiterverkaufen können wir es natürlich nicht.

Haben Sie vielleicht abschließend einen Tipp für Reisende, die sich exotische Souvenirs mitbringen wollen, aber nicht wissen, was legal ist?

Man sollte einfach keine Gegenstände mitbringen, die aus Tieren gemacht wurden, und natürlich auch keine lebenden Tiere einführen. Wir haben auch einen Internetauftritt, "artenschutz-online.de". Dort kann man sich sogar speziell über seine jeweilige Urlaubsregion informieren, zum Beispiel verbotene Produkte, die dort besonders häufig verkauft werden.