Hand aufs Herz: Wie oft waschen Sie Ihren BH? Diese Frage sorgte kürzlich für Diskussionen unter einem Beitrag auf Instagram. Die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage im Auftrag unserer Redaktion zeigen, dass dabei auch deutschlandweit keine Einigkeit herrscht. Wir haben daher bei einer Dermatologin und einer Textilpflegerin nachgefragt.
BHs zählen zur Unterwäsche – bedeutet das, ich muss ihn täglich wechseln? Gerade einen besonders gut sitzenden BH tragen doch viele Frauen gerne mal länger am Stück, oder? Diese Frage hat kürzlich auf Instagram für Diskussionen gesorgt.
Die Kommentare gingen in alle Richtungen. Eine Userin schreibt: "Ich trage meine BHs, bis sie riechen". Eine andere: "Ich habe auch viel zu wenig BHs, um die jeden Tag in die Wäsche zu schmeißen." Die nächste erklärt, sie würde ihre BHs nach zweimaligem Tragen waschen und im Sommer sogar täglich wechseln.
Doch wie sieht es abseits von den sozialen Medien aus? Das Meinungsforschungsinstitut Civey hat im Auftrag unserer Redaktion 2.500 Frauen online gefragt: Wie häufig waschen Sie Ihre BHs (außer Sport-BHs)?
Von täglich bis nie: Wie häufig Frauen ihre BHs waschen
Die Umfrage zeigt: 50 Prozent der Frauen waschen ihren BH nach zwei- bis fünfmaligem Tragen. Neun Prozent sind besonders gründlich und waschen ihn bereits, nachdem sie ihn einmal getragen haben.
Dem gegenüber steht jedoch eine nicht unerhebliche Gruppe, deren BHs deutlich seltener in der Waschmaschine landen: 17 Prozent waschen ihren BH nach sechs- bis zehnmaligem Tragen, vier Prozent tragen ihn elf- bis zwanzigmal. Zwei Prozent der Befragten tragen ihn sogar mehr als zwanzigmal, bevor sie ihn reinigen. Besonders bemerkenswert: Vier Prozent der Frauen gaben an, ihren BH nie zu waschen.
Generationenvergleich: Jüngere waschen seltener als Ältere
Die Umfrage zeigt außerdem, dass das Waschverhalten je nach Altersgruppe variiert. So waschen jüngere Frauen ihre Büstenhalter im Durchschnitt seltener als ältere. In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen gibt etwa jede zehnte Frau (elf Prozent) an, ihren BH nie zu waschen – während dieser Anteil bei den über 65-Jährigen nur bei zwei Prozent liegt.
Gleichzeitig steigt der Anteil derer, die ihren BH besonders häufig reinigen, mit steigendem Alter tendenziell an: Während sieben Prozent der 18- bis 29-Jährigen ihren BH nach einmaligem Tragen waschen, sind es bei den über 65-Jährigen zwölf Prozent.
Doch wie oft sollte man seinen BH denn nun waschen? Wir beleuchten diese Frage einmal aus Sicht der Textilpflege und zum anderen aus Sicht der Körperhygiene und Dermatologie.
So oft sollten BHs gewaschen werden – es gibt aber Ausnahmen
Die Dermatologin Esther Wißmüller sagt im Gespräch mit unserer Redaktion, dass BHs grundsätzlich nach zwei- bis dreimaligem Tragen gewaschen werden sollten. Das gilt allerdings nur für Personen, die nicht unter Hautproblemen leiden, und für Tage, an denen die Person nicht besonders geschwitzt hat.
Haben Sie also zum Sport einen entsprechenden BH getragen oder haben Sie mehr geschwitzt als normal, sollten Sie den BH im Anschluss direkt wechseln und waschen. Denn "an der Brust selbst schwitzt man zwar nur wenig, aber um die Brust herum sowie am Rücken, wo der Verschluss ist, schwitzt man deutlich mehr", erklärt die Dermatologin.
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Betroffene von Neurodermitis oder Akne sollten ihre BHs ebenfalls häufiger waschen, da hier Bakterien eine Rolle spielen. Wißmüller sagt: "Um Wäsche hygienisch einwandfrei zu bekommen, sprich Bakterien zu vernichten, muss es jedoch keine Kochwäsche sein. Das funktioniert schon bei Temperaturen um die 30 bis 40 Grad."
Sie empfiehlt Personen, die mit Entzündungsreaktionen oder anderen Hautproblemen zu kämpfen haben, ihre BHs zusätzlich mit einem Hygienespüler zu waschen. Und wie sollten BHs aus Sicht der Textilpflege gewaschen werden?
"BH ist nicht gleich BH."
Nach Ansicht der Textilreinigermeisterin Gabriele Drechsler sollte ein BH nach zwei bis dreitägigem Tragen gewaschen werden, da er direkt auf der Haut liegt. Häufiges Waschen stehe der Langlebigkeit eines BHs auch nicht im Wege, meint sie im Gespräch mit unserer Redaktion. Richtig gepflegt und gewaschen verliere er weder seine Form noch seine Elastizität. "Mit der Zeit lässt die Spannkraft der Elastan-Fasern zwar nach, das geschieht aber unabhängig davon, ob der BH gewaschen wird oder nicht", so Drechsler. "Mit der richtigen Pflege kann man die Lebensdauer jedoch verlängern."
Wie pflegt man einen BH richtig?
"BH ist nicht gleich BH", betont die Textilreinigermeisterin. Ob Hand- oder Maschinenwäsche besser ist, hänge vom Material ab. Wichtig sei, das Pflegeetikett zu beachten und den BH bei der angegebenen Temperatur zu waschen – in der Regel bei 30 Grad. Besonders Modelle mit Polstern, Stäbchen, Bügeln oder Spitze sollten im Feinwaschprogramm mit niedriger Schleuderzahl gereinigt werden. Zudem empfiehlt Drechsler Feinwaschmittel, denn: "Vollwaschmittel enthalten optische Aufheller und Bleichmittel, die die Farbe eines BHs angreifen würden." Bei Unsicherheiten zu den Pflegehinweisen könne ein Textilpflegebetrieb weiterhelfen.
Ein absolutes No-Go: der Wäschetrockner. "BHs gehören unter keinen Umständen in den Trockner", warnt Drechsler. Zusätzlich rät sie zur Verwendung eines Wäschenetzes, das idealerweise gepolstert ist. Das schone nicht nur den BH selbst, sondern auch die Waschmaschine und andere Kleidungsstücke, da Ösen, Stäbchen und Bügel so abgeschirmt werden. Wer kein Wäschenetz zur Hand hat, sollte zumindest den Verschluss des Büstenhalters vor dem Waschen schließen.
Informationen zur Methode
- Das Meinungsforschungsinstitut Civey hat im Auftrag unserer Redaktion vom 14. bis 21.2.2025 online rund 2.500 Frauen ab 18 Jahren befragt.
- Die Ergebnisse sind aufgrund von Quotierungen und Gewichtungen repräsentativ unter Berücksichtigung des statistischen Fehlers von 3,3 Prozentpunkten (Gesamtergebnis). Weitere Informationen zur Methodik finden Sie hier.
Über die Gesprächspartnerinnen
- Dr. med. Esther Wißmüller ist Fachärztin für Dermatologie und Venerologie in München, wo sie in eigener Praxis, der "Dermatologie am Sendlinger Tor", praktiziert.
- Gabriele Drechsler ist Textilreinigermeisterin und führt seit 1999 ihre eigene Reinigung und Wäscherei in Feucht. Zudem ist sie öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige der Handwerkskammer für Mittelfranken für das Textilreinigerhandwerk.