München (kle) - Nach dem noch immer rätselhaften Tod einer 25-jährigen Soldatin auf dem Marine-Schulschiff "Gorch Fock" häufen sich nun Sex-Vorwürfe.

Eine ehemalige Rekrutin berichtet gegenüber der Nachrichtenagentur dapd von "eindeutigen und übereindeutigen sexuellen Angeboten an Bord". Viele Frauen hätten das als belästigend empfunden. Aufgrund der ständigen Avancen sei die "Gorch Fock" in Marinekreisen auch als "größter schwimmender Puff Deutschlands" bekannt. Vor allem die weiblichen Rekruten hätten es schwer, da sich viele der männlichen Kollegen Chancen bei ihnen ausrechneten. Trotz Beschwerden sei jedoch nie etwas unternommen worden.

Zu den sexuellen Bedrängungen seien Drill, Einschüchterung und Schlafmangel an der Tagesordnung gewesen. "Da wurde gebrüllt, da wurde gedrillt. Das war systematisches Schleifen wie in einem schlechten Film", so die ehemalige Rekrutin gegenüber der Agentur. Sogar das Klischee von Putzdiensten mit Zahnbürsten sei an Bord erfüllt worden. Am schlimmsten habe sie jedoch die zu kurzen Ruhephasen empfunden. Schlafmangel hält sie auch für einen möglichen Grund für die tödlichen Unfälle der Vergangenheit. Auch der Druck sei oft zu groß. Viele der Offiziersanwärterinnen weinten sich aus der Überforderung heraus in den Schlaf.

Der Ruf nach Konsequenzen wird Tag für Tag größer. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ordnete inzwischen die Rückkehr des Schiffs nach Kiel an. Zudem entzog er dem Kapitän des Schiffes das Kommando. Eine ebenfalls angeordnete umfassende Untersuchung der Vorfälle auf mögliches Fehlverhalten steht noch aus.