Die Malaria-Mittel Hydroxychloroquin und Chloroquin wirken nicht gegen COVID-19. Das hat nun eine Studie ergeben. Stattdessen weisen die erhobenen Daten sogar auf ein erhöhtes Sterberisiko hin.

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COVID-19-Patienten, die mit den Malaria-Mitteln Hydroxychloroquin und Chloroquin behandelt werden, weisen einer groß angelegten Studie zufolge eine höhere Sterblichkeitsrate auf. "Hydroxychloroquin und Chloroquin zeigen keinen Nutzen bei COVID-19-Patienten", erklärte Studienautor Mandeep Mehra vom Brigham and Women's Hospital der Harvard Medical School in Boston am Freitag.

Vielmehr wiesen die erhobenen Daten auf ein erhöhtes Sterberisiko hin. Zudem erhöhten die Medikamente das Risiko für Herzrhythmusstörungen.

Ein Forschungsteam der Harvard Medical School in Boston und des Herzzentrums am Universitätsspital Zürich hatte für die am Freitag in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlichte Studie die Daten von 96.000 Patienten in hunderten Krankenhäusern weltweit ausgewertet.

Dabei unterschieden die Forscher vier Gruppen: Eine Gruppe erhielt Hydroxychloroquin, eine weitere Chloroquin. Die dritte Gruppe wurde mit einem der beiden Mittel in Kombination mit Antibiotika behandelt und eine Kontrollgruppe erhielt keines der Medikamente.

Studie: Bei Behandlung mit Malaria-Mmitteln hätten die Patienten bis zu 45 Prozent höheres Risiko zu sterben

Die Sterblichkeitsrate der Kontrollgruppe lag bei neun Prozent. Bei den Patienten, die mit Hydroxychloroquin behandelt wurden, waren es 18 Prozent, bei jenen, die Chloroquin einnahmen 16,4 Prozent. In Kombination mit Antibiotika lag die Sterblichkeitsrate sogar bei 23,8 Prozent (Hydroxychloroquin) beziehungsweise 22,8 Prozent (Chloroquin).

Bei einer Behandlung mit den Malaria-Mitteln hätten die Patienten folglich ein bis zu 45 Prozent höheres Risiko zu sterben, erklärten die Studienautoren. "Für die Wirksamkeit von Hydroxychloroquin und Chloroquin bei COVID-19 gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Im Gegenteil, insbesondere bei COVID-19-Patienten mit Herzerkrankungen beobachteten wir schwere Nebenwirkungen, vor allem lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen", sagte Frank Ruschitzka, Leiter der Kardiologie am Universitätsspital Zürich.

Hydroxychloroquin und der verwandte Wirkstoff Chloroquin werden seit langem als Mittel gegen Malaria-Infektionen eingesetzt. Insbesondere Chloroquin hat zahlreiche Nebenwirkungen. Ihre Wirksamkeit bei der Behandlung von COVID-19-Patienten ist bereits seit längerem umstritten.

Trump nimmt Hydroxychloroquin ein

US-Präsident Donald Trump hatte kürzlich erklärt, er nehme Hydroxychloroquin zur Vorbeugung gegen das Coronavirus ein. Er setzte sich damit über die Empfehlungen der US-Gesundheitsbehörden hinweg.

Brasiliens Regierung empfiehlt die beiden Wirkstoffe offiziell zur Behandlung selbst leichter und mittelschwerer Fälle der Lungenkrankheit. Die britische Regierung hat Hydroxychloroquin im Wert von 35 Millionen Pfund bestellt.   © AFP

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