• Nahezu jeder hat in einer Partnerschaft dieses Gefühl schon einmal erlebt: Eifersucht.
  • Doch nimmt sie überhand, kann der Leidensdruck für Betroffenen massiv sein und Beziehungen zerstören.
  • Was sind die Gründe für Eifersucht? Wann wird sie krankhaft? Und was kann man dagegen tun? Eine Psychotherapeutin gibt Tipps.

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Sie erzählt ständig von ihrem neuen Kollegen, er kommt später nach Hause als erwartet – und plötzlich ist da dieses brennende Gefühl: die Eifersucht. Ob Eifersucht tatsächlich mit Liebe zu tun hat, ist umstritten, doch nahezu jeder hat schon einmal so empfunden: 98 Prozent der Menschen kennen das Gefühl einer leichten Eifersucht, sagen Experten. So weit, so normal - doch Eifersucht kann eine zerstörerische Kraft entwickeln und zur Gefahr für die Beziehung und sogar die Gesundheit werden.

"Von krankhafter Eifersucht spricht man, wenn mindestens ein Partner unter den Folgen leidet", sagt Psychotherapeutin Karin Neumann im Gespräch mit unserer Redaktion. Aus Sorge vor emotionalem oder sexuellem Betrug komme es bei krankhafter Eifersucht häufig zu Kontrollverhalten, bei dem etwa das Handy ausspioniert oder dem Partner verboten werde, alleine auszugehen.

"Es ist wie ein Gedankenzwang, von dem man sich nicht befreien kann", sagt Neumann. Der Leidensdruck bei den Betroffenen und ihren Partnern sei enorm. Wird die Eifersucht wahnhaft, kann das Verhalten sogar in Stalking, emotionalen Missbrauch und Gewalt ausufern.

Was steckt hinter Eifersucht?

Dabei jagen die Betroffenen meist Gespenstern nach, denn einen konkreten Anlass für die Eifersucht gebe es häufig nicht, so Neumann: "Meistens sind Menschen grundlos eifersüchtig." Vielmehr werde das Gefühl von einer Verlustangst ausgelöst, die auf Erfahrungen in Kindheit oder früheren Beziehungen zurückgeht. Musste man miterleben, wie die Ehe der Eltern an einer Affäre zerbrach, hat ein Elternteil die Familie verlassen oder wurde man selbst schon einmal betrogen, kann sich das Trauma auf spätere Beziehungen auswirken.

Neben Verlustängsten stecke häufig auch ein mangelndes Selbstwertgefühl hinter der Eifersucht. "Die Person glaubt, dass andere schöner, besser, gescheiter als sie selbst sind und sich der Partner daher viel mehr für jemand anderes interessieren müsste." Auch hierfür läge die Ursache häufig in der Kindheit. Fühlte man sich von den Eltern zurückgesetzt oder nicht genug wertgeschätzt, könne das Gefühl durch den Partner oder die Partnerin erneut ausgelöst werden.

Wie Sie Eifersucht überwinden können

Wer also Eifersucht überwinden will, sollte einen Blick in die Vergangenheit werfen. "Fragen Sie sich: Woher kenne ich das Gefühl von früher?", rät Neumann. "Sie werden so gut wie immer fündig werden." Ein weiterer wichtiger Schlüssel zum Erfolg sei, das eigene Selbstbewusstsein aufzubauen. "Es ist wichtig, dass die Person ihre Minderwertigkeitskomplexe erkennt und versteht, dass sie selbst die Ursache des Problems ist und nicht der Partner."

Tipp 1: Sprechen Sie mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin

In den meisten Fällen ist die Eifersucht unbegründet. Um die Ängste und Sorgen loszuwerden helfe es nur, offen mit dem Partner oder der Partnerin darüber zu sprechen. "Erklären Sie ihm oder ihr, wie Sie sich fühlen, wenn er oder sie nicht mit Ihnen zusammen ist."

Das sei in jedem Fall besser, als heimlich das Handy oder E-Mails des Partners auszuspionieren. "Sagen Sie Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin, wie er oder sie Sie unterstützen kann, wenn sich bei Ihnen wieder diese gedankliche Negativspirale einschaltet", rät Neumann. Manchmal reichten schon liebevolle Worte oder eine SMS, um die Angst aufzulösen.

Tipp 2: Stärken Sie Ihr Selbstbewusstsein

Wer sich ständig mit anderen vergleicht, wird immer Defizite bei sich entdecken - doch in der Kombination all unserer positiven und negativen Seiten sind wir einzigartig. "Führen Sie sich vor Augen, dass Ihr Partner Sie gewählt hat und niemand anderen", sagt Neumann.

Betroffene müssten sich klarmachen, dass ihre Gedanken zu 100 Prozent dafür verantwortlich sind, wie sie sich fühlen. "Fühlen Sie sich minderwertig, dann deshalb, weil Sie denken, dass Sie es sind." Der erste Schritt für mehr Selbstwert sei, sich selbst mit allen Fehlern und Schwächen anzunehmen und lieben zu lernen.

Dazu gehöre auch, Komplimente anzunehmen und sich dafür zu loben, wenn etwas gelingt. "Sagen Sie sich immer wieder, dass Sie eine tolle und liebenswerte Persönlichkeit sind", rät Neumann. "Finden Sie täglich mindestens einmal etwas, das Sie positiv an sich finden."

Tipp 3: Konzentrieren Sie sich auf sich selbst und nicht auf Ihren Partner

"Wenn Sie ständig daran denken, ob Ihr Partner Sie betrügt, machen Sie sich nur selbst fertig", erklärt Karin Neumann. Um der Gedankenspirale zu entkommen, sei es hilfreich, sich auf die eigenen Fähigkeiten und Interessen zu konzentrieren. "Seien Sie neugierig auf all Ihre Talente und Qualitäten, die Sie bisher vielleicht nicht gezeigt haben."

Auch Hobbys, neue Aktivitäten und Treffen mit Freunden helfen dabei, das Selbstbewusstsein aufzubauen. Es sei wichtig, auch ohne den Partner Erfahrungen zu sammeln und Dinge zu meistern, sagt Neumann: "Danach gibt es viel Neues zu erzählen, das hält die Partnerschaft lebendig."

Sollten Sie es allerdings nicht alleine schaffen, die Eifersucht in den Griff zu bekommen, rät die Psychotherapeutin zu einer Einzel- oder Paartherapie: "Sie müssen im Leben nicht alles alleine schaffen."

Über die Expertin: Dr. Karin Neumann ist ausgebildete Systemische Paar- und Familientherapeutin und Doktorin der Psychotherapiewissenschaft in Perchtoldsdorf bei Wien. Sie ist zudem Autorin diverser Fachbücher zum Thema psychische und physische Gesundheit.
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