(jfi/mac/dpa) - Der 92-jährige Altkanzler Helmut Schmidt sorgt erneut für Unmut, weil er einfach nicht von den Glimmstängeln lassen kann oder will. Weil der frühere SPD-Politiker bei seinem Auftritt in Günther Jauchs Talkshow am 23. Oktober Zigaretten geraucht hatte, zeigte eine Berliner Nichtraucher-Initiative die ARD-Vorsitzende Monika Piel an.

Die Berliner Initiative "Forum Rauchfrei" wirft der ARD-Chefin vor, vorsätzlich gegen die Arbeitsstättenverordnung verstoßen zu haben. Die Angestellten hätten vor dem Passivrauch geschützt werden müssen, schrieb die Initiative in einem offenen Brief an den Berliner Gesundheitssenator Mario Czaja. Es handele sich um einen vorsätzlichen Verstoß, weil seit Jahren bekannt sei, dass Schmidt darauf bestehe, auch bei TV-Auftritten zu rauchen.

"Wir hoffen, dass die ARD durch unsere Anzeige für das Problem sensibilisiert wird und sich so etwas nicht wiederholt", sagte ein Vertreter der Nichtraucherinitiative. Öffentliche Einrichtungen müssten den Nichtraucherschutz in Deutschland ernst nehmen - anstatt Rauchern eine Bühne zu bieten.

Der Sender bestätigte heute die Anzeige, wies die Vorwürfe gegen Piel aber zurück: Die ARD-Vorsitzende nehme den Nichtraucherschutz sehr ernst, entsprechende Vorschriften würden in den Programmen und Studios konsequent umgesetzt. Nach Informationen des Branchendienstes "kress.de" hatte der federführende NDR vor der Sendung von allen betroffenen Mitarbeitern im Studio die Zustimmung eingeholt, dass Schmidt während der Sendung rauchen dürfe. Die Sendung mit dem Altkanzler sei darüber hinaus ein "Einzelfall", so der NDR.

Dass das nicht ganz stimmen kann, beweisen jedoch andere Fernsehauftritte des Altkanzlers. So hatte er etwa auch bei der Aufzeichnung einer ARD-Sendung mit Sandra Maischberger im Jahr 2008 nicht auf die Zigaretten verzichten wollen - die Moderatorin machte für den Altkanzler eine großzügige Ausnahme. Bei seinem Auftritt auf dem SPD-Parteitag am Sonntag hatte er sich die Kippe hingegen verkniffen - zumindest so lange, wie er auf der Bühne zu sehen war.