In unserer Aktion "Leserwunsch des Monats" sind Sie gefragt: Was wollen Sie im Gesundheitsressort gerne lesen? Im Februar hatten unsere Leser einen klaren Favoriten: 60 Prozent, also 8.520 Besucher, würden gerne mehr über Depressionen erfahren und haben sich somit gegen die Konkurrenzthemen Allergie und Impotenz entschieden. Was bedeutet die Diagnose "Depressionen" für Betroffene? Margit Mohser* gibt einen Einblick in ihr Innenleben: "An manchen Tagen geht gar nichts!" Doch diese Tage sind viel seltener geworden.

Margit Mohser hat Erfahrungen mit Trennungen: Die 41-Jährige hat ihre Eltern früh verloren - "da war ich fast noch ein Teenager". Später musste sie zwei Fehlgeburten und eine Scheidung verkraften. Schicksalsschläge, die wohl jedem schwer zusetzen würden. Doch Margit hat nicht nur damit zu kämpfen: Sie leidet außerdem an Depressionen.

Als ihr das erstmals klar wurde, war sie Mitte Zwanzig und im Endspurt ihres Lehramts-Studiums für Mathematik und Geschichte: "Auslöser war wohl der Stress", erinnert sich Margit. "Ich hatte eine Menge Prüfungen am Hals, dann kam noch eine Grippe dazu und plötzlich ging gar nichts mehr: Ich konnte nur noch Zuhause im Bett liegen, hatte null Appetit und weinte den ganzen Tag. Dabei hatte ich nicht die geringste Ahnung, was genau mich eigentlich so traurig machte. Ich verstand das Ganze nicht und schob es irgendwie auf die Grippe und den Prüfungsstress." Ihre Mitbewohnerin Klara, eine Medizinstudentin, wusste es jedoch besser: "Sie sagte mir klipp und klar: Margit, du leidest an Depressionen und das kann man behandeln!".

Diagnose Depression - Schock und Erleichterung

"Es war ein Schock für mich, das zu hören und gleichzeitig eine Erleichterung - jetzt hatten diese seltsamen Zustände, die ich damals erlebte, endlich einen Namen", erinnert sich die zierliche, blonde Frau. Eine Wiener Fachärztin für Psychiatrie bestätigte wenig später die Diagnose "endogene Depression". Sie verschrieb der Studentin Antidepressiva. Eine Besserung ihres Zustands durch die Medikamente bemerkte Margit nach etwa drei Wochen. So lange dauert es, bis sich die so genannten Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) positiv auf den Gehirnstoffwechsel auswirken. "Die Medikamente haben mich aus diesem unglaublichen Tief herausgeholt, aber wirklich geholfen hat mir dann eigentlich erst die Psychotherapie. Da habe ich gelernt, mich nicht mehr ständig abzuwerten und vor allem meine Gefühle auszuhalten."

Dennoch kehren die depressiven Phasen wieder, wenn auch weit seltener als früher. Ihre Depression sieht Margit deshalb heute nicht als überwunden, aber als kontrollierbaren Teil ihres Lebens: "Das hat mich viele Jahre gekostet, aber jetzt bin ich so weit, dass ich genau weiß, wann ich aufpassen, wann ich zurückstecken muss. Ich merke genau, wenn die Stimmung in den Keller geht und wenn ich mich labiler fühle. Ich lebe jetzt nicht mehr im Kampf gegen die Krankheit sondern mit der Krankheit."

Wäre ihr Leben ohne die Depression anders verlaufen? "Ich denke schon. Ich würde vielleicht an einer Mittelschule Kinder unterrichten und nicht Erwachsene an der Abendschule. Das hat die Krankheit mit sich gebracht, weil ich durch die schweren Schlafstörungen oft erst ab Mittag arbeitsfähig war.

Vielleicht wäre ich auch noch mit meinem ersten Mann zusammen. Er ist mit meinen depressiven Phasen einfach nicht zurechtgekommen, auch mit meinen beiden Fehlgeburten konnte er nicht umgehen." Ihr jetziger Mann kann das sehr gut. Er ist auch in vielen anderen Dingen so etwas wie Margits Lebensmensch geworden.

Wieder Zugang zu anderen Menschen finden

Dank ihm hat sie vor rund zehn Jahren auch wieder Zugang zu anderen Menschen gefunden. "Die Depression trennt dich irgendwie von dir selbst. Sie trennt einen aber auch von den Menschen, denen man begegnet. Und das ist fast noch schlimmer", erklärt sie.

Ihr Mann teilt auch Margits Zuversicht, dass die Depression irgendwann einmal gänzlich aus ihrem Leben verschwinden wird: "Daran glaube ich ganz fest", sagt sie. Dafür tut sie eine Menge - auch abseits der Schulmedizin, selbst wenn sie den regelmäßigen Kontakt zu ihrer Fachärztin für Psychiatrie nie ganz abreißen lässt. "Ich bin bei einer guten Kinesiologin in Behandlung. Bei ihr habe ich in wenigen Monaten unglaublich viel gelernt." Dass diese Alternativmedizinerin selbst unter Depressionen gelitten hat, habe ihr enorm geholfen. "Wer es selbst erlebt hat, spricht irgendwie dieselbe Sprache wie du! Und schon das alleine hilft", sagt Margit. Unverständnis gebe es leider nach wie vor viel zu häufig, wenn es um das Thema "Depressionen" geht. "Man sieht die Krankheit ja nicht. Wenn du dir das Bein brichst, dann kannst du mit Mitgefühl rechnen. Wenn du Depressionen hast, musst du jederzeit mit einer blöden Meldung rechnen ..."

*Name von der Redaktion geändert