Künstliche Intelligenz polarisiert. Ist sie die genialste Erfindung seit dem Strom oder gleichbedeutend mit dem Untergang der Menschheit? Auf der Fachkonferenz "Rise of AI" waren sich selbst Experten nicht einig.

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie fahren mit dem Auto von der Arbeit nach Hause. Unterwegs beantworten Sie einige E-Mails, telefonieren mit einem guten Freund und spielen danach Ihre Lieblingsmusik bei Spotify ab.

Für keine dieser Aktionen müssen Sie ein technisches Gerät manuell bedienen. Es reicht aus, mit einem "intelligenten Roboter" in Ihrem Auto zu sprechen.

Roboter, die Emotionen und Gesten erkennen

Ziel von Künstlicher Intelligenz ist, "dass man nicht mehr arbeiten muss".


Zu Hause angekommen, begrüßen Sie Ihren fünfjährigen Sohn - und dessen aktuell besten Freund: einen Roboter, der mit ihm sprechen und sogar Gefühle vermitteln kann.

Sie gehen ins Wohnzimmer und schalten den Fernseher ein. Aber natürlich ohne dafür eine Fernbedienung zu verwenden. Das Gerät hat eine Technologie integriert, die auf menschliche Gesten reagiert. Ein Wischer durch die Luft reicht also aus.

Was sich wie eine Zukunftsvision anhört, ist tatsächlich schon heute Realität. Vermeintliche Science-Fiction bahnt sich immer mehr ihren Weg in unseren Alltag. Start-up-Unternehmen stellten all diese und noch weitere Technologien am Donnerstag in Berlin auf der Expertenkonferenz "Rise of AI" vor.

Künstliche Intelligenz betrifft jeden

Geladen hatte Fabian Westerheide, ein Unternehmer, Investor und Experte für Künstliche Intelligenz. Seine Mission ist, mehr Aufmerksamkeit für das Thema zu schaffen.

Zudem will er auch Normalbürgern verdeutlichen, wie sehr wir alle von AI (Abkürzung für den englischen Begriff für Künstliche Intelligenz, "Artificial Intelligence") schon heute beeinflusst sind und warum es aus seiner Sicht so wichtig ist, sich den neuen Entwicklungen nicht zu verschließen.

Westerheide ist sich sicher: "Künstliche Intelligenz wird unsere digitale, erweiterte und physische Welt beherrschen."


Inwiefern das überhaupt erstrebenswert ist, spielt für den Unternehmer dabei keine Rolle - da er den Aufstieg von AI als nicht aufzuhalten einschätzt. "Wir können die Entwicklung nicht stoppen. Wichtig ist, dass sich die Menschheit anpasst und für die Zukunft lernt."

Technologische Errungenschaften brächten immer auch Gefahren, Hindernisse und Widerstände mit sich; allerdings überwiegen für Westerheide die Vorteile.

Experte: "Menschen sind schreckliche Autofahrer"

Exemplarisch nennt er die fortschreitende Etablierung des autonomen Fahrens: "Wir Menschen sind schreckliche Autofahrer, die allein in den USA jährlich über 40.000 Personen bei Verkehrsunfällen umbringen – und genau deshalb brauchen wir Künstliche Intelligenz."

Dass es im letzten Jahr zum ersten tödlichen Unfall mit einem autonomen Tesla in den USA kam, lässt Westerheide als Einwand nicht gelten. Natürlich seien derartige Zwischenfälle schlimm, allerdings habe dieser eine Unfall auch positive Auswirkungen.

Gewissermaßen lernten alle anderen Teslas aus diesem Vorfall, sodass in Zukunft kein vergleichbarer Unfall passieren werde. Für Westerheide überwiegt dieses Argument in Kombination mit der Aussicht auf eine drastische Reduzierung der Verkehrstoten deutlich.

Andere Fachleute sind zurückhaltender

Viele der zu "Rise of AI" eingeladenen Redner vertreten eine differenziertere Meinung. So machte Dr. Damian Borth, Direktor für Deep Learning am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), deutlich, dass es eine klare Spaltung unter den Experten gebe.

Neben vielen Enthusiasten gebe es auch deutlich konservativere Kollegen, die sich mit einer konkreten Vorhersage der nächsten Entwicklungen noch zurückhalten.

Auch Dr. Hans Uszkoreit, wissenschaftlicher Direktor des DFKI, gibt zu bedenken, dass menschliche Intelligenz nach wie vor einige Komponenten aufweise, die Maschinen (noch) nicht übernehmen könnten. Dazu gehörten beispielsweise Kreativität, Emotionen und das Sich-seiner-selbst-bewusst-Sein.

Werden Menschen überflüssig?

Eine Befürchtung von AI-Gegnern ist die zukünftige Häufung von "überflüssigen" Menschen - also beispielsweise von Personen, die ihren Beruf an Maschinen verlieren und in der Folge als nicht mehr anstellbar gelten würden.

Achim Schlosser, Senior Manager bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, beschwichtigt: "Die Frage ist immer, wie wir mit dieser Situation umgehen." Es sei in Zukunft nötig, die Strukturen in Sachen Erziehung zu überdenken und die Menschen hinsichtlich der neuen Anforderungen zu schulen oder umzuschulen.

Auch Jens Redmer, der seit langer Zeit als Manager für Google arbeitet, fordert ein Umdenken. Man müsse sich der Aufgabe stellen. Schließlich sei sie keinesfalls neu. Ein beträchtlicher Anteil an heute etablierten und völlig normalen Jobs sei vor 30 bis 40 Jahren noch nicht einmal denkbar gewesen.

Aufstieg von AI: Nächste industrielle Revolution

Ist Künstliche Intelligenz nun also Fluch oder Segen und kann sie der Menschheit vielleicht sogar gefährlich werden? So ganz waren sich auch die Experten bei "Rise of AI" also nicht einig.

Nur eines steht fest: Es wird höchste Zeit, dass sich alle Akteure einer modernen Gesellschaft intensiver mit der Thematik beschäftigen. Denn AI wird in Zukunft jeden betreffen.

Der Aufstieg Künstlicher Intelligenz ist gleichbedeutend mit einer neuen industriellen Revolution. Und sie wird die gesellschaftliche Ausrichtung aller Voraussicht nach mindestens genauso umkrempeln wie ihre Vorgängerin.

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