Die drei Modellstädte Herrenberg, Mannheim und Reutlingen haben Vorschläge erarbeitet, wie sie die Luftqualität in urbanen Räumen verbessern wollen. Sämtliche Ideen kommen ohne Fahrverbote aus. Kostenlosen Nahverkehr soll es ebenfalls nicht geben.

Durch unterschiedliche Bündel von Maßnahmen wollen die süddeutschen Städte Herrenberg, Mannheim und Reutlingen die Belastung insbesondere durch Stickoxide senken. Hintergrund: Diese drei Städte hatte die Bundesregierung neben Bonn und Essen zu Modellstädten erklärt, in denen Maßnahmen zur Luftreinhaltung getestet werden sollen. Alle drei Regionen wollen den ÖPNV fördern, um Fahrverbote als Höchststrafe für Dieselfahrer zu vermeiden.

Herrenberg setzt auf Tempo 30 und das Fahrrad

Herrenberg will auf seinen Hauptverkehrsachsen zukünftig eine digitalisierte Verkehrssteuerung für einen besseren Verkehrsfluss einsetzen. Die Stadtverwaltung will den öffentlichen Nahverkehr ausbauen und ebenso den Radverkehr fördern. Dafür seien bauliche Veränderungen notwendig. Zudem soll der Autoverkehr auf den Hauptverkehrsachsen auf Tempo 30 gedrosselt werden. Für die Linienbusse will man mehr Platz für Beschleunigung schaffen.

Fahrradfahrer erhalten den Plänen zufolge besser ausgebaute Radwege und moderne Abstellanlagen. Weil im beschaulichen Herrenberg mit lediglich gut 30.000 Einwohnern die meisten Wege kürzer als fünf Kilometer sind, sehen Oberbürgermeister Thomas Sprißler (Freie Wähler) und seine Mitstreiter in der Stadtverwaltung gute Möglichkeiten für den Ausbau des Radverkehrs.

Reutlingen will Autofahrern den Diesel abgewöhnen

In Reutlingen wollen die Lokalpolitiker Dieselfahrer zum Umstieg auf den ÖPNV bewegen. Dafür plant die Stadtverwaltung ein Paket, das rechnerisch stolze 3.543 Euro pro Jahr wert ist. In dem Paket für umstiegswillige Dieselfahrer sind eine Jahreskarte für den Nahverkehr, Taxigutscheine, kostenlose Fahrten in der Metropolregion Stuttgart sowie die Mitgliedschaft im Reutlinger Carsharingverein enthalten. Dafür müssen Fahrer eines Diesels mit einer Schadstoffeinstufung unterhalb von 6 ihren Fahrzeugschein im Safe des Bürgermeisters deponieren.

Mannheim setzt auf günstigen Nahverkehr

„Wir haben ein umfassendes Programm zur Einhaltung der Grenzwerte vorgelegt“, sagt Peter Kurz (SPD), Oberbürgermeister von Mannheim. Als eine Maßnahme will die Stadtverwaltung das Jobticket für den Einzelhandel ausweiten. Das soll dazu führen, dass mehr Berufspendler mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt fahren. Zusätzlich will die Stadt den ÖPNV durch einen geringeren Grundpreis attraktiver machen. Spezielle Maßnahmen gegen Dieselautos plant der Oberbürgermeister nicht. Stattdessen soll der Bund „die Nachrüstung von Dieseln durch die Autoindustrie durchsetzen“, so Kurz.  © 1&1 Mail & Media / CF