Elektrifizierte Oldtimer tauchen seit einigen Jahren immer häufiger im Netz, bei Messen oder Treffen auf. Doch selten stammen die elektrifizierten Restomods vom Hersteller selbst. Audi Neckarsulm hat sich jetzt die Mühe gemacht. Zum 150-jährigen Bestehen der Marke NSU durften zwölf Auszubildende einen NSU Prinz 4L umbauen und kräftig elektrifizieren.

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Karosserie mit Roststellen

Basis für den "EP4" (Elektro Prinz 4) ist ein 1971er Modell, der bis zum Jahresanfang 2023 lange nicht bewegt wurde. Genau die richtige Basis für die angehenden Karosserie- und Lack-Fachleute, die sich um Chassis und Außenhaut des Klassikers kümmern.
"Als wir das Auto bekommen haben, hatte die Karosserie mehrere Roststellen. Diese haben wir als erstes in Ordnung gebracht," sagt Mizgar Doman Hassan, Auszubildender zum Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker.

Die Azubis lackieren das Blechkleid anschließend in den Audi-Farben Suzukagrau und Brilliantschwarz. Auf der Seite des Fahrzeugs sind Akzente wie der Jubiläumsschriftzug "150" aufgebracht.
"Wir wollten, dass man dem EP4 seine Performance aus jedem Blickwinkel ansieht", erläutert Cynthia Huster, Auszubildende zur Lackiererin. "Dafür steht insbesondere der in Signalgelb lackierte Heckflügel." Der ist nicht wie bei anderen Fahrzeugen an der Außenhaut, sondern am Überrollkäfig befestigt. Seine Stützen gehen daher durch die Heckscheibe.

Elektro-Power aus dem Audi e-tron

Unterhalb des großen Spoilers, wo früher ein Zweizylinder-Benziner mit 30 PS (22 kW) seine Arbeit verrichtete, sitzt nun eine E-Maschine mit 240 PS. Sie stammt aus einem Audi e-tron von 2020. Gespeist wird die Maschine von einer Batterie aus dem Plug-In-Hybrid Audi Q7 TFSI e quattro mit 17 kWh Kapazität. Der schwere Stromspeicher versteckt sich unter der vorderen Haube, wo beim Prinzen traditionell der Tank sitzt.

Damit der e-Motor im Heck ausreichend Kühlluft bekommt, lässt sich die Heckklappe in halbgeöffneter Position befestigen. Die Optik erinnert dann an die historischen Rennfahrzeuge auf Basis des NSU Prinz 1000 TT. Damals brauchten die offenen Vergasertrichter den zusätzlichen Platz. Für das deutlich gestiegene Leistungsniveau setzen die Azubis beim EP4 nicht nur auf breite Sportreifen, sondern auch auf eine deutlich breitere Spur.

Unterbau aus dem Audi A1

Achsen und Antriebskomponenten aus dem Original-Prinz findet man im EP4 nicht mehr. Stattdessen steckt ein modifizierter Unterbau eines Audi A1 inklusive Bremsen und Achsen unter dem deutlich verbreiterten Blechkleid. "Das Projekt gibt unseren Auszubildenden die Chance, ganz frei mit verschiedenen Techniken und Materialien zu arbeiten," erklärt Timo Engler, Leiter Ausbildung Fahrzeugtechnik/Logistik.

Neben dem Elektroantrieb wäre das auch der 3D-Druck als zweite Zukunftstechnologie. Weil die Frontklappe aus Carbonfasern besteht, konnten die Azubis sogar Motorsport-Luft schnuppern. "Beim EP4 war nicht nur die Vision, sondern auch die Zeitplanung sehr ambitioniert," erklärt Engler weiter. "Es ist toll zu sehen, wie die Nachwuchskräfte an ihrer Aufgabe gewachsen sind und welchen Entwicklungssprung sie dabei als Team gemacht haben."

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Audi-Standort Neckarsulm

Das Werk Neckarsulm ist mit 15.500 Mitarbeitern nicht nur für die Produktion des Audi e-tron GT verantwortlich. Am Standort werden auch Audi A4, Audi A5 Cabriolet, Audi A6, Audi A7, Audi A8 sowie der Audi R8 gebaut. Hier sollen in Zukunft Traktionsbatterien entwickelt und in kommende Elektroautos gebaut werden.  © auto motor und sport

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