Mit der Moto Guzzi V7 Sport erweitern die Italiener ihr V7-Portfolio. Sie soll sportlicher und fortschrittlicher sein als jede V7 vor ihr. Ob das gelingt und was an dem Modell neu ist, klären wir bei der ersten Testfahrt.
Seit 2008 lässt Moto Guzzi die V7 wieder aufleben. Für 2025 wird das Sortiment um die neue Moto Guzzi V7 Sport erweitert. Die baut auf der bestehenden Basis auf, bringt aber einige Neuerungen mit sich, die das Retro-Naked-Bike sportlicher denn je machen sollen.
Mehr Leistung für die Moto Guzzi V7 Sport
Kernstück der Moto Guzzi V7 Sport ist der klassische, luftgekühlte V2-Motor mit 853 Kubik und 2 Ventilen pro Zylinder. Neben dem Update auf Euro 5+ hat der Motor eine umfangreiche Überarbeitung erhalten. Die Ingenieure passten die Steuerzeiten der Ventile an, verbesserten die Kühlung der Kolben, vergrößerten die Airbox um 27 Prozent und bearbeiteten die Abgasanlage für mehr Performance.
Luftgekühlter V2-Motor mit 67 PS
Der Lohn der Arbeit sind ein Leistungszuwachs von 65 auf 67 PS (49,5 kW) bei 6.900/min und ein maximales Drehmoment von 79 Nm. Das sind nicht nur 6 Nm mehr als zuvor, diese liegen sogar noch 600/min früher an, bei 4.400/min. 95 Prozent des Drehmoments stehen bereits bei 3.500/min zur Verfügung.
Moderne Technik für geschmeidige Fahrt
Zusätzlich statten die Italiener die Moto Guzzi V7 Sport erstmals mit einem Ride-by-wire-System aus, kombiniert mit größeren Drosselklappen (52 mm statt bisher 38 mm). Dadurch stehen dem Fahrer nun 3 wählbare Fahrmodi zur Verfügung: "Rain", "Road" und "Sport". Diese unterscheiden sich in der Art der Gasannahme und der Regelstärke der Traktionskontrolle. Zudem ist nun gemütliches Cruisen mit Tempomat möglich. Die Leistungsentfaltung fällt in allen Modi äußerst geschmeidig aus.
Der V2 bollert sonor
Das Drehmomentplus im Bereich zwischen 3.500 und 4.500/min ist die wirkungsvollste Neuerung am Motor der Moto Guzzi V7 Sport. Es macht das Fahren – trotz "Sport" – noch entspannter. Der V2 bollert in niedrigen Drehzahlen gemütlich vor sich hin und gibt sich dabei erfreulich kraftvoll. Er dreht schön hoch und fackelt dabei sonor, nicht störend, ein Sound-Feuerwerk ab. Drehzahlorgien sind der V7 Sport aber zu aufgeregt. Trotz der ambitionierten Modell-Bezeichnung steht ihr die ruhige Gangart besser.
Fahrwerk und Bremsen: mehr Sport an der Front
Dass sie es sportlich meint, beweist die Moto Guzzi V7 Sport eher mit der neuen Upside-down-Gabel und der Doppelscheibenbremse am Vorderrad. Die 41er Forke führt das 18-Zoll-Vorderrad mit schmalem 100er-Reifen. Hinten federn und dämpfen zwei Federbeine das 17-Zoll-Hinterrad in 150er-Breite. Die Leichtmetallfelgen sind laut Moto Guzzi insgesamt um etwa 1,8 kg leichter als bei der V7 Stone (minus 934 g vorn und 834 g hinten). Das soll sich vor allem mit verbessertem Handling bemerkbar machen.
Video: Im Video: Moto Guzzi V7 Sport (2025)
V7 erstmals mit Doppelscheibe vorn
In der Tat fährt die Moto Guzzi V7 Sport recht agil, lenkt neutral ein und hält dann sauber die gewählte Linie. Die Federelemente sind in der Vorspannung einstellbar und bieten ausreichend Komfort, um nicht jede Bodenwelle mit zusammengebissenen Zähnen zu überfahren. Beim Griff in die Bremsen stellt die V7 Sport sich kaum auf. Die Anlage mit erstmals zwei 320er-Scheiben und Vierkolben-Sätteln von Brembo an der Front verzögert das 218 kg schwere Motorrad (fahrbereit mit zu 90 Prozent gefülltem Tank, Herstellerangabe) kraftvoll und zuverlässig. Ein echter Fortschritt zur bisherigen Einscheiben-Ausführung. Das ABS regelt nicht zu früh und sehr feinfühlig.
Schräglagensensible Assistenzsysteme
Dank der neuen Sechs-Achsen-IMU in der Moto Guzzi V7 Sport agieren deren Assistenzsysteme wie das ABS und die Traktionskontrolle entsprechend der Fahrsituation. Sie reagieren also je nach aktueller Schräglage mehr oder weniger stark. Ebenfalls neu ist das Cockpit mitsamt den Bedienelementen. Ein rundes LC-Display bildet den Mittelpunkt des "Arbeitsplatzes".
Cockpit leider ohne klassische Zeiger
Das Instrument der Moto Guzzi V7 Sport ist zwar zweckmäßig, aufgeräumt und gut ablesbar, wirkt aber am schicken Retro-Bike etwas fehl am Platz. Warum keine analoge Geschwindigkeits- und Drehzahlanzeige? Oder wenigstens ein TFT-Display, das eine solche imitiert? Neben dem Notwendigen informiert das V7-Sport-Display unter anderem über den eingelegten Gang, Außentemperatur und den Tankstand.
Etwas verwirrende Bedienung
Die Bedienelemente der Moto Guzzi V7 Sport fallen eigentlich simpel aus. Neben den üblichen Schaltern und Knöpfen zum Starten, Hupen, Blinken sowie Auf- und Abblenden gibt es nur zwei Knöpfe, einen links, einen rechts. Seltsamerweise verstellt der Knopf mit der Aufschrift "Mode" aber nicht den Fahrmodus. Das gelingt mit dem Knopf am rechten Lenkerende. Drückt man diesen im Stand länger, deaktiviert sich die Traktionskontrolle. Der "Mode"-Knopf führt durch die einzelnen Display-Ansichten und das Menü. Vor allem das linke Gehäuse der Bedieneinheit ist leider recht klobig ausgefallen.
Nichts für große Fahrer oder Fahrerinnen
Mit einer Sitzhöhe von 780 mm ist die Moto Guzzi V7 Sport angenehm niedrig. Auch Kurzbeinige sollten wenig Probleme haben, sicheren Stand zu finden. Große Menschen hingegen wünschten sich ein größeres Platzangebot beim Ritt auf der V7 Sport. Das Steißbein rutscht recht schnell ans Ende der Fahrersitzmulde, während die Knie bereits an den Ausbuchtungen des 21-Liter-Tanks anstoßen. Abgesehen davon ist die Sitzposition entspannt und angenehm, der Kniewinkel ob der tiefen – und recht früh aufsetzenden – Rasten nicht zu spitz. Die weiche Sitzbank macht längere Ausritte nicht zur Tortur.
Das kostet die neue Moto Guzzi V7 Sport
Zwei Farbvarianten gibt es für die Moto Guzzi V7 Sport: "Legnano-Grün" und "Lario-Grau". Für beide sind beim Händler 10.999 Euro fällig. Wer etwas mehr Geld locker macht, kann sich aus dem reichhaltigen Zubehörkatalog bedienen. Der bietet unter anderem Koffer, Seitentaschen sowie Tankrucksack und Hecktasche, eine gesteppte Sitzbank, heizbare Griffe, ein Reifendruckkontrollsystem, Tankpads und obendrein passende Bekleidung.
Fazit
Dank erstarktem Motor, Upside-down-Gabel und Doppelscheibenbremse ist die Moto Guzzi V7 Sport die sportlichste V7 aller Zeiten. Ist sie deswegen ein Sportmotorrad? Nein. Denn ihre Tugenden liegen nicht in der Suche nach dem letzten Zehntel, sondern in der Ruhe, auf geschwungenen Straßen völlig stressfrei das pure Fahrgefühl zu genießen. Mit dem Wissen, dass es bei Bedarf und Laune auch mal einen Gang flotter um die Kurven gehen kann. © Motorrad-Online