Die Fusion sollte Fiat Chrysler (FCA) und Renault zum drittgrößten Autohersteller machen. Doch nach einer Verschiebung der Gespräche von französischer Seite zog FCA sein Angebot komplett zurück. Das Bedauern klang auch ein wenig beleidigt.

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Die angestrebte Fusion zwischen den Autobauern Fiat Chrysler und Renault ist geplatzt. Der italienisch-amerikanische Autobauer zog sein Angebot an den französischen Konkurrenten am Mittwochabend "mit sofortiger Wirkung" zurück.

Fiat Chrysler erklärte, die "politischen Voraussetzungen" für einen Zusammenschluss seien in Frankreich derzeit nicht gegeben. Zuvor hatte der Verwaltungsrat von Renault eine Entscheidung über eine mögliche Fusion auf Drängen der französischen Regierung vertagt.

Fiat Chrysler (FCA) zeigte sich in einer Erklärung "fest überzeugt" davon, dass eine Fusion für beide Seiten vorteilhaft gewesen wäre. Der aus der Fusion des italienischen Autobauers Fiat mit dem US-Hersteller Chrysler entstandene Konzern hatte das Angebot an Renault Anfang vergangener Woche offiziell gemacht.

Durch einen Zusammenschluss wäre der drittgrößte Autobauer der Welt nach Volkswagen und Toyota entstanden, mit jährlich knapp neun Millionen gebauten Fahrzeuge.

Fiat Chrysler hatte vorgeschlagen, dass beide Unternehmensgruppen - also FCA und Renault - je die Hälfte an der neuen Gesellschaft halten. Zusammen würden sie auf 8,7 Millionen Fahrzeuge im Jahr kommen.

Die Renault-Spitze zeigte sich im Grundsatz offen für einen Zusammenschluss. Die französische Regierung machte aber eine Arbeitsplatz- und Standortgarantie zur Bedingung. Der französische Staat ist mit rund 15 Prozent Anteilseigner von Renault.

Französische Regierung warnte vor "überstürzter" Entscheidung

Am Dienstag und Mittwoch befasste sich der Renault-Verwaltungsrat mit dem Fiat-Angebot. Eine Entscheidung wurde am Mittwochabend aber auf Wunsch der Vertreter des französischen Staates im Verwaltungsrat vertagt, wie der Konzern mitteilte.

Nach Angaben aus informierten Kreisen gab es in dem Führungsgremium zwar breite Zustimmung zu einer Fusion. Der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire verlangte demnach aber, dass der Renault-Verwaltungsrat am kommenden Dienst erneut tagt, wenn er selbst von einer Japan-Reise zurückgekehrt ist.

Die französische Regierung hatte vor einer "überstürzten" Entscheidung über die Fusion gewarnt. Renault ist bereits in einer Allianz mit den japanischen Autobauern Nissan und Mitsubishi.

Anzeige gegen Ex-Renault-Manager Ghosn

Der geplatzte Zusammenschluss mit FCA ist derzeit nicht die einzige schlechte Nachricht für Renault. Le Maire erklärte, in der Affäre um Ex-Spitzenmanager Carlos Ghosn werde Anzeige erstattet.

Wenn der Staat Aktionär eines Unternehmens sei, müsse er sicherstellen, dass dessen Führung gut funktioniere. Die Justiz müsse dann in der Sache entscheiden, so der Minister zu BFMTV.

Bis wann die Anzeige eingereicht werden soll, sagte Le Maire zunächst nicht.

Renault hatte bei einer Tochtergesellschaft in den Niederlanden zweifelhafte Ausgaben von zusammen rund elf Millionen Euro entdeckt. Wie der Renault-Verwaltungsrat am Dienstagabend mitteilte, geht es dabei unter anderem um Kosten für Flugreisen des früheren Konzernchefs Ghosn. Auch in den Niederlanden sollten rechtliche Schritte gegen Ghosn abgewogen werden.

Eine Überprüfung der gemeinsamen Tochtergesellschaft mit dem japanischen Partner Nissan bestätigte erste Hinweise, wonach es dort ebenfalls Mängel gab im Hinblick auf die finanzielle Transparenz und Verfahren zur Ausgabenkontrolle. Die Prüfung habe «problematische» Ausgaben in einem Zeitraum innerhalb der vergangenen zehn Jahre ergeben, erklärte Nissan am Mittwoch in einer Stellungnahme. Es gehe unter anderem um Kosten für private Reisen sowie um Geschenke und Spenden deren Zweck unklar oder unangemessen gewesen sei, hieß es. Die Überprüfung dauere an, so Nissan.

Nach der Verhaftung Ghosns in Japan war das von ihm geschaffene und kontrollierte französisch-japanische Auto-Bündnis zwischen Renault, Nissan und Mitsubishi in eine schwere Krise geraten. Ghosn war ein Verstoß gegen Börsenauflagen in Japan vorgeworfen worden. (jwo/afp/dpa)


  © dpa

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