Der "Cum Ex"-Skandal gilt als größter Steuerraub der Geschichte. In diesem Zusammenhang gab es bei einer Tochter der Deutschen Börse jetzt eine Razzia. Es soll um Beihilfe zur Steuerhinterziehung gehen.

Mehr Wirtschaftsthemen finden Sie hier

Die Polizei hat bei der Deutsche-Börse-Tochter Clearstream am Dienstag Büros durchsucht. Ein Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft sagte, es gebe "im Rahmen des Verfahrenskomplexes um die Cum-Ex-Geschäfte Durchsuchungsmaßnahmen bei Beschuldigten". Aufgrund des Steuergeheimnisses wollte er keine weiteren Angaben machen.

Ein Sprecher der Deutschen Börse erklärte, die Durchsuchungen erfolgten "im Rahmen von Ermittlungen gegen Kunden und Mitarbeiter". Der Dax-Konzern kooperiere "vollumfänglich" mit den Ermittlungsbehörden. Zu der Frage, welche Büros im Fokus standen, wollte er nichts sagen.

Kunden bei Steuerhinterziehung unterstützt?

Zuvor hatte das "Handelsblatt" über die Razzia berichtet. Der Zeitung zufolge geht es um den Verdacht auf Beihilfe zur Steuerhinterziehung im Rahmen von Cum-Ex-Geschäften.

Clearstream ist eine Abwicklungs- und Verwahrgesellschaft für Börsengeschäfte - das Unternehmen soll laut "Handelsblatt" Kunden geholfen haben, Kapitalertragssteuern mehrfach erstattet zu bekommen.

"Cum-Ex" gilt als größter Steuerskandal der deutschen Geschichte. Investoren nutzten dabei eine Lücke im Gesetz, um den Staat über Jahre um Milliardensummen zu prellen. Rund um den Dividendenstichtag wurden Aktien mit ("cum") und ohne ("ex") Ausschüttungsanspruch zwischen mehreren Beteiligten hin- und hergeschoben.

Erster Strafprozess im "Cum Ex"-Skandal

Am Ende war dem Fiskus nicht mehr klar, wem die Papiere gehörten. Finanzämter erstatteten Kapitalertragsteuern, die gar nicht gezahlt worden waren. Das Steuerschlupfloch wurde im Jahr 2012 geschlossen.

Bisher ist nicht klar, ob so eine Praxis nur moralisch fragwürdig oder auch illegal war. In der kommenden Woche startet vor dem Bonner Landgericht der erste Strafprozess gegen zwei britische Wertpapierhändler - nach einem Urteil und einer anschließenden Revision vor dem Bundesgerichtshof könnte Ende 2020 feststehen, ob "Cum Ex" eine Straftat und damit illegal war. (dpa/mcf)

Bildergalerie starten

Cum-Ex: So hätten die Milliarden Deutschland helfen können

31,8 Milliarden Euro an Steuern sind Deutschland durch die Cum-Ex-Geschäfte entgangen. Das Geld hätte der Bundesrepublik in vielen Bereichen helfen können. Ein Überblick wo die geraubten Steuergelder eingesetzt werden hätten können.