Khadijo Mohamed musste wegen einer drei Jahre anhaltenden Dürre ihr Zuhause verlassen. Die Klimakrise hat bereits jetzt extreme Auswirkungen auf das Leben von vielen Menschen weltweit und zwingt sie zur Flucht.

Khadijo Mohamed sitzt vor ihrem Zelt am Stadtrand von Mogadischu in Somalia. Hier hat sie mit ihren Kindern Zuflucht gefunden. Sie erzählt von einem Weg, zu dem sie gezwungen war. Von einem Weg, den sie nur antrat, da sie, so wie ihre Nachbarn und Familienmitglieder in ihrer Heimat, am Rande einer Hungersnot stand. „Wir waren Bauern und lebten in unserem Haus ein komfortables Leben. Bevor die Dürre kam, bauten wir Mais, Bohnen und andere Feldfrüchte an. Und wir hatten Kühe, von denen wir Milch bekamen.“

Kurz erklärt: Was ist Dürre?

Während einer Dürre fällt ungewöhnlich wenig Niederschlag. Das führt zu Wassermangel bei Pflanzen, Tieren und Menschen. Die Gefahr bei Dürren liegt darin, dass sie sich über einen langen Zeitraum entwickeln und zuerst schwer zu erkennen sind. Äthiopien, Kenia und Somalia hatten im Jahr 2022 erlebt, dass fünf Regenzeiten infolge ausblieben – es war die längste Dürre in der jüngeren Geschichte der Region. Dies führte dazu, dass im Jahr 2022 mehr als 32 Millionen Menschen mit einer akuten Ernährungskrise konfrontiert waren. Dürren werden vermutlich immer häufiger vorkommen, da der Klimawandel die Häufigkeit und Schwere von Dürren sowie die Variabilität von Regenfällen verändert.

Was, wenn man keine Wahl mehr hat?

Wie Tausende andere Familien in Somalia musste Khadijo mit ansehen, wie Ernten ausfielen, Vieh verendete und die Wasservorräte der Gemeinde langsam, aber sicher bis auf den letzten Tropfen aufgebraucht wurden. Sie floh nach Mogadischu auf der Suche nach Nahrung und Wasser. Die Reise, so erzählt sie, war brutal. Sieben Tage lang hatten sie nichts zu essen und alle ihre Kinder wurden krank. Ihre Jüngste, die zweijährige Sabirin, war durch schwere Mangelernährung lebensbedrohlich ausgezehrt. Für Kinder wie Sabirin kann eine solche Flucht tödlich enden, wenn sie nicht rechtzeitig medizinisch versorgt werden oder therapeutische Zusatznahrung erhalten.

Der Klimawandel ist da – und er wird bleiben

Viele Menschen erleben die Auswirkungen des Klimawandels bereits hautnah. Besonders perfide ist: Vor allem Länder, in denen die Menschen am wenigsten zum Klimawandel beitragen, sind davon betroffen. Extremwetterereignisse wie Überschwemmungen und heftige Stürme nehmen zu, Dürren werden länger und härter. Besonders dramatisch ist es, wenn die Menschen von mehreren Phänomenen nacheinander oder gleichzeitig getroffen werden, wie beispielsweise im Südsudan. Hier herrschte 2023 in einem Teil des Landes eine tödliche Dürre, während Menschen in einem anderen vor Überschwemmungen flohen und alles verloren, was sie besaßen. Nach Schätzungen von internationalen Organisationen können bis 2050 zwischen 150 und 200 Millionen Menschen aufgrund von Klimaextremen auf der Flucht sein.

Wer ist am verletzlichsten?

Klimatische Extremsituationen wie Dürren verschlechtern die Lebenssituation der Menschen drastisch. Sie können dazu führen, dass sie ihr Zuhause verlassen und sich den Risiken und Folgen einer Flucht aussetzen müssen. Sowohl eine Flucht als auch die verstärkten klimatischen Bedingungen durch den Klimawandel sind für Kinder besonders gefährlich und oft ein traumatisches Erlebnis. Extreme Hitze und Luftverschmutzung können vor allem für Neugeborene und Kleinkinder schwerwiegende Folgen haben. Durch Ernteausfälle wegen Dürren oder Unterversorgung auf der Flucht sind Kinder anfälliger für Krankheiten und häufiger mangelernährt.

Der Klimawandel bedroht die Zukunft

Auch seelisch werden Kinder stark belastet: Sie müssen ihre bekannte Umgebung und ihr Zuhause verlassen und sich von Familienmitgliedern, Freundinnen und Freunden trennen. Ihre Bildung leidet, da sie nicht mehr zur Schule gehen können oder Schulen aufgrund von Extremwetterereignissen schließen müssen.

Ein junges Mädchen in Äthiopien kann aufgrund von Überschwemmungen nicht mehr zur Schule gehen
Seit mehr als einem Monat kann die neunjährige Bintu aus Äthiopien nicht mehr zur Schule gehen. Diese wurde aufgrund von Überschwemmungen geschlossen. © UNICEF/UNI485921/Pouget

Kinderarbeit und Kinderehen können vermehrt vorkommen, wenn Eltern verzweifelt für das Überleben ihrer Familie kämpfen. Flucht und Klimawandel haben also schwere Auswirkungen und bedrohen die Zukunft der Kinder.

UNICEF setzt sich unermüdlich für die Belange von Kindern ein und fordert immer wieder, gemeinsam mit anderen Akteuren, dass Kinder und Jugendliche beim globalen Klimaschutz mehr berücksichtigt werden. Die Stiftung United Internet for UNICEF unterstützt UNICEF dabei, in betroffenen Ländern gegen die Folgen der Klimakrise zu kämpfen, zum Beispiel bei der Behandlung von Mangelernährung, im Bereich fehlender Bildung oder bei Wasserknappheit.

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