Der Airfarm Caravan skizziert eine Zukunft, in der sich Reisende selbst versorgen. Kern des Konzepts ist der Gemüseanbau im Wohnwagen.
Der Airfarm Caravan ist ein Konzept. Es zeigt, wie Camperinnen und Camper eine Selbstversorgung mit frischen Lebensmitteln auf Reisen umsetzen können – eine neue Stufe der Autarkie. Entwickelt vom chinesischen Designer Xu Yihang, kombiniert er moderne Landwirtschaftstechniken mit nachhaltiger Energieversorgung auf einem mobilen Gerüst.
Airfarm: Was wir über das Konzept wissen
Entdeckt haben wir diesen Wegbereiter mobiler Kleingärten, weil er 2024 den Red-Dot-Award gewann. Viel ist zu dem spannenden Konzept allerdings nicht bekannt. Spärliche Informationen liefert der Eintrag bei red-dot.org. Das Übrige erzählen die Bilder. Folgendes konnten wir zusammentragen:
Das Konzept Airfarm Caravan verfügt über eine eigene Gemüseanbaufläche für die Selbstversorgung. Er lässt sich durch das Herunterschieben der Dachpartie so erweitern, dass die obere Hälfte des Wohnwagens wie ein schwebender Anbau neben dem Caravan hängt, gestützt von zwei Hubstützen. Auf den Bildern sind mehrere Klappen zu sehen, aus denen flache Auszüge mit niedrigen Pflanzen hervorkommen.
Hydrokultur im Wohnwagen
Diese Auszugsflächen dienen dem Gemüseanbau. Wie? In Form einer Hydrokultur.
Zur Erklärung: Hydrokultur ist ein Verfahren des Pflanzenanbaus, bei dem Pflanzen nicht in der Erde, sondern in einer Nährlösung wachsen. Die Nährstoffe, die die Pflanzen normalerweise aus dem Boden aufnehmen, werden in Form einer speziellen Lösung zugeführt, die mit Mineralien und Spurenelementen angereichert ist. Dabei wird meist ein wässriges Medium (Hydro ist altgriechisch für "Wasser") verwendet, das den Wurzeln als Träger dient.
Hydrokultur eignet sich besonders für Orte, an denen der Anbau in herkömmlicher Erde nicht möglich oder ineffizient ist. Dazu gehören zum Beispiel städtische Gebiete, Gewächshäuser oder vertikale Farmen – wie in diesem Fall: ein Wohnwagen.
Nutzung von Regenwasser und Sonne
Wir wissen außerdem, dass die Versorgung mit Frischwasser im Airfarm durch gefiltertes Regenwasser sichergestellt wird. Eine Solaranlage übernimmt die Energieversorgung abseits des Netzes.
Der Wohnraum wird nicht näher beschrieben. Von außen lässt sich eine halbrunde Aufbautür erkennen sowie eine umlaufende Fensterfront. Service- und Stauraumklappen sowie ein Abluftgitter weisen auf Infrastruktur wie einen Kühlschrank, vielleicht eine Toilette hin sowie Platz für Gepäck.
Denkanstöße: Was wir gerne über das Konzept wüssten
Ein faszinierendes Caravan-Konzept, zu dem leider wenig bekannt ist. Darum haben wir ein paar Überlegungen angestellt:
1. Anbaufläche und Art der Kulturen
Die genaue Größe der Anbaufläche im Caravan bleibt unklar. Wir wissen, dass ausziehbare Flächen vorgesehen sind, die durch mehrere Türen bzw. Serviceklappen zugänglich sind. Es wäre interessant zu wissen, wie viel Fläche tatsächlich für den Anbau zur Verfügung steht und wie effizient diese Fläche genutzt werden kann.
Es ergeben sich folgende Fragen: Sind die Anbauflächen für alle Arten von Gemüse geeignet, oder ist der Anbau auf bestimmte Pflanzenarten (z. B. Kräuter, Blattgemüse) begrenzt? Vielleicht durch die Höhe des Beets in geschlossenem Zustand oder die Art des Anbaus? Wie sind die Pflanzen für den Transport gesichert? Ersetzen Pflanzlichter das Sonnenlicht?
2. Technologie und Steuerung des Systems
Es wird angegeben, dass der Anbau als Hydrokultur stattfindet und Solarstrom für die Versorgung genutzt wird. Doch wie genau werden diese Technologien integriert? Möglicherweise nutzt der Caravan IoT-Technologie, um das Wachstum der Pflanzen zu überwachen oder die Energieverteilung effizient zu steuern.
Gibt es eine mobile App oder ein Dashboard, das den Nutzern hilft, das Gartenmanagement zu überwachen? Wird der Garten automatisch bewässert, oder müssen die Nutzer die Pflege manuell übernehmen? Wie wird der Solarstromverbrauch optimiert, insbesondere wenn der Caravan in Gebieten ohne ausreichend Sonne betrieben wird?
3. Regenwassernutzung und Wasseraufbereitung
Der Caravan soll mit gefiltertem Regenwasser betrieben werden, was eine nachhaltige Wasserquelle darstellt. Es bleibt jedoch unklar, wie der Wasserfilter funktioniert und wie viel Regenwasser tatsächlich gesammelt werden kann.

Wir haben viele Fragen: Wie und wann wird dem Wasserkreislauf die Nährlösung für die Pflanzen beigefügt? Geschieht dies automatisch oder manuell? Wie hoch ist der durchschnittliche Wasserverbrauch der Hydrokultur? Wie wird der Wasserbedarf in verschiedenen Klimazonen geregelt?
Die wichtigste Frage: Wie sieht der Wohnbereich unter der Hydrokultur aus? Wie viele Personen könnte der Wohnwagen fassen und autark versorgen? © Promobil