Die Zahl der Geldautomaten sinkt – wer Bargeld braucht, hebt heute häufig an der Ladenkasse ab. Doch das funktioniert nicht überall und nicht mit jeder Karte. Welche Möglichkeiten es gibt, günstig an Bargeld zu kommen.

Eine Kolumne
Diese Kolumne stellt die Sicht von Ulrike Sosalla dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Meine Kinder lachen meistens, wenn ich darüber stöhne, dass manche Dinge komplizierter sind als früher, und schieben meine Alltagsprobleme wenig charmant auf mein Alter. Eines dieser Dinge, die gefühlt immer schwieriger werden, ist kostenloses Geldabheben. "Komm, so schwer kann das doch nicht sein", ist noch einer der netteren Kommentare. Doch, kann es.

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Kürzlich etwa habe ich Konto und Karte gewechselt, von Girocard (früher EC-Karte) zu einer Visa-Debitkarte. Kein großes Ding, sollte man meinen. Bis ich feststellte, dass ich mit der neuen Karte beim Rewe um die Ecke kein Geld abheben kann. Denn Rewe zahlt – wie etwa auch Kaufland und toom – nur an Girocard-Inhaberinnen Geld aus. Debit- und Kreditkarten bleiben hier beim Abheben an der Ladenkasse außen vor.

Da meine Bankfiliale ein ganzes Stück weg ist, brauchte ich einen neuen Anlaufpunkt zum Geldholen – möglichst nah und am besten ein Geschäft, in dem ich ohnehin regelmäßig vorbeischaue. Aber wo kann ich mit der Debitkarte überhaupt Geld holen und wie viel Mindesteinkauf ist dafür fällig?

Da hilft nur, sich die Sache genau anzuschauen. Die Stiftung Warentest hat das getan und große Unterschiede gefunden – und auch einen Tipp für Kundinnen und Kunden einiger Direktbanken.

Tipp 1: Bei Händlern mit niedrigem Mindesteinkauf Geld holen

Für mich überraschend sind die großen Unterschiede beim Mindesteinkaufswert, der nötig ist, um bei einem Händler Bargeld an der Kasse zu bekommen. Bei Obi und Denn's Biomarkt muss man mindestens 20 Euro ausgeben. Bei dm, Globus, Müller, Penny, Rewe und toom hingegen ist gar kein Einkauf nötig, Geld gibt es auch so – vorausgesetzt, es sind genug Scheine in der Kasse. Kleine Kuriosität am Rande: Aldi Nord verlangt einen Euro Mindesteinkauf, Aldi Süd dagegen fünf Euro.

Tipp 2: Mit Debitkarte oder Kreditkarte an jedem Geldautomaten gratis Geld ziehen

Ein zweiter Punkt, der mich überrascht hat: Bei vielen Banken kann man inzwischen an allen Geldautomaten in Deutschland kostenlos abheben – unabhängig davon, wem der Geldautomat gehört. 80 Kontomodelle bieten laut Girokonten-Vergleich der Stiftung Warentest diesen Service. Voraussetzung ist, dass man eine Debit- oder Kreditkarte dieser Bank besitzt.

Tipp 3: App Viacash für einige Direktbank-Kunden

Geld kostenlos im Laden abheben – und auch einzahlen: Das bietet die App Viacash, bisher allerdings nur für wenige Kundinnen und Kunden. Gratis abheben kann, wer ein Girokonto bei der Postbank, C24, ING, Oldenburgischen Landesbank oder Targobank hat. Bei Comdirect, N26 und Tomorrow hängt es vom Kontomodell ab, ob Abhebungen per Viacash kostenlos sind.

Das Besondere bei Viacash: Über die App sind auch Einzahlungen aufs eigene Konto möglich – das geht sonst nur in der Bankfiliale. In jedem Fall kostenlos ist das aber nur bei der Oldenburgischen Landesbank, bei den anderen befragten Banken kosten Einzahlungen je nach Höhe der Einzahlung zum Teil Gebühren.

Jetzt bin ich gut versorgt mit Informationen – und auch mit Bargeld. Meine Geldabheben-Routine habe ich geändert. Sie führt mich jetzt häufiger zu Edeka und dm, wo meine Debitkarte für Auszahlungen akzeptiert wird. Eines habe ich nebenbei auch noch gelernt: Einzelhändler rücken nur Bargeld raus, wenn ihre Kassen ausreichend gefüllt sind. Morgens kann es daher sein, dass die Kassiererin eine Auszahlung von 100 oder 200 Euro ablehnt. Solche Beträge hole ich dann einfach am späten Nachmittag oder am Abend.

Über die Autorin

  • Ulrike Sosalla ist stellvertretende Chefredakteurin von "Stiftung Warentest Finanzen" und ausgewiesene Fachfrau für Finanzfragen. Die Stiftung Warentest testet seit 60 Jahren Finanzdienstleistungen und veröffentlicht die Ergebnisse auf test.de und in ihren Magazinen. Alle Publikationen sind komplett anzeigenfrei und gewährleisten damit absolute Unabhängigkeit gegenüber Banken, Versicherungen und der Industrie. Die Newsletter der Stiftung Warentest können Sie hier abonnieren.

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