Deutschland ist im Goldrausch: 83,5 Tonnen des Edelmetalls wurden hierzulande im ersten Halbjahr 2020 in Form von Barren oder Münzen gekauft. Das entspricht einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 100 Prozent. Grund für den Boom ist die Coronakrise.

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Die Deutschen haben im ersten Halbjahr laut einem Bericht der "FAZ" auffällig viel physisches Gold gekauft: Sie erwarben von Januar bis Juni Barren und Münzen mit einem Gesamtgewicht von 83,5 Tonnen, wie die Zeitung am Freitag unter Berufung auf den Weltgoldrat berichtete. Das entspricht einem Plus von mehr als 100 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Goldpreis pendelt im Bereich des Allzeithochs

International dagegen ging die Nachfrage nach Gold in Form von Barren und Münzen zurück, wie der Weltgoldrat am Donnerstag mitteilte. Sie sank um 17 Prozent auf knapp 400 Tonnen. Dabei gab es den Angaben zufolge eine "klare Ost-West-Teilung": In den meisten Ländern Asiens und in Nahost sank der Absatz, im Westen stieg er.

Nichtsdestotrotz stieg in der Nacht zum Montag (27. Juli) der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) bis auf 1.944,71 Dollar und übertraf damit das bisherige Rekordhoch von rund 1.921 Dollar vom September 2011 deutlich. Bis zum heutigen Freitag legte der Preis nochmals zu: Zeitweise wurde die Unze Feingold heute über 1.977 US-Dollar (Stand 13:30 Uhr) gehandelt. Inzwischen scheint auch die magische Marke von 2.000 US-Dollar laut Analysten erreichbar zu sein. Seit Beginn des Jahres hat Gold rund 30 Prozent an Wert gewonnen. Eine ähnliche Entwicklung zeigte sich auch beim Preis für Silber.

Schwacher Dollar größter Preistreiber bei den Edelmetallen

Analyst Hao Zhou von der Commerzbank wies darauf hin, dass in den vergangenen Handelstagen ein schwacher US-Dollar einer der wichtigsten Preistreiber für Edelmetalle gewesen sei. Gold und Silber werden in Dollar gehandelt, so dass ein Kursrückgang der amerikanischen Währung die Edelmetalle in Länder außerhalb des Dollarraums günstiger macht. Das steigert die Nachfrage.

Gold ist zurzeit aufgrund mehrerer Entwicklungen unter Anlegern sehr beliebt. Ein Hauptgrund ist die Corona-Pandemie mit ihren drastischen wirtschaftlichen Folgen. Dazu gehören die hohe Unsicherheit über den Fortgang der Krise, die stark steigende Verschuldung von Staaten und Unternehmen sowie die anhaltend niedrigen Zinsen auf der Welt. Gold gilt als Krisen- und Inflationsschutz. (mgb/afp/dpa)