Amazons neues Armband kann Gefühle messen. Was für den Nutzer ein nettes Tool ist, könnte für den Megakonzern zum weiteren Überwachungsutensil werden. Nur geht es diesmal unter die Haut. Ist damit eine Grenze überschritten?

Dr. Rolf Schwartmann
Eine Kolumne
von Dr. Rolf Schwartmann
Diese Kolumne stellt die Sicht des Autors dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Wetterfühligkeit ist für manche ein Problem. Wer glaubt, dass seine Stimmungsschwankungen von Regen oder Sonnenschein abhängen, der kann das testen. Ob die Stimmung auch bei positivem Testergebnis wirklich vom Wetter abhängt, oder ob man, wie bei einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung, glaubt, bei Regen müsse man einfach schlechte Laune haben und sie deshalb auch bekommt, ist schwer zu sagen.

Glaubt man Amazons neuem Gefühlsmesser Halo, dann kann ein smartes Armband seinen Träger zuverlässig über den Gemütszustand auf dem Laufenden halten. Man füttert seine Sensoren mit Herzschlag, Schritthäufigkeit, Körpertemperatur und seine Mikrofone analysieren Stimmlage, den Rhythmus und Geschwindigkeit des Sprechens.

Stimmungsvorschläge vom Algorithmus

Dieser Mix wird über Algorithmen ausgewertet und Amazon verspricht ein verlässliches Abbild der Gefühlslage, die Begeisterung, Langeweile, Verwirrung und Besorgnis kennt. Damit man mit seinem Gefühlsleben umgehen kann, nennt der Stimmungsmesser, zu welchen Tageszeiten man welche Gefühle hat. Das mit einer App verbundene Armband ermittelt aus Ganzkörper-Selfies in hautenger Kleidung per Simulation auch den Körperfettanteil, um zum Abnehmen zu motivieren.

Dass dieses Gerät zur Auswertung von Psyche und Körper das Zeug zum medizindatenschutzrechtlichen und datenschutzethischen Super-GAU hat, steht außer Frage. Weil die Daten aus Halo jedenfalls technisch jederzeit mit anderen Daten bei Amazon zusammengeführt werden können, ist es angesichts schlechter Erfahrungen mit dem Tech-Giganten wenig beruhigend, dass Amazon für das bisher nur in den USA einem ausgewählten Bewerberkreis zugelassene Gerät, ein separates Konto vorsieht und die erhobenen Daten das Endgerät nicht verlassen sollen.

Gefühle als Verkaufsstrategie?

Wer Halo als Hokuspokus abtut, der unterschätzt die Möglichkeiten der Verknüpfung von Daten, insbesondere von intimen Daten über das Gefühlsleben mittels künstlicher Intelligenz. Die Nutzung von Halo ergibt nur Sinn, wenn man dessen Impulse annimmt. Im schlimmsten Fall löst man sich als Nutzer von der eigenen Wahrnehmung und vertraut sich den Stimmungsvorschlägen der Auswertungsmaschinerie an.

Eine durch Algorithmen abgebildete, gefilterte und durch deren Programmierung steuerbare persönliche Gefühlswelt ist eine Horrorvision. Da lobt man sich die gute alte Wetterfühligkeit.

Verwendete Quellen:

  • vigo.de: Selbsttest: Bin ich wetterfühlig?
  • homeandsmart.de: Amazon Halo Armband erkennt dank Bodyscan sogar Gefühle
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