Apples Design-Guru Jony Ive macht sich selbstständig. Das ist ein großer Verlust für den US-Tech-Giganten - der Brite gilt als treibende Kreativ-Kraft im Haus. Doch man will auch künftig zusammenarbeiten.

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Der iPhone-Riese Apple verliert einen seiner wichtigsten und bekanntesten Manager. Chefdesigner Jony Ive werde das Unternehmen verlassen, um eine eigene Firma zu gründen, teilte Apple am Donnerstag nach US-Börsenschluss mit.

"Jony ist eine einzigartige Persönlichkeit in der Design-Welt und seine Rolle bei Apples Revival kann nicht stark genug betont werden", erklärte Konzernchef Tim Cook.

Ive soll Apple noch in diesem Jahr verlassen

Der Abgang von Ive solle noch in diesem Jahr erfolgen, allerdings werde Apple zu den wichtigsten Kunden des neuen Unternehmens des 52-Jährigen zählen.

Der Brite kam Anfang der 1990er Jahre zu Apple und leitet dort seit 1996 das Design-Team. Er gilt als eine der Schlüsselfiguren im Konzern. Apples Aktie reagierte auf die Ankündigung seines Rücktritts nachbörslich mit Kursverlusten.

"Nach fast 30 Jahren und zahllosen Projekten bin ich am stolzesten, dass wir bei Apple ein Design-Team, Prozesse und eine Kultur geschaffen haben, die ihresgleichen sucht", sagte Ive laut Apple-Statement. Künftig sollen seine Kollegen Evans Hankey und Alan Dye für das Design-Team an Vorstand Jeff Williams berichten. Beide hätten schon seit vielen Jahren Führungsrollen inne, teilte der Konzern mit.

In einem Interview mit der "Financial Times" sprach Ive einem "natürlichen und behutsamen" Übergang. "Obwohl ich kein (Apple)-Mitarbeiter sein werde, werde ich mich trotzdem sehr engagieren - ich hoffe, dass es noch viele, viele Jahre dauern wird."

Ive war maßgeblich an iMac, iPod, iPad und Apple Watch beteiligt

Ive war maßgeblich an der Gestaltung einiger der erfolgreichsten Apple-Produkte beteiligt. Er galt als einer der engsten Vertrauten des verstorbenen Apple-Gründers Steve Jobs. Auch nach dessen Tod blieb Ive die treibende Kreativ-Kraft des Unternehmens. Zur Legende wurde sein Design-Konzept des iMac, mit dem sich Apple Ende der 90er Jahre aus einer existenzbedrohenden Krise befreien konnte.

Es war eines der ersten Projekte, die der 1997 in das Unternehmen zurückgekehrte Steve Jobs in die Wege leitete. Mit seinen bunten, knubbeligen Geräte-Entwürfen brachte Ive das Unternehmen wieder zurück auf die Erfolgsspur.

Die Gestaltung des iPods, mit dem Apple in den Folgejahren die Musikindustrie umkrempelte, stammt ebenfalls aus Ives Feder. Auch das iPad wurde maßgeblich von Ive gestaltet. Zuletzt setzten Ive und sein Team mit der Apple Watch und den Ohrhörern AirPods gestalterische Akzente.

Sein Design-Credo: Reduktion auf das Wesentliche

Ive kam 1967 in London zur Welt und studierte in Newcastle Produktdesign. Danach begann er seine Karriere im Londoner Designstudio Tangerine. Apple engagierte ihn zunächst als Berater, 1992 zog Ive dann ganz zur Firmenzentrale nach Cupertino.

Alle seine Konzepte durchzieht als gemeinsamer Nenner die Reduktion auf das Wesentliche. In seiner minimalistischen Formensprache ließ sich Ive Zeit seines Lebens von dem deutschen Industriedesigner Dieter Rams inspirieren, der viele Jahre Chefdesigner von Braun war.

Die vergangenen Jahre kümmerte sich Ive allerdings nicht nur um das Design neuer Apple-Produkte, sondern vor allem um den Bau der neuen Firmenzentrale in Cupertino. So soll Ive persönlich Details der Innenausstattung des riesigen kreisrunden Gebäudes entworfen haben. (mgb/dpa)

Das iPhone hat Apple zum wertvollsten Unternehmen der Welt gemacht. Doch die Zeiten des großen Wachstums im Smartphone-Markt sind vorbei, jetzt will der Konzern verstärkt Geld mit Abo-Diensten verdienen. Dafür ging Apple unter anderem nach Hollywood.