Alle paar Tausend Jahre kommt der Komet "Neowise" der Erde nahe - gerade wieder. Wer früh aufsteht, kann ihn mit seinem Schweif am Himmel bewundern. Tipps für die Beobachtung mit bloßem Auge.

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Kosmonaut Iwan Wagner hat einen besonderen Beobachtungsposten. Knapp 420 Kilometer über der Erdoberfläche kann der Russe aus der Internationalen Raumstation zumindest in seinen Arbeitspausen in die Weiten des Alls hinausspähen.

Dabei fiel ihm dieser Tage ein leuchtendes Objekt auf, das er bisher noch nicht gesehen hatte: Der Komet "Neowise" (C/2020 F3) zeichnete sich als helle Kugel mit gut erkennbarem Schweif am schwarzen Himmel ab, hoch über der blau schimmernden Erdatmosphäre.

Wagner griff zur Kamera und machte ein Foto.

Komet ist kurz vor Sonnenaufgang zu sehen

Doch niemand muss ins All fliegen, um den seit Jahren hellsten Kometen am Nachthimmel zu bewundern. Auch von der Erde aus lässt sich "Neowise" dieser Tage gut beobachten, im Idealfall ganz ohne Hilfsmittel.

"Der Komet ist derzeit kurz vor Sonnenaufgang am Himmel zu sehen, also etwa gegen 4 Uhr 30", erklärt Carolin Liefke im Gespräch mit dem "Spiegel". Die Astrophysikerin arbeitet am Haus der Astronomie in Heidelberg und engagiert sich bei der Vereinigung der Sternfreunde.

Entdeckt von einem Oldie-Teleskop

Entdeckt wurde der Komet am 27. März dieses Jahres mit dem US-Weltraumteleskop "Neowise". Das 2009 gestartete Infrarot-Observatorium der Nasa sollte eigentlich 2011 nach einer erfolgreichen Durchmusterung des Himmels abgeschaltet werden.

Zu diesem Zeitpunkt hatte es bereits mehr als 33.500 Asteroiden und Millionen schwarze Löcher entdeckt. Da aber zumindest ein Teil der Sensoren noch Daten lieferte, wurde das Teleskop reaktiviert und zur Suche nach weiteren unbekannten Himmelsobjekten genutzt. Zu seinen Entdeckungen gehört nun auch der aktuell sichtbare Komet.

Entstanden ist dieser in den Frühzeiten des Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahren. Liefke berichtet, dass der Komet den sonnennächsten Punkt seiner in etwa elliptischen Umlaufbahn am 3. Juli erreicht hat.

Schweif dürfte sogar mit bloßem Auge sichtbar sein

Aktuell ist "Neowise" rund 160 Millionen Kilometer von uns entfernt. Der Erde kommt er auf seinem Flug Mitte des Monats am nächsten. Dann wird der Abstand noch bei etwa 103 Millionen Kilometern liegen.

Die Energie der Sonne sorgt dafür, dass der vor allem aus Eis, Staub und Gesteinsteilchen bestehende Himmelskörper gerade rapide an Masse verliert. Daher resultiert auch sein Schweif, der sogar mit bloßem Auge sichtbar sein dürfte. Ob der Komet in den kommenden Tagen noch heller wird, lässt sich aber nicht sagen.

Das hängt von den chaotischen Prozessen in seinem Inneren ab, die durch die Einstrahlung der Sonne in Gang gesetzt werden. Ein gewaltiger Effekt werde aber nicht zu erkennen sein, sagt Liefke.

Im Nordosten, knapp über dem Horizont

Bei der Beobachtung, so erklärt die Astrophysikerin, gilt es ein paar Dinge zu beachten:

  • Klarer Himmel ist wichtig. Wer kann, sollte vor dem Stellen des Weckers vorab den Wetterbericht checken und dann möglichst weit von einer Stadt entfernt sein Beobachtungsglück suchen. "Wolken und Dunst dürfen nicht stören", sagt Liefke.
  • Der Komet steht mit fünf Grad nur knapp über dem Horizont. Freie Sicht ist in Richtung Nordosten nötig. "Man begibt sich am besten auf einen hohen Punkt", so Liefke.
  • Bei der Suche nach dem Kometen kann man sich an der Venus orientieren, dem derzeit hellsten Objekt am Morgenhimmel. Hat man sie erspäht, sollte man noch ein Stück weiter Richtung Norden, also nach links schauen und den Blick dann etwas nach unten senken.

Liefke berichtet, sie selbst habe den Kometen bisher noch nicht beobachtet. Das liege daran, dass sie abends derzeit öfter nach Leuchtenden Nachtwolken Ausschau halte.

Diese sind im Hochsommer zu sehen, wenn Eiskristalle in den hohen Schichten der Erdatmosphäre, in mehr als 80 Kilometern Höhe, im richtigen Winkel von der Sonne angeleuchtet werden. Zum Vergleich: "Normale" Wolken in der Troposphäre sind höchstens in etwa 13 Kilometern Höhe zu finden.

Ab Mitte des Monats lohnt der Blick in den Abendhimmel

Wer gleichzeitig die Leuchtenden Nachtwolken und den Kometen beobachten wollte, bekäme nur ein paar wenige Stunden Schlaf. "Ich war ein bisschen faul, so früh aufzustehen", sagt Liefke. "So langsam reizt es mich aber auch."

Etwas einfacher für den Biorhythmus wird es womöglich, wenn der Komet ab Mitte des Monats nicht mehr am Morgen-, sondern am Abendhimmel zu sehen sein wird, im Bereich des Sternbilds Großer Wagen. Dann ist er allerdings vermutlich nicht mehr so hell wie jetzt - und eher "ein Fall fürs Fernglas", so Liefke.

In jedem Fall sollte man sich ranhalten, wenn man "Neowise" beobachten möchten. Ist er erst einmal in den Tiefen des Sonnensystems verschwunden, wird es Tausende von Jahren dauern, bis er der Erde wieder nahekommt.  © DER SPIEGEL

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