Aus China kommen gehäuft Meldungen von Unfällen auf Rolltreppen mit Todesfolge. Frank Ehlert, Pressesprecher des TÜV Rheinland, schätzt die Sicherheit deutscher Exemplare ein und appelliert an die Nutzer.

Ein modernes Stadtbild ohne eine Vielzahl an Rolltreppen ist kaum vorstellbar. Als Sicherheitsrisiko nehmen sie die wenigsten Menschen wahr. Vor allem in China kommt es seit einiger Zeit immer wieder zu gravierenden Unfällen mit Personenschäden. Wie steht es bei uns um die Sicherheit von Rolltreppen?

4-Jähriger stirbt bei Unfall in China

Erst Mitte Oktober verunglückte in der chinesischen Millionenstadt Chongqing ein 4-jähriges Kind beim unbeaufsichtigten Spielen an einer Metro-Rolltreppe tödlich. Der Junge blieb mit seinem Arm im Handlauf stecken und wurde regelrecht zerquetscht. Schockierende Bilder des Vorfalls verbreiteten sich im Internet wie ein Lauffeuer und die nachlässigen Regularien bezüglich Gesundheits- und Sicherheitsvorkehrungen in China werden seitdem scharf kritisiert.

Frank Ehlert, Pressesprecher des TÜV Rheinland in Sachen Industrie Service, kann sich keinen Reim auf die Unglücksserie machen: "Eine Einschätzung der Vorkommnisse in China ist für uns natürlich unmöglich, da wir keine Einsicht über die genauen Gegebenheiten vor Ort haben und auch an der Prüfung der dortigen Gerätschaften nicht beteiligt sind."

Frank Ehlert: "Wartung ernst nehmen!"

Der Experte will aber die tatsächlich auch in Deutschland vorhandenen Risikofaktoren nicht unerwähnt lassen. Besonders im Falle defekter Kammplatten könnten Gesundheitsrisiken nicht ausgeschlossen werden: "Kammplatten markieren den Übergang, an dem die Rolltreppe im Boden versinkt. Sofern diese beschädigt sind, besteht die Gefahr, dass Gegenstände wie beispielsweise Kleidung eingezogen werden."

Umso wichtiger sei laut Ehlert eine regelmäßige und gewissenhafte Instandhaltung: "Wir appellieren ständig an die Betreiber, dass die Wartung von Rolltreppen sehr ernst genommen werden muss. Eine kontinuierliche Kontrolle ist absolut unabdingbar, um solchen Risiken bestmöglich vorzubeugen."

Nutzer sind auch in der Pflicht

Die Nutzer sieht der TÜV-Experte allerdings ebenfalls in der Pflicht, da ein großer Gefahrenherd auch in deren Fehlverhalten liege: "Wir raten Nutzern, sich auf Rolltreppen angemessen zu benehmen. Viele Risiken können alleine dadurch vermieden werden, dass man ruhig in der Mitte steht und zum Beispiel darauf verzichtet, einen Fuß am Rand der Treppe schleifen zu lassen." Auch der Transport von sperrigen Gegenständen wie Fahrrädern stelle eine Gefährdung dar, so Ehlert.

Der Forderung, häufiger einen automatischen Not-Halt einzusetzen, begegnet Ehlert mit gemischten Gefühlen: "Die Ausrichtung einer Fahrtreppe ist immer eine Gratwanderung zwischen Sicherheit sowie Komfort und Zuverlässigkeit. Eine Treppe, die bei der kleinsten Meldung sofort abschaltet, würde wahrscheinlich die meiste Zeit stillstehen, weil dann natürlich auch die Gefahr von Fehlalarmen besteht. Ansporn muss es hier sein, eine bestmögliche Balance im Sinne der Nutzer zu erreichen."