• Sich aus bescheidenen Verhältnissen nach oben arbeiten, das ist der amerikanische Traum.
  • Aber haben soziale Aufsteiger auch gleichzeitig Verständnis für die Schwierigkeiten sozial Schwächerer?
  • Eine aktuelle Studie aus den USA zeigt, dass das nicht unbedingt der Fall ist.

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Soziale Aufsteiger sind weniger empathisch als Menschen, die ihr Vermögen geerbt haben. Zu diesem Ergebnis kommen Forschende in einer Studie aus den USA, über die im Fachblatt "Social Psychological and Personality Science" berichtet wird. Ob sich die Studienergebnisse auch auf andere Länder übertragen lassen, ist fraglich.

Vom Tellerwäscher zum Millionär: Insbesondere in den USA werden Geschichten über den sozialen Aufstieg aus bescheidenen Verhältnissen gerne erzählt und das insbesondere von denjenigen, die diesen Aufstieg geschafft haben, wie eine Studie schon 2020 ergab. Aber sind diese Self-Made-Reichen auch beliebt? Frühere US-Umfragen legten nahe, dass Reiche dort grundsätzlich von der Mehrheit nicht bewundert werden, diese Meinung sich aber ändert, sobald es um soziale Aufsteiger geht.

Geht man bei sozialen Aufsteigern automatisch davon aus, dass sie gegenüber sozial Schwächeren empathischer sind?

Ein Grund könnte sein, dass im Falle der Aufsteiger der Eindruck besteht, sie hätten ihren Reichtum im wahrsten Sinne des Wortes eher verdient. Ein Team um die Psychologin Hyunjin Koo von der University of California untersuchte nun eine weitere These: Wird vielleicht bei sozialen Aufsteigern davon ausgegangen, dass sie aufgrund ihrer bescheidenen Anfänge mehr Bezug zum Alltag sozial Schwächerer haben und dass sie ihnen gegenüber empathischer sind als reich Geborene? Und stimmt diese Annahme überhaupt?

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Zur Überprüfung dieser Theorien befragten Koo und ihre Kollegen zunächst über 700 US-Amerikaner. Sie stellten fest, dass die befragten Menschen, die reich wurden, tatsächlich positiver beurteilten als solche, die bereits reich geboren wurden. Konkret erwarteten die Befragten von den reich Gewordenen eine stärkere Unterstützung Bedürftiger und des Sozialwohls im Allgemeinen.

Zwei Folgestudien warfen diese Vorstellung allerdings über den Haufen. Für diese befragten die Wissenschaftler erst knapp 500 Menschen mit einem Jahreseinkommen von über 80.000 US-Dollar (rund 75.500 Euro) und dann noch einmal über 550 Menschen mit einem Mindestjahreseinkommen von gut 142.000 US-Dollar (134.000 Euro).

Wie jemand zu Wohlstand gekommen ist, scheint Weltanschauung zu beeinflussen

Dabei stellte sich ein signifikanter Unterschied heraus zwischen denjenigen, die reich geboren wurden, und denjenigen, die es im Laufe ihres Lebens zu Wohlstand gebracht hatten: "Reiche, die reich geworden sind, empfinden die Verbesserung ihrer sozioökonomischen Bedingungen als weniger schwierig als die reich Geborenen, was auf eine weniger wohlwollende Haltung gegenüber Bedürftigen und gegenüber Umverteilung schließen lässt", fasst Hauptautorin Koo in einer Mitteilung zusammen. Also scheine die Art, wie jemand zu seinem Wohlstand gekommen ist, einen Einfluss auf die jeweilige Weltanschauung zu nehmen.

Für ihre letzte Studie luden die Forscher knapp 500 Probanden zu einem Gedankenspiel ein: Sie sollten sich vorstellen, vor 15 Jahren in einem Unternehmen angefangen zu haben und das entweder als jemand, der sich bis heute auf einen wichtigen Posten hochgearbeitet hat, oder als jemand, der diesen Posten gleich zu Beginn seiner Karriere bekam, weil es sich um die Firma der eigenen Familie handelte.

Dann sollten die Studienteilnehmer eine fiktive Angestellte bewerten, die zur gleichen Zeit eingestiegen war, bis heute aber keinen Aufstieg geschafft hatte. Auch hier zeigten sich diejenigen, die sich in der Rolle der Aufsteiger sahen, weniger verständnisvoll für die Schwierigkeiten ihrer Kollegin als die, die ihre Position geerbt hatten.

Weitere Forschungsarbeiten nötig

Für die Studienautoren ist ihre Arbeit nicht zuletzt deswegen von Bedeutung, da sie die öffentliche Wahrnehmung reicher Menschen mit deren tatsächlichen Einstellungen abgleicht - was dann eine Rolle spielen könnte, wenn diese sich etwa um ein politisches Amt bewerben. "Nur weil jemand in deinen Schuhen gesteckt hat, heißt das nicht unbedingt, dass er sich für dich interessiert", so Psychologin Koo.

Insgesamt seien hier aber noch weitere Forschungsarbeiten nötig: "Wahrscheinlich gibt es viele wohlhabende Menschen, die nicht den von uns dokumentierten Mustern entsprechen und die mit Bedürftigen und sozialer Wohlfahrt sympathisieren."

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Darüber hinaus wurden nur US-Amerikaner befragt: Angesichts des einzigartigen Stellenwerts, den die soziale Mobilität im Ethos des amerikanischen Traums einnehme, gebe es Grund zu der Annahme, dass die gefundenen Effekte in anderen Ländern schwächer sein könnten, schreiben die Forschenden. Tatsächlich ist schwer abzuschätzen, ob sich die Ergebnisse von Koo und Kollegen beispielsweise auf Deutschland übertragen ließen, wo dem aktuellen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung zufolge die soziale Mobilität nach oben schwieriger geworden ist.

Sprechen über Geld oder Vermögen in Deutschland eher unüblich

Hinzu kommt, dass Reichtum hierzulande oftmals noch als Tabu gilt, das öffentliche Sprechen über Geld oder das eigene Vermögen ist eher unüblich. Und schließlich widersprechen sich die Daten darüber, wie Deutschlands Reiche zu ihrem Geld gekommen sind, ob also durch Erben oder Einkommen. Eben dieser Unterschied könnte aber ebenso wichtig sein wie die Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht als solcher.

"Ein Auf- oder Abstieg in der sozioökonomischen Hierarchie prägt die Einstellungen in einer Weise, die bei einer einfachen Bewertung der aktuellen Klasse nicht berücksichtigt wird", heißt es in der aktuellen Arbeit: "Letztlich werden die sozialen Ansichten der Menschen nicht nur durch ihre aktuelle Klassenposition geprägt, sondern auch durch den Einfluss der Lebensumstände, die sie dorthin geführt haben." (ff/dpa)

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